Wirecard

Nach Kollaps des Konzerns Nordamerika-Sparte von Wirecard verkauft

Stand: 23.10.2020 10:13 Uhr

Das Nordamerika-Geschäft von Wirecard ist verkauft. Den Zuschlag bekam die von Finanzinvestoren finanzierte Holding Syncapay. Für das Kerngeschäft wird noch immer ein Käufer gesucht.

Der Abschluss der Transaktion steht zwar noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aufsichtsbehörden, aber Insolvenzverwalter Michael Jaffe sagte, er sei sehr zufrieden mit dem Verkauf von Wirecard North America. "Mit dieser Transaktion haben wir einen wichtigen Meilenstein bei der Verwertung des Vermögens der Wirecard AG im besten Interesse der Gläubiger erreicht", erklärte Jaffe weiter.

Finanziert wird die Übernahme von dem auf Sanierungen spezialisierten Investor Centerbridge, der damit Mehrheitseigentümer von Syncapay wird. Dem Unternehmen aus Dallas im US-Bundesstaat Texas, an dem bisher unter anderem Bain Capital beteiligt ist, gehört bereits der Zahlungsabwickler daVinci Payments.

Wertvoller Teil der Gruppe

Wirecard North America gilt als eines der werthaltigsten Teile des zusammengebrochenen Konzerns aus Aschheim bei München. Wirecard hatte das Unternehmen 2016 von der New Yorker Großbank Citi übernommen. Wirecard North America gibt vor allem vorbezahlte Kreditkarten aus.

Wircard-Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé
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Wircard-Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé - Archivbild von 2008

Richtig integriert in das übrige Geschäft wurde die Tochter nie - in der Insolvenz entpuppte sich die weitgehende Eigenständigkeit als Vorteil. Mit der Übernahme soll die bisherige Wirecard-Tochter in North Lane Technologies umbenannt werden - nach der Straße, in der sie in Philadelphia 1997 gegründet wurde.

Weiter Käufer für Kerngeschäft gesucht

Es ist die zweite größere Auslandstochter von Wirecard, die verkauft wurde. Bereits im August war die brasilianische Tochter, die nach einem Bilanzskandal zusammengebrochen war, an die PagSeguro-Gruppe verkauft worden. Diese Transaktion soll laut Mitteilung Ende Oktober abgeschlossen sein.

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Für das deutsche Kerngeschäft sucht der Insolvenzverwalter weiter nach einem Käufer. Als Bieter gelten die spanische Bank Santander und die britische Lycamobile. Weil die - nicht insolvente - Wirecard Bank zusammen mit dem Kerngeschäft, der Abwicklung und Absicherung von Zahlungen über Kreditkarten im Internet und an Ladenkassen, verkauft werden soll, hat auch die Finanzaufsicht BaFin ein Wort mitzureden. Das zieht den Prozess allerdings in die Länge.

Banken um drei Milliarden Euro geprellt

Wirecard musste Ende Juni Insolvenz anmelden, nachdem sich 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz als nicht existent entpuppten. Nach Erkenntnissen der Münchner Staatsanwaltschaft haben die Manager von Wirecard die Bilanz mit Luftbuchungen in Asien über Jahre künstlich aufgebläht und damit Verluste im Kerngeschäft kaschiert.

Allein Banken und Investoren seien um mehr als drei Milliarden Euro geprellt worden. Zudem verloren unzählige Privatanleger ihre Ersparnisse, hat doch die Aktie über 99 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Ex-Vorstandschef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, Vorstandsmitglied Jan Marsalek ist auf der Flucht und wird weltweit gesucht.

lg/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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