Boote segeln in der Nähe eines Wirbelwinds in Singapur. | Bildquelle: REUTERS

Weltrisikobericht Klimawandel bleibt größte Gefahr

Stand: 19.01.2021 17:23 Uhr

Extreme Wetterlagen, Versagen im Kampf gegen den Klimawandel und menschengemachte Umweltschäden: Das sind laut Weltwirtschaftsforum die größten Gefahren für die Erde. Aber auch Corona hinterlässt Spuren.

Weiterhin gelten der Klimawandel mit dramatischen Wetterereignissen, dem Scheitern im Kampf dagegen und Umweltschäden - verursacht durch Menschen - als größte Gefahr für die Welt. Das geht aus dem Weltrisikobericht hervor, den das Weltwirtschaftsforum (WEF) veröffentlicht hat.

Die drei Aspekte gehören demzufolge zu den Risiken mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für die nächsten zehn Jahre - neben digitaler Machtkonzentration, digitaler Ungleichheit sowie einem Versagen der Cybersicherheit. Gleichzeitig warnt das WEF vor wachsender Ungleichheit und sozialer Spaltung durch Pandemien.

Corona als kurzfristiges Risiko

Auch das Coronavirus hinterlässt also seine Spuren in dem Bericht, den das WEF zusammen mit dem Versicherer Zurich, dem Risikoberater Marsh und dem Mischkonzern SK Group erstellt. Erstmals in ihrer Geschichte untersucht die Studie dabei, welche Risiken wann als Bedrohung für die Welt gesehen werden. Demnach gehören Pandemien zu den kurzfristigsten Risiken.

Das deckt sich mit dem aktuellen Risikobarometer des Versicherungskonzerns Allianz. Dabei sind Pandemien im Vergleich zum Vorjahr vom 17. auf den 2. Platz geklettert, wie die Fachleute des zu dem Münchner Konzern gehörenden Industrieversicherers AGCS in ihrer jährlichen Umfrage unter 2769 Experten für Unternehmensgefahren aller Art aus 92 Ländern ermittelt haben.

Auf Platz eins liegen demnach Betriebsunterbrechungen und auf Rang drei Hackerangriffe, die im Vorjahr noch als größtes Risiko für Unternehmen galten. Befragt wurden Geschäftsführer und Vorstände, Risikomanager, Makler und Versicherungsexperten.

"Es gibt keinen Impfstoff gegen Klimarisiken"

Die Antwort des WEF auf alle Gefahren und damit auch auf die Corona-Krise lautet: mehr Klimaschutz. Das Forum und seine Partner betonen, dass beim Wiederaufbau von Gesellschaft und Wirtschaft nach der Pandemie der Klimaschutz zwingend berücksichtigt werden müsse.

Unausgegorene Maßnahmen bedrohten den Kampf gegen den Klimawandel. "Es gibt keinen Impfstoff gegen Klimarisiken", sagte Peter Giger, Risiko-Chef des Versicherungskonzerns Zurich.

Bereits im Global Risk Report 2020 hatte das WEF die Klimakrise und ihre Folgen als Hauptrisiken benannt. Auch damals lagen mit extremen Hitzewellen und der Zerstörung der natürlichen Ressourcenökosysteme zwei klimabedingte Risiken vorn. Zudem warnte das WEF im vergangenen Jahr vor dem Artensterben und dem Verlust der Biodiversität, dem Abwärtsruck der Weltwirtschaft, den Gefahren der Digitalisierung und dem erhöhten Druck auf die Gesundheitssysteme.

Saadia Zahidi, Managing Director, World Ecomomic Forum
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WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi spricht sich für eine Neugestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Systeme aus.

WEF ruft zur gemeinsamen Bekämpfung der Risiken auf

WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi rief Regierungen, Unternehmen und Gesellschaften nun zur Zusammenarbeit auf. Denn auch soziale Spaltung sowie digitale Benachteiligung hätten Auswirkungen auf den Umweltschutz. "Untätigkeit gegen wirtschaftliche Ungleichheiten und gesellschaftliche Spaltung kann Maßnahmen gegen den Klimawandel weiter behindern, der immer noch eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit ist", betonte Zahidi.

Der Managerin zufolge müssten neue wirtschaftliche und soziale Systeme gestaltet werden, "die unsere kollektive Widerstandsfähigkeit" verbessern. Die Corona-Pandemie habe Millionen Leben gekostet sowie die langjährigen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und digitalen Unterschiede noch vergrößert. Das könne in den kommenden Jahren die Wirtschaft bedrohen und geopolitische Stabilität schwächen, heißt es in einer Mitteilung.

Mittelfristig gilt die Angst vor wirtschaftlichen und technologischen Risiken, langfristig - und damit existenziell - ist die Furcht groß vor Massenvernichtungswaffen, dem Zusammenbruch von Staaten und dem Verlust biologischer Vielfalt. Vor allem soziale Gefahren bereiten dem WEF Sorgen. Wenn die Kluft zwischen Menschen mit Zugang zu Technologien und digitaler Kompetenz und denjenigen ohne zunehme, werde dies vor allem die Zukunft junger Leute gefährden.

"Davos Agenda" beginnt kommende Woche

Der Weltrisikobericht gilt als eine Grundlage für die Debatten während der "Davos Agenda". Die Online-Konferenz findet anstelle des Jahrestreffens der Politik- und Wirtschaftselite im Schweizer Alpenort Davos statt. Vom 25. Januar an diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über aktuelle Fragen. Konkrete Entscheidungen werden traditionell nur selten getroffen.

Geplant sind dagegen Ansprachen führender Staats- und Regierungschefs, etwa von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein physisches Treffen ist für Ende Mai in Singapur geplant. Dort sollen die Diskussionen des Online-Formats einfließen - sicher auch der Klimawandel.

Greta Thunberg | Bildquelle: via REUTERS
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Die Umweltaktivistin Greta Thunberg soll an "Agenda Davos" teilnehmen.

Die Risikoexperten der Allianz sind überzeugt, dass die Pandemie den Klimaschutz nicht dauerhaft aus den Schlagzeilen verdrängen wird: "Mit der Umsetzung der Impfprogramme wird die Pandemie beherrschbarer werden, und der Klimawandel wird im Jahr 2021 wieder als Priorität auf der Agenda des Managements stehen", sagte Michael Bruch, globaler Leiter für Nachhaltigkeitsthemen bei AGCS.

Eine ähnliche Haltung wird wohl auch die Umweltaktivistin Greta Thunberg vertreten, die ebenfalls an "Agenda Davos" teilnehmen soll. Die Schwedin werde ein Video und einen Podcast mit dem Social-Media-Team des WEF für die Veranstaltung machen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld der 18-Jährigen.

Weltrisikobericht des Weltwirtschaftsforums
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
20.01.2021 07:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 19. Januar 2021 um 17:37 Uhr.

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