Neues EU-Energielabel Das Ende von A+++

Stand: 26.02.2021 17:46 Uhr

Die Energielabel auf Waschmaschinen oder Kühlschränken waren zuletzt immer weniger aussagekräftig. Auch tricksten Hersteller beim Messen. Das soll sich jetzt ändern.

Von Alexander Dallmus, br

Neue Aufkleber drauf, alte Aufkleber runter. Stephan Mitterer, Abteilungsleiter Haushalttechnik bei Elektro-Enzinger im oberbayerischen Neuötting, hat derzeit gut zu tun. Kategorien wie A+++ verschwinden, dafür gelten ab März die Kategorien A bis G, damit Verbraucher besser energiesparende Haushaltsgeräte erkennen können. Etwas mehr als zwei Wochen Zeit bleiben dem Handel, um die neuen EU-Energielabel anzubringen. Ein Nebeneinander von neu und alt ist nicht erwünscht. Die neuen Klassifizierungen gelten zunächst für vier Produktgruppen: Kühl- und Gefriergeräte sowie Weinlagerschränke; Waschmaschinen und Waschtrockner; Geschirrspüler; Fernsehgeräte und Monitore.

Neue Kategorien mit alten nicht vergleichbar

Für die Verbraucher ist es in den vergangenen Jahren innerhalb der einzelnen Produktgruppen immer schwieriger geworden, signifikante Unterschiede beim Stromverbrauch auszumachen. "Es war jetzt dringend notwendig und überfällig, nach gut 25 Jahren mal die Schrauben etwas anzuziehen", sagt Norbert Endres, Strom- und Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern.

Aufgrund veränderter Vorgaben und Messbedingungen ist es für die Hersteller zunächst unmöglich, mit ihren Haushaltsgeräten überhaupt in die sparsamste Kategorie A vorzustoßen. Fachberater wie Mitterer werden da einiges zu erklären haben, wenn Kunden plötzlich nur noch maximal ein B, C oder sogar nur ein D vorfinden: "Da werden wir mit Sicherheit auch viele Diskussionen führen. Dadurch, dass die Messverfahren jetzt deutlich anspruchsvoller sind, sind die Verbrauchswerte beispielsweise bei Kühl- und Gefriergeräten natürlich höher, und auch die Einstufung in Effizienzklassen ist dementsprechend angeglichen worden." Das bedeutet auch: Ein gutes B auf dem neuen Label ist mit dem alten A+++ nicht vergleichbar.

Tricksereien beim Stromverbrauch

Als 1994 das erste Energielabel eingeführt worden ist, waren die Ansprüche an stromsparende Geräte noch nicht sonderlich hoch. Technische Verbesserungen haben die Möglichkeiten des Energiesparens über die Jahre enorm verbessert. Aber in der Branche wurde durch die Bank auch immer schon getrickst, um möglichst niedrige Verbrauchswerte zu erzielen. Bei Kühlschränken sind beispielsweise die Türen nie geöffnet, in die Geschirrspüler nur saubere Teller gestellt, und bei Waschmaschinen ist der Stromverbrauch ausschließlich im temperaturarmen Sparwaschgang ermittelt worden.

Mit dem neuen Energielabel hat die EU die Rahmenbedingungen entsprechend verschärft und angepasst: "Gerade für Kühl-Gefriergeräte wird jetzt ein langer Messzyklus detailliert vorgeschrieben. Zum Beispiel das Verhalten eines Geräts, wenn man es belädt", erklärt Energieberater Endres, "und es wird nun ein Mittelwert für verschiedene Messungen bei Raumtemperaturen bis zu 32 Grad gebildet, um zu erkennen, wie verhält sich welches Gerät bei welchen Umgebungsbedingungen." Die Temperaturanforderungen im Gerät liegen für Erhebungen bei Kühlschränken aber immer noch bei plus acht Grad und bei Gefriergeräten bei minus 18 Grad.

Was sich mit dem neuen Label verbessert

Der Jahresverbrauch des jeweiligen Haushaltsgeräts lässt sich vom Verbraucher künftig leichter auf die eigenen Bedürfnisse herunterrechnen. Die Zyklen - also die Anzahl der Nutzungen beispielsweise einer Geschirrspül- oder Waschmaschine - sind jetzt auf einheitlich 100 Ladungen pro Jahr angeglichen worden. Das mache es einfacher, findet Fachverkäufer Mitterer: "Das soll dem Kunden helfen, dass er besser überschlagen kann, wenn er mehr oder weniger wäscht, was ein Gerät dann ungefähr verbrauchen wird." Auch beim Wasserverbrauch ist jetzt klar ersichtlich, was die Waschmaschine pro Waschgang verbraucht.

Ganz neu ist der QR-Code, der ab sofort rechts oben auf dem Energielabel zu sehen sein wird. Er kann mit dem Smartphone gescannt werden und führt zur EU-Produktdatenbank EPREL. Dort können Verbraucher dann zusätzliche nicht-gewerbliche Produktinformationen bekommen. Damit soll aber auch privatwirtschaftlichen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen die Möglichkeit gegeben werden, Apps für Verbraucher zu entwickeln, die auf diese Daten dann zurückgreifen. Mitterer jedenfalls findet das neue Label insgesamt recht gelungen: "Ist ein bisschen kompakter, ein bisschen übersichtlicher gehalten, das Ganze."

Weitere Produktgruppen folgen später - oder gar nicht

Spätestens bis 2030 sollen alle elektrischen Geräte das neue Energielabel tragen. Von September 2021 an wird die überarbeitete Klassifizierung auch bei Lampen und Leuchten zu sehen sein. Bei Trocknern, Staubsaugern oder auch Backöfen dauert es noch etwas länger: Hier ist die Umstellung erst 2024 vorgesehen; bei Heizungen sogar erst von 2026 an.

Ausgerechnet die energieintensiven Kochfelder - egal ob Induktion, Glas-Keramik oder alte Massekochfelder - kommen allerdings auch weiterhin ohne irgendeine Effizienzklasse aus. Fachverkäufer Mitterer weiß sich immerhin zu helfen: "Falls ein Kunde das wirklich wissen möchte, gibt es einen Typenschild, wo der Anschlusswert draufsteht." Davon könne er "Pi mal Daumen" ableiten, was ein Kochfeld verbraucht, und dem Kunden diese Information geben.

Experten für regelmäßige Verschärfungen

Es wird für Hersteller künftig schwerer werden, ihre Elektrogeräte auf das nächsthöherer Energiesparlevel zu heben. Gerade bei Kühl- und Gefriergeräten sind Verbrauchsunterschiede von 20 Prozent zwischen den einzelnen Klassen die Regel. Das ist auch seitens der EU so gewollt. Dennoch ist abzusehen, dass über kurz oder lang wieder viele Geräte die höchste Energieeffizienz-Stufe A erreichen - eben weil Elektrogeräte mit Fortschreiten der Technik immer sparsamer werden.

Energieberater Endres hätte es deshalb begrüßt, wenn die Politik die geltenden Regeln von Zeit zu Zeit an die neuen technischen Standards anpassen würde: "Ich hätte mir eine Novellierung gewünscht, die da sagt, wir verschärfen die Kriterien regelmäßig. Jährlich wäre übertrieben, aber alle fünf Jahre mal die Schrauben beim hinterlegten Energieeffizienz-Index ein bisschen anzuziehen, würde eben verhindern, dass man dann in zehn Jahren wieder den großen Wurf machen muss."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. Februar 2021 um 12:01 Uhr.

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