Kameras in US-Lieferwagen Amazon-Fahrer werden überwacht

Stand: 05.02.2021 13:03 Uhr

Amazon will alles über seine Nutzer wissen. Auch die Mitarbeiter werden ständig überwacht. Künftig sollen die Fahrer der Lieferwagen in den USA bei der Arbeit gefilmt werden: Geht es um Sicherheit?  

In den USA werden die Fahrer der Amazon-Lieferwagen künftig per Videokamera bei ihrer Arbeit gefilmt. Das Unternehmen habe "kürzlich damit begonnen, eine Sicherheitstechnologie in unserer Flotte zu installieren, die auf Kameras basiert", teilte eine Amazon-Sprecherin mit. Als Grund gibt der US-Technologie-Konzern die Sorge um die Sicherheit der Fahrer an.

Die Kameras würden in Echtzeit Alarm schlagen und den Fahrern dabei helfen, sicher zu bleiben, wenn sie auf der Straße unterwegs seien, so die Sprecherin. Medienberichten zufolge werde die auf Künstlicher Intelligenz basierende Kamera permanent angeschaltet sein.

Dient es der Sicherheit?

16 sicherheitsrelevante Probleme würden überwacht, darunter hartes Bremsen, Schläfrigkeit, das Überfahren eines Stoppschilds und Ablenkung des Fahrers, wie ein internes Video zeigt, das die Technologie vorstellt. Studien hätten ergeben, dass auf diese Weise Unfälle reduziert werden könnten.

Amazon bestätigte die Echtheit des Videos, über das verschiedene Medien zuvor berichtet hatten. Der US-Nachrichtensender CNBC zitiert einen Amazon-Fahrer aus Kentucky, der behauptet, die Kamera könnte auch ein Gähnen erkennen. Der Fahre müsse dann 15 Minuten am Straßenrand pausieren.

Die Technik stammt von der Firma Netradyne, ein im Jahr 2015 geründetes Start-up-Unternehmen. Dem internen Video zufolge seien die Kameras mit mehreren Objektiven ausgestattet und filmten sowohl die Straße als auch den Fahrer. Ton nähmen sie nicht auf, sie sendeten auch nicht live. Niemand könne sich einschalten und während der Auslieferungen zuhören, versicherte Amazon im Video.

"Sofort stoppen"

Organisationen, die für den Arbeitsschutz im digitalen Zeitalter kämpfen, kritisierten Amazons Maßnahmen scharf und sprechen von Überwachung. Amazon müsse diese Praxis "sofort stoppen", forderte etwa Fight for the Future, eine US-Non-Profit-Organisation, die sich mit den Themen Privatsphäre und digitale Rechte befasst.

"Die Kameras werden die unsicheren und inhumanen Arbeitsbedingungen bei Amazon noch verschärfen, denen die Fahrer bereits ausgesetzt sind." Der US-Kongress müsse zudem eine umfangreiche Untersuchung der Überwachungstätigkeiten des Konzerns einleiten, fordert die Organisation.

Rechtlich umstritten

Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon ist nicht neu. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Streiks und vor allem Forderungen nach höheren Löhnen und einem Tarifvertrag. tagesschau.de hat wiederholt über das Thema Mitarbeiterüberwachung und schlechte Arbeitsbedingungen bei Amazon berichtet. Im ARD-Magazin Panorama hatten Beschäftigte darüber geklagt, dass im Arbeitsalltag selbst menschliche Grundbedürfnisse kaum erfüllt werden könnten.  

Die Frage, inwieweit offene Videoüberwachung am Arbeitsplatz rechtlich zulässig ist und wie sie gestaltet sein darf, ist hierzulande umstritten und eine selbst für Juristen nur im Einzelfall zu beantwortende Frage. Grundsätzlich greift Kameraüberwachung in das grundrechtlich geschützte Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers ein. Auch datenschutzrechliche Vorschriften und Fragen der Verhältnismäßigkeit spielen eine wesentliche Rolle bei der Bewertung der Rechtmäßigkeit.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Februar 2021 um 09:30 Uhr.

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