Sportrechte bei Amazon Milliardendeal für die NFL

Stand: 19.03.2021 13:22 Uhr

Die amerikanische Football-Liga hat einen hochdotierten TV-Vertrag über mehrere Jahre geschlossen. Mit dabei ist Amazon - dabei ist der Online-Händler nur am Rande an Football interessiert.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Die US-Football-Liga NFL kann sich über einen neuen Vertrag freuen, der ihr Medienberichten zufolge für die Übertragung der Spiele mehr als zehn Milliarden Dollar pro Saison einbringen dürfte. Das entspräche rund 8,6 Milliarden Euro und ist fast doppelt so viel wie zuvor. Wie die NFL mitteilt, habe sie langfristige Verträge mit Amazon, den Disney-Sendern ESPN und ABC, ViacomCBS, Fox und Comcast geschlossen.

Amazon werde als Exklusiv-Partner die Football-Spiele am Donnerstagabend übertragen. Zum ersten Mal hat ein Internetkonzern die kompletten Rechte erworben. Die mit Amazon und den Medienkonzernen geschlossenen Verträge sollen bis 2033 gelten, wie NFL-Commissioner Roger Goodell erklärte.

Amazon weitet sein Engagement in der NFL schon ab der Saison 2022 aus. Alle anderen Verträge gelten ab der Saison 2023. Das Volumen der Verträge soll insgesamt über 100 Milliarden Dollar betragen.

Zukunftsträchtiger Moment

Die Spiele der NFL seien das meistgesehene Live-Programm in den USA, und über die Donnerstagsspiele würden Millionen neue Prime-Mitglieder exklusiven Zugang zu Live-Football erhalten, kommentiert Mike Hopkins, Senior Vice-President von Prime Video und Amazon Studios.

Goodell unterstrich, wie zukunftsträchtig der Moment sei. Die Liga habe in den 1960er Jahren dabei geholfen, die Verbreitung des Fernsehens anzutreiben; später sei das Kabelfernsehen gefolgt, dann das Satellitenfernsehen. Jetzt werde die Liga denselben Effekt online bewirken.

Entertainment lockt - auch in Deutschland

Weltweit sind die Internetkonzerne, die längst auch zu Medienunternehmen geworden sind, auf der Jagd nach Inhalten, um die Nutzer über Entertainment an das Angebot zu binden. Und Sport ist auf dem gesamten Globus ein Thema, das die Massen beschäftigt.

Hierzulande winkt mit Fußball das große Geschäft. Amazon überträgt längst auch in Deutschland Sportveranstaltungen. Ende 2019 hatte sich der Konzern die Übertragungsrechte für die Dienstagsspiele der Champions League gesichert. Der weltweit größte Onlineversandhändler und Terchnologiekonzern stieg damit erstmals in Deutschland in die Bewegtbild-Übertragung von Sport ein.

"Mittel zum Zweck"

Im Deutschlandfunk hatte Tobias Künkel, Geschäftsführer der Digitalberatung TeraVolt, seinerzeit die Strategie kommentiert: "Das Ziel ist, diese Inhalte nicht direkt zu refinanzieren und zu monetarisieren, sondern Kunden an ihre Plattform zu binden."

Das habe laut Künkel ganz andere Vorteile für Amazon, nämlich E-Commerce-Umsätze und Bindung auf ihrer gesamten Plattform. "Jeder Kunde, der da gewonnen wird, hat einen viel höheren Wert als eben nur Mediennutzung." Er bestelle mehr, er konsumiere mehr. "Da sind die Sportrechte nur Mittel zum Zweck."

Wandel in der Medienlandschaft

Zuvor hatte Amazon bereits Audio-Livestreams der Fußball-Bundesliga, des DFB-Pokals sowie aller Champions-League-Spiele mit deutscher Beteiligung über den Musik-Streaming-Dienst Prime Music im Angebot. Im vergangenen Dezember sicherte sich Amazon auch die Übertragungsrechte für die Champions League in Italien für die Spielzeiten 2021 bis 2024.

Klassische TV-Konzerne oder Pay-TV-Sender sehen sich schon seit längerem durch die Anbieter von Streamingdiensten und Internetkonzernen in die Zange genommen und unter Druck gesetzt. In den USA verfestigt sich bereits der Trend, dass Nutzer ihre TV-Abos kündigen und sich Netflix & Co. zuwenden. In Deutschland wurde beispielsweise Sky durch den Amazon-Deal ausgestochen. Auch der Sport-Streamingdienst DAZN spielt mittlerweile eine wichtige Rolle.

Auf dem Gebiet Filme und Serien ist der Wettbewerb ebenfalls hart, da immer mehr Nutzer sich Abonnements bei internationalen Anbietern wie Netflix, Amazon Prime, Disney+ und Apple TV+ leisten. Ende 2020 übersprang etwa die Zahl der weltweiten Netflix-Abonnenten erstmals die Grenze von 200 Millionen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau24 am 24. März 2021 um 10:00 Uhr.

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