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YouTube, TikTok und Co. Marktmacht mit Risiken

Stand: 23.10.2020 13:04 Uhr

YouTube, Instagram und TikTok verzeichnen in der Corona-Krise steil steigende Nutzungszahlen. Den enormen Einfluss der Plattformen auf Jugendliche sehen Forscher als Problem.

Von Katrin Bohlmann, BR

Der TikToker Skatschi aus Mittelfranken kann seinen Erfolg noch gar nicht richtig fassen. Der 27-Jährige aus der Nähe von Herzogenaurach spielt in kurzen, lustigen Videoclips Alltagsszenen nach. Mehr als 400.000 Follower hat Skatschi mittlerweile auf dem digitalen Kanal TikTok. Im Februar waren es noch 10.000.

Seine Clips erzielen jetzt insgesamt mehr als 90 Millionen Klicks. Die Coronakrise hat ihm den Durchbruch gebracht. "Das macht mich wahnsinnig happy. Ich gar nicht ausdrücken, was in mir passiert. Das gibt mir so viel zurück!", sagt Skatschi.

"Unglaublich vielfältige Plattform"

So wie dem TikToker Skatschi geht es zurzeit vielen Influencern. Gerade in der Corona-Krise nutzen viele Jugendliche YouTube, TikTok und Instagram.

Der Münchener Medienforscher Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität München beobachtet einen Boom von YouTube und Co.: "Es ist eine unglaublich vielfältige Plattform, weil es da alle möglichen Formen von Inhalten gibt, die jedes Bedürfnis befriedigen."

Gerade in einer Krise wie der Corona-Pandemie greife man auf die gewohnten Medien stärker zurück. Kinder und Jugendliche wollten sich gerade im Lockdown, als die Schulen geschlossen waren, beschäftigen. Dafür waren YouTube und TikTok gerade richtig.

83 Prozent der Jugendlichen nutzen YouTube zum Lernen

Aber nicht nur aus Spaß schauen sich die jungen Menschen die Clips auf den gängigen Plattformen an. Neben Musik-, Unterhaltungs- und sogenannten Let's Play-Videos sind auch bildungsbezogene Inhalte und Tutorials gefragt.

Laut einer Studie des medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest haben deutschlandweit 12- bis 19-Jährige im April dieses Jahres fast nur YouTube als digitales Lernangebot genutzt. Wikipedia, andere Onlineangebote sowie Dokus und Wissenssendungen im Fernsehen sind weit abgeschlagen.

Medienforscher warnt vor Marktmacht von YouTube

Aber Medienforscher Reinemann warnt: YouTube habe als einzelne Plattform eine unglaubliche Marktmacht. Diese annähernde Monopolstellung sei gefährlich.

"Ich sehe die Entwicklung durchaus kritisch. Man muss diese Frage nach der Marktmacht tatsächlich immer im Hinterkopf haben, wenn man daran denkt, wie dominant diese Plattform insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist."  YouTube und TikTok sollten nicht die einzige Informationsquelle für Kinder und Jugendliche sein.

Umstrittene TikTok-App wächst rasant

Den Kurzvideodienst aus China, TikTok, sieht der Münchner Medienforscher noch kritischer. Noch immer sei nicht klar, inwieweit die chinesische Regierung Einfluss nimmt auf die Inhalte. Das umstrittene Videoportal ist jünger und noch nicht ganz so erfolgreich wie YouTube, aber es wächst rasant, gerade in der Corona-Zeit. Vor allem bei jüngeren Usern wird TikTok immer beliebter.

Das spürt eben auch der fränkische Influencer Skatschi. Ihm geht es vor allem um den Spaß bei seinen TikTok-Clips. Leben kann er davon noch nicht. Aber der 27-Jährige hofft, dass er sein Hobby bald zum Beruf machen kann. Er ist auf gutem Weg, es zu schaffen. Die Klickzahlen sprechen für sich.

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