Erstattung von Flugtickets Die Lufthansa gibt nach

Stand: 25.01.2021 18:53 Uhr

Zahlreiche Flüge sind in der Corona-Krise ausgefallen. Verbraucherschützern zufolge verschwieg die Lufthansa den Reisenden bis zuletzt den Anspruch auf Rückzahlung. Nun lenkt der Konzern offenbar ein.

Auf eine Klage hin hat die Lufthansa laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg den Anspruch von Kunden auf Ticketpreis-Erstattung bei der Absage von Flügen anerkannt. Die Fluggesellschaft habe im Verfahren vor dem Landgericht Köln die geltende Rechtslage per Anerkenntnisurteil akzeptiert, erklärten die Verbraucherschützer.

Die Airline verpflichte sich nun, Verbraucher korrekt und vollständig über ihre Ansprüche zu informieren und ihnen innerhalb von sieben Tagen nach Aufforderung den Preis für stornierte Flüge zu erstatten. Aufgrund der schwierigen Lage in der Pandemie habe die Lufthansa allerdings bis Ende September statt sieben Tage einen Monat Zeit für die Erstattung. Das gelte auch für die Tochter-Airline Eurowings.

Nach Ansicht der Lufthansa ging es in dem Verfahren dagegen lediglich um den Zeitraum der Abwicklung - und nicht darum, ob sie Erstattungsansprüche anerkennt. Durch Reisebeschränkungen und einen Einbruch der Nachfrage hatte das Unternehmen massenhaft Flüge streichen müssen, wodurch über sieben Millionen Kunden mehrere Milliarden Euro zurückforderten.

Lufthansa soll Ansprüche verschwiegen haben

Nach geltendem EU-Recht müssen Airlines bei der Absage von Flügen innerhalb von sieben Tagen den bezahlten Flugpreis zurückzahlen. Diesen Anspruch hatte die Lufthansa den Reisenden laut den Verbraucherschützern verschwiegen und lediglich die Möglichkeit zur Umbuchung angeboten. Auch nach Aufforderung zur Rückzahlung hätten sie keine Erstattung erhalten, hieß es in einer Mitteilung.

Dagegen hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Ende September rechtliche Schritte eingeleitet. Zudem monierte sie die langen Wartezeiten für die Kunden. Das Landgericht Köln hätte in der mündlichen Verhandlung im Dezember signalisiert, dass es die Argumentation der Verbraucherzentrale teilte, woraufhin die Lufthansa eingelenkt hätte, erklärte Oliver Buttler, Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale. "Mit dem Urteil hat die Fehlinformation und Verschleierung gegenüber Reisenden durch die Lufthansa ein Ende."

Ging es nur um die Wartezeit?

Die Verbraucherzentrale betonte, sie werde der Fluggesellschaft weiter auf die Finger schauen. Sollte es wieder zu Verzögerungen oder falschen Informationen kommen, könnte Ordnungsgeld bei Gericht beantragt werden.

Der Luftfahrtkonzern erklärte hingegen, das Gericht habe sich nicht klar zugunsten einer Partei positioniert. Vielmehr habe es die schwierige Lage der Lufthansa in der Pandemie anerkannt, sodass ein Vergleich über eine längere Bearbeitungszeit geschlossen worden sei. Die unvollständige Verbraucherinformation sei schon vor der Urteilsverkündung korrigiert worden.

Erstattungen wieder auf Vorkrisen-Niveau

Bei der Erstattung von stornierten Flugtickets sieht sich Lufthansa derweil nicht mehr im Verzug. Mittlerweile habe die Airline den meisten Kunden wie vorgeschrieben das Geld erstattet, berichtete das Unternehmen in Frankfurt. "Wir sind jetzt wieder auf Vorkrisenniveau, sodass wir innerhalb der marktüblichen Fristen erstatten", sagte ein Sprecher.

Aktuell seien noch rund 100.000 Vorgänge im Wert von rund 43 Millionen Euro offen. Das entspreche dem normalen Niveau vor der Corona-Krise und werde im laufenden Jahr voraussichtlich noch leicht abnehmen, wegen fortlaufender Neu-Stornierungen aber nie gänzlich null erreichen.

Nach den zahlreichen Flugabsagen hatte es im vergangenen Sommer bei der Lufthansa-Gruppe und anderen Airlines erhebliche Staus bei den Erstattungen gegeben. Kunden hatten monatelang auf ihr Geld warten müssen, das ihnen innerhalb von sieben Tagen zugestanden hätte. Die Lufthansa Group hatte zwischenzeitlich die Möglichkeit der einfachen elektronischen Erstattungsanmeldung in ihren Buchungsprozessen abgeschaltet. Seit Beginn der Pandemie wurden dann bis zum vergangenen Donnerstag 3,9 Milliarden Euro an mehr als 9,8 Millionen Kunden erstattet.

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