Börsengang von Coinbase Wall Street im Kryptorausch

Stand: 14.04.2021 19:39 Uhr

Der Bitcoin-Hype hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Am Mittwoch feierte die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen ihr Börsendebüt an der Nasdaq. Die Aktienkurse schossen nach oben.

Was Apple in der Handybranche und Amazon im Online-Handel ist, das dürfte Coinbase in der Kryptowährungsszene sein. Dies zumindest meint Thomas Rappold, Finanzexperte für die Tech-Branche und Autor zahlreicher Bücher über Technologie-Aktien. Auf Coinbase kaufen und verkaufen 56 Millionen Anleger rund 50 verschiedene Kryptowährungen - vom Bitcoin bis zum "SushiSwap". Geschätzt elf Prozent des Markts fließen über die Plattform.

Coinbase ist einer der größten Profiteure des aktuellen Bitcoin-Booms. Kein Wunder, dass der Börsengang des Krypto-Schwergewichts heute für Aufsehen an der Wall Street sorgte. Die Anleger rissen sich um die Aktien. Der erste Kurs lag bei 381 Dollar - 131 Dollar über dem Referenzpreis von 250 Dollar. Das entspricht einem Plus von gut 52 Prozent.

Mehr wert als die New Yorker Börse

Somit ist die Krypto-Handelsplattform jetzt an der Börse mit knapp 100 Milliarden Dollar mehr wert als jeder andere Börsenbetreiber. Zum Vergleich: Der Betreiber der New Yorker Börse, die Intercontinental Exchange, kommt aktuell lediglich auf eine Marktkapitalisierung von knapp 66 Milliarden Dollar.

Einige Analysten glauben, dass der Kurshöhenflug am ersten Handelstag noch weitergeht. Sie halten eine Bewertung von 100 bis 170 Milliarden Dollar für möglich.

Von der Nische in den Wall-Street-Mainstream

Der erste Börsengang eines Unternehmens, dessen Geschäftsmodell rein auf dem Handel mit Kryptowährungen beruht, ist eine Genugtuung für viele Fans von Cyberdevisen. Sie sehen das Listing als Meilenstein für Bitcoin & Co. auf dem Weg in den Wall-Street-Mainstream. "Die Wall Street kann die Kryptowährungen spätestens seit heute nicht mehr länger ignorieren", sagte Experte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.

Coinbase ist momentan hoch profitabel. Im ersten Quartal dürfte der Gewinn zwischen 730 und 800 Millionen Dollar gelegen haben, teilte der Plattformbetreiber kürzlich mit. Der Umsatz kletterte gar auf 1,8 Milliarden Dollar. Die Zahl der Nutzer hat sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als vervierfacht - von 13 auf 56 Millionen.

Abhängig vom Bitcoin-Kurs

Die Handelsplattform verdient ihr Geld vor allem durch Gebühren. Je höher der Preis von Bitcoin & Co. steigt, desto höher fällt die Gebühr aus. Dementsprechend boomt das Geschäft derzeit. Der Kurs des Bitcoin hat sich binnen eines Jahres nahezu verzehnfacht - von 6500 Dollar auf fast 65.000 Dollar. Am Mittwoch wurde ein neuer Rekord von 64.899 Dollar erreicht.

Coinbase-Chef Brian Armstrong
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Coinbase-Chef Brian Armstrong

Doch die Profitabilität von Coinbase steht und fällt mit den Kursen und dem Handelsvolumen der Kryptowährungen. Kommt es zum Crash wie zum Beispiel 2018, als der Bitcoin-Kurs um über 70 Prozent abstürzte und andere Cyber-Währungen wie Ethereum noch stärker, bricht auch das Geschäft von Coinbase ein. "Wir können auch Geld verdienen", räumt Coinbase-Mitgründer und -Vorstandschef Brian Armstrong ein. Das Geschäftsmodell ist also höchst schwankungsanfällig.

Gebührendruck dürfte steigen

Sollte der Wettbewerb weiter zunehmen und der Kryptorausch verfliegen, könnten auch die Gebühren der Handelsplattformen unter Druck geraten - ähnlich wie zuletzt bei den Online-Brokern oder den Betreibern von Aktien-Trading-Apps. Vor allem kleinere der mehr als 200 Kryptobörsen versuchen mit niedrigeren Gebühren Kunden anzulocken. Der PayPal-Konzern, der nun auch in den Handel mit Bitcoin eingestiegen ist, könnte den Wettbewerb weiter anheizen.

Als weiteres Risiko sehen Experten die Regulierung. Jesse Powell, Chef des Coinbase-Konkurrenten Kraken, warnte unlängst im Fernsehsender CNBC vor einem "Durchgreifen" von Regierungen gegen digitale Währungen - wobei Kriminelle gerne Krypotowährungen nutzen. Coinbase versucht alles, um nicht in dieser Schmuddelecke zu landen. Das Unternehmen schickte seine Manager zu FBI und zum Secret Service, um ihnen zu erklären, dass Coinbase kein Eldorado für Geldwäscher und Drogendealer sei.

Sicher vor dem Totalverlust?

Den besten Schutz gegen einen Totalverlust der Investition biete eine Regulierung hierzulande, meint Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance. So hat Coinbase neben drei anderen Handelsplattformen eine Lizenz bei der BaFin beantragt.

Auch vor der Gefahr von Hacker-Angriffen ist die Kryptowährungsbranche nicht gefeit. 2013 klauten Hacker Millionen-Beträge auf diversen Krypto-Börsen. Coinbase beteuert, noch nie gehackt worden zu sein. Das Unternehmern sichert das Geld seiner Kunden, in dem es die Schlüsselcodes hauptsächlich vom Internet getrennt aufbewahrt.

Kryptowährungsplattform Coinbase geht an die New Yorker Börse
Peter Mücke, New York
14.04.2021 19:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 14. April 2021 um 10:42 Uhr.

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