Lufthansa in der Corona-Krise Neuer Schub mit dem "Green Pass"?

Stand: 04.03.2021 17:44 Uhr

2020 war ein katastrophales Jahr für die Lufthansa: Sie machte einen Verlust von 6,7 Milliarden Euro. Doch nun soll unter anderem der "Green Pass" der Airline neuen Auftrieb im Urlaubstourismus verleihen.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Ein grüner Pass soll jetzt der Lufthansa aus der Krise helfen. Dabei setzt der Konzern auf eine Brüsseler Initiative, die beim Europäischen Rat vor wenigen Tagen an den Start gebracht wurde. Es geht um einen digitalen "Green Pass", der allen das Reisen in Europa wieder ermöglichen soll. Wenn es nach der Luftfahrtbranche geht, soll das am besten weltweit gelten.

Das digitale internationale Zertifikat soll alle erforderlichen Dokumenten umfassen, damit eine Person sicher reisen kann. Der "Green Pass" ist mehr als ein EU-Impfpass, denn mit diesem sollen sich sowohl Geimpfte, als auch Getestete ausweisen.

Viele Mitarbeiter entlassen

Dieser Pass könnte der Lufthansa einen kräftigen Schub bescheren. Denn derzeit befördert sie gerade mal zehn Prozent der sonst üblichen Passagiere. Der Nettoverlust beläuft sich trotz massiver Kostensenkungen 2020 auf 6,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr erwirtschaftete das Unternehmen noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro. Ein Blick auf den Flugplan verrät, dass die meisten Flieger am Boden stehen; teilweise eingemottet in Teruel in Spanien oder auch in Tarbes in Südfrankreich. Das wird sicherlich auch noch für längere Zeit andauern.

Von einst mehr als 140.000 Mitarbeitenden ist der Konzern mittlerweile auf 110.000 weltweit geschrumpft. Jeder fünfte ist gegangen. In Deutschland sank die Zahl der Mitarbeiter von 70.000 auf 62.000. Keiner weiß derzeit, wie der Flugplan im Mai aussehen wird und wie viele Mitarbeiter noch von Bord gehen werden.

Flotte wird wohl verkleinert

Konzernchef Carsten Spohr wird versuchen, die Krise als Chance für die größte deutsche Airline zu nutzen. Der Kranich muss dafür aber auch Federn lassen: Die Lufthansa wird kleiner werden. So soll die Langstreckenflotte deutlich reduziert werden; dieser Teil der Flotte wird um mehr als zwei Drittel abgeschmolzen. Darüber hinaus sollen modernere Flugzeuge mit dazu beitragen, die Kosten weiter zu senken.

Zum Beispiel indem auf einer Langstrecke künftig eine A380 durch eine Airbus-Maschine vom Typ A350 ersetzt wird. Zwar sitzen rund 200 Personen weniger an Bord, der Einsatz ist aber profitabeler, weil unter anderem das neuere Flugzeug auch weniger Kerosin verbraucht und damit wirtschaftlicher betrieben werden kann.

Lufthansa setzt auf touristische Ziele

In der Vergangenheit hatte Lufthansa viel Geld mit Geschäftsreisenden verdient. Deren Anteil am gesamten Ticketverkauf lag früher bei rund 30 Prozent. Diese Kunden, die vornehmlich in der First und Business Class gereist sind, sorgten für fast 45 Prozent des Umsatzes. Doch das hat mit der Corona-Pandemie einen kräftigen Dämpfer erfahren.

Lufthansa muss langfristig mit weniger Geschäftsreisenden planen. Daher will der Konzern jetzt massiv mit Privatreisen wachsen. Erst kürzlich hat Lufthansa für den Sommer viele neue touristische Ziele von den Drehkreuzen München und vor allem aus Frankfurt heraus angekündigt. Griechenland, Ägypten, die Balearen: Der Konzern nimmt die in der Branche so genannten "Warmwasserziele" stärker in den Flugplan auf.

Preisschlacht im Sommer?

Jahresbeginn heißt für die Airlinebranche eigentlich, dass die Buchungssysteme glühen. Das ist in diesem Jahr aber ganz anders. Kunden sind massiv verunsichert, halten sich bislang mit Buchungen für den Sommerurlaub zurück. Die meisten Flüge werden derzeit sehr kurzfristig gebucht.

Doch die Lufthansa rechnet damit, dass bereits Ende März Bewegung in den Reisemarkt kommt. Daher will der Konzern sein Angebot auf Kurzstrecken noch bis Ende dieses Monats um 50 Prozent nach oben fahren. Ostern hat Lufthansa offensichtlich noch nicht abgeschrieben.

Ein Blick auf die Sommerferien verrät: Alle Fluggesellschaften hoffen auf deutlich mehr Buchungen. Am Ende könnte das auch zu einer Preisschlacht am Himmel führen, damit die Flieger voll werden. Aber davon kann ernsthaft im Moment keine Rede sein. Denn selbst bei der neuen Lufthansa-Billigmarke "Eurowings Discover" wird der Konzern in diesem Jahr nur mit sieben Maschinen an den Start gehen, also gerade mal die Hälfte von dem Kontingent, was einmal geplant war. Auch das wird Schnäppchenjägern kaum Hoffnung machen. Für eine ausgiebige Preisschlacht fehlt vielen Airlines der lange Atem.

Zu viele Airlines am Start?

Die Konsolidierung in der Luftfahrtbranche wird jetzt kräftig an Fahrt aufnehmen. Etliche Fluggesellschaften sind durch die Corona-Pandemie in heftige Turbulenzen geraten. Nur mit staatlichen Finanzspritzen konnten viele Airlines in der Krise bislang überleben. Jetzt geht es darum, sich gesund zu schrumpfen, Kredite zurückzuzahlen und sich neu zu positionieren.

Der Kampf um den lukrativen deutschen Reisemarkt, der wird in den kommenden Monaten deutlich zu spüren sein. Die neue Lust der Lufthansa am Touristikgeschäft sowie die Entwicklung von Ferienflieger Condor und Reiseveranstalter TUI werden sicherlich für Schlagzeilen sorgen. Denn bei allen drei Konkurrenten sitzt der Staat derzeit mit am Steuer.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 04. März 2021 um 07:19 Uhr.

Korrespondent

Michael Immel | Bildquelle: hr Logo HR

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