Fusionierter Autobauer Opel wichtige Stütze bei Stellantis

Stand: 03.03.2021 15:11 Uhr

In dem neuen Autokonzern Stellantis erweist sich PSA als wichtigste Ertragsstütze, auch dank der deutschen Peugeot-Tochter Opel. Deutlich schwächer hat dagegen Fiat Chrysler abgeschlossen.

Rund eineinhalb Monate nach ihrem Zusammenschluss zum Autogiganten Stellantis haben die Fusionspartner PSA und Fiat Chrysler heute ihre Geschäftszahlen für 2020 vorgelegt - allerdings getrennt. Die Bilanzen zeigen, was Experten seit langem vermutet haben: Beide Teilkonzerne sind ganz unterschiedlich durch das Krisenjahr 2020 gekommen.

Danach war PSA (Peugeot SA), zu dem auch die deutsche Opel gehört, eines der rentabelsten Unternehmen weltweit mit einer operativen Marge von 7,1 Prozent. Das war deutlich mehr als bei den deutschen Konkurrenten Daimler, BMW oder Volkswagen. Im zweiten Halbjahr schaffte Peugeot sogar eine Rekordmarge von 9,4 Prozent. Dennoch musste auch Peugeot im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 18,7 Prozent auf 60,7 Milliarden Euro hinnehmen.

Zum Betriebsergebnis von 3,4 Milliarden Euro steuerte Opel 527 Millionen Euro bei. Das ist zwar weniger als die Hälfte des Ergebnisses aus dem Vorjahr (1,1 Milliarden Euro), doch zur Jahresmitte hatte bei Opel noch ein Ergebnis von lediglich 110 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Die Marke mit dem Blitz habe sich zu einem nachhaltig profitablen Unternehmen entwickelt, erklärte Opel-Chef Michael Lohscheller in einem Brief an die Belegschaft. Die Mitarbeiter sollen deshalb eine Prämie von je 500 Euro erhalten.

Bis zu 7,5 Prozent Rendite angestrebt

Deutlich schlechter steht Fiat Chrysler (FCA) da. Zwar ist der Umsatz des italienisch-amerikanischen Herstellers 2020 "nur" um 20 Prozent eingebrochen, doch das Unternehmen erwirtschaftete mit 24 Millionen Dollar so gut wie keinen Gewinn. Entsprechend bescheiden fiel die operative Marge aus: 4,3 Prozent. Allerdings konnte FCA dank der anziehenden Konjunktur in den USA im vierten Quartal kräftig zulegen.

Für 2021 stellte das fusionierte Unternehmen eine operative Marge von 5,5 bis 7,5 Prozent in Aussicht, vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren starken Einschränkungen bei der Bekämpfung von Covid-19. "Stellantis hat einen fliegenden Start hingelegt und konzentriert sich voll und ganz darauf, die versprochenen Synergien zu erzielen", erklärte Konzernchef Carlos Tavares. Der hat sich vorgenommen, die Rendite von Fiat Chrysler möglichst bald auf die von PSA zu heben. Unklar ist noch, wie sich der weltweite Mangel an Computerchips, der fast allen großen Autobauern zu schaffen macht, auf das Geschäft auswirkt. Stellantis erklärte, die Elektrifizierungsoffensive könnte die Ergebnisse auch in diesem Jahr belasten.

Liquiditätspolster von 60 Milliarden Euro

Dank eines gemeinsamen Liquiditätspolsters von fast 60 Milliarden Euro ist Stellantis nach Ansicht von Experten in der Lage, die anstehenden hohen Investitionen ins Elektro-Zeitalter und die Vernetzung der Autos zu stemmen.

So werde es die Größe des neuen Unternehmens erlauben, Automodelle profitabel herzustellen, die es sonst nicht gegeben hätte. Stellantis werde in den nächsten Jahren die CO2-Grenzwerte einhalten. Genau dafür haben sich die Franzosen und Italiener zusammengetan: um die Kraft zu bekommen, Investitionen in die Entwicklung neuer Modelle - allen voran Elektroantriebe - stemmen zu können. Bisher hat Stellantis 29 Elektrofahrzeuge im Angebot, bis Ende des Jahres sollen es zehn mehr sein. Bis 2025 werde jedes neue Modell auch eine Elektrovariante haben, kündigte Tavares an.

Keine Werksschließungen geplant

Das Ziel, die weltweite Nummer vier unter den Autokonzernen zu werden, hat Stellantis allerdings nicht erreicht. Auf Grundlage der Verkaufszahlen des Jahres 2020 rangiert der neue Konzern mit seinen 14 Marken bisher nur auf Platz sechs. In Italien etwa hat die Gruppe auch im Januar nur rund 52.500 Autos verkauft - mehr als ein Fünftel weniger als noch vor einem Jahr. Der ebenfalls zu Stellantis gehörende Autobauer Opel kam im Januar auf ein Absatzminus von 32,4 Prozent. Vor der Corona-Krise setzten FCA und PSA zusammen mehr als acht Millionen Fahrzeuge ab und erzielten einen Jahresumsatz von knapp 170 Milliarden Euro.

Der Konzern führt 14 Marken, darunter Opel, Alfa-Romeo, Jeep und Maserati, und beschäftigt rund 400.000 Menschen. Trotz der in Aussicht gestellten Synergien im Wert von fünf Milliarden Euro jährlich sollen fusionsbedingt keine Werke geschlossen werden sollen. "Der Zusammenschluss von PSA und FCA ist ein fantastischer Schutzschild gegen soziale Probleme in den beiden Unternehmen", antwortete der 62-jährige Tavares im Januar auf eine Frage zu einem möglichen Jobabbau.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Januar 2021 um 13:44 Uhr.

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