Mytheresa Store

Online-Modehändler Wie Mytheresa zum Börsenstar aufstieg

Stand: 22.01.2021 15:34 Uhr

Dem Münchner Online-Luxusmodehändler Mytheresa ist ein erfolgreiches Börsen-Debüt in New York gelungen. Wer steckt hinter dem Unternehmen, das in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist?

Wer ein Faible für Luxusmode wie Gucci, Prada oder Valentino hat und nicht auf den Geldbeutel achten muss, geht in München schon seit Jahren zu Theresa. Das in der Altstadt gelegene Geschäft wurde 1987 von den Modehändlern Susanne und Christoph Botschen eröffnet und hat sich in Sachen Mode für die oberen Zehntausend zu einer Institution entwickelt.

Doch Theresa ist mehr als nur ein bekannter Laden für Damenluxusmode. 2006 wagten die beiden Gründer den Schritt ins Internet. Vom unscheinbaren und seit dem Sturz des einstigen Börsenstars Wirecard bundesweit bekannten Gewerbegebiet Aschheim aus zogen sie einen eigenen Onlineshop auf und tauften ihn "Mytheresa.com".

"Wagemutiges Abenteuer"

Mytheresa-Chef Michael Kliger
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Michael Kliger leitet Mytheresa seit 2015.

"Damals war es ein wagemutiges Abenteuer, Luxusmode über das Internet zu verkaufen. Man dachte immer, dass Frauen den persönlichen Kontakt bevorzugen und die Stoffe anfassen wollen", sagte Michael Kliger, ein einstiger Unternehmensberater von McKinsey, der 2015 die Führung von Mytheresa übernahm, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Doch entgegen allen Befürchtungen stellte sich rasch heraus, dass auch viele Frauen immer weniger Zeit und Muße hatten, in die Stadt zum stationären Handel zu fahren - und lieber zu Hause in Ruhe auswählen und ihre Bestellung bequem vor die Tür geliefert haben wollten.

Mytheresa nahm rasch Fahrt auf und entwickelte sich zur wichtigsten Einnahmequelle der Botschens. Die Umsätze übertrafen bei weitem die Einnahmen der beiden Boutiquen in der Innenstadt. Zur Frauenmode kam Anfang 2019 auch Kindermode, ein Jahr später schließlich auch Mode für Männer.

Umsatz mehr als vervierfacht

Doch rasantes Wachstum kostet Geld - und weckt Begehrlichkeiten. So stieg 2014 die US-Luxuskaufhauskette Neiman Marcus bei Mytheresa ein, für 150 Millionen Dollar. Gleichzeitig profitierte das Unternehmen immer mehr vom Boom des Onlinehandels. Vom Mytheresa-Zentrallager in Heimstetten bei München aus werden die Lieferungen in die ganze Welt verschickt - bis zu 8000 Pakete am Tag.

Seit 2015 kletterte der Umsatz von 100 auf 450 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019/20, das waren 19 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auch die Corona-Krise konnte die Kauflust der inzwischen 568.000 Kunden nicht bremsen. Sie bestellten im Schnitt Waren im Wert von 600 Euro. Allein in den sechs Monaten von Juli bis Dezember 2020 wuchs der Umsatz sogar um 30 Prozent auf rund 285 Millionen Euro.

Internationales Geschäft

Deutlich schlechter erging es dagegen Neiman Marcus. Der Kaufhausbetreiber musste Insolvenz anmelden und seine Schulden zurückzahlen. Um an das dafür nötige Geld zu kommen, haben die Amerikaner entschlossen, sich von Mytheresa zu trennen und dies über die Börse zu tun. Mit Erfolg, wie die Zahlen belegen.

Die US-Hinterlegungsscheine (ADS) der niederländischen Holding MYT Netherlands, die zu 26 Dollar platziert worden waren, schossen zum Handelsstart am Donnerstag um 38 Prozent auf 35,85 Dollar nach oben. Dabei hatte Mytheresa die Preisspanne erst kurz vor dem Ende der Zeichnungsfrist auf 24 bis 26 (vorher 16 bis 18) Dollar erhöht. Damit ist das Unternehmen mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet.

Dass Mytheresa nicht in Deutschland, sondern den USA an die Börse ging, begründete Finanzchef Martin Beer unter anderem mit der globalen Ausrichtung. Zudem verspreche man sich davon auch eine Steigerung der Markenbekanntheit im wichtigen US-Markt. Dort mache Mytheresa derzeit rund 10 Prozent seiner Umsätze. Etwa 25 Prozent entfallen auf den Bereich Asien-Pazifik, 60 Prozent auf Europa. Nur noch jeder fünfte Euro wird in Deutschland verdient.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Januar 2021 um 13:41 Uhr.

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