Gewerkschaftspläne bei Amazon Arbeiterkampf in Alabama

Stand: 15.03.2021 15:13 Uhr

Tausende Beschäftigte eines Amazon-Standorts im US-Bundesstaat Alabama stimmen bis Ende März darüber ab, ob sie sich einer Gewerkschaft anschließen. Es wäre ein Novum beim zweitgrößten Arbeitgeber der USA.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Bernie Sanders ist elektrisiert. Der weißhaarige Senator aus Vermont und selbsterklärte Sozialist hofft, dass im tiefen Süden der USA bald Geschichte geschrieben wird. "Das wird ein Schuss, der auf der ganzen Welt gehört wird", sagte Sanders kürzlich bei CBS. Und er glaubt, das werde viele andere Arbeiter ermutigen, sich Gewerkschaften anzuschließen.

Alabama und Amazon, das ist in der Tat eine historische Konstellation. Alabama hat voriges Jahr zu über 62 Prozent Donald Trump gewählt, Gewerkschaften haben hier einen schweren Stand. Und nun stimmen ausgerechnet in Alabama fast 6000 Amazon-Beschäftigte darüber ab, ob sie sich gewerkschaftlich organisieren wollen - der bislang größte Angriff auf den Konzern, der in den USA bisher jeden Versuch dieser Art abwehren konnte. 

Lange Tage, wenig Pausen

"Wir wollen gehört und wie Menschen behandelt und nicht ignoriert werden", sagte Jennifer Bates in der Sendung Democracy Now. Bates arbeitet am Amazon-Standort in Bessemer, benannt nach Henry Bessemer, dem Erfinder eines Verfahrens zur Stahlerzeugung. Nach dem Niedergang von Kohle und Stahl fiel die Kleinstadt ins Elend: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Gewaltkriminalität. Wer konnte, zog weg.

Als Amazon voriges Jahr eine große Lieferzentrale baute, war das für die rund 30.000 überwiegend schwarzen Einwohner zunächst eine gute Nachricht. Amazon zahlt den doppelten Mindestlohn von Alabama, doch es sind die Arbeitsbedingungen, über die sich Mitarbeiter wie Jennifer Bates beklagen. Lange Arbeitsstunden mit nur zwei Pausen, lange Wege, treppauf, treppab, wenn jemand mal aufs Klo muss. Andere beschweren sich über die Überwachung und ein hohes Arbeitstempo. Und dann kam auch noch Covid-19.

Unterstützung aus Washington

"Die Menschen haben sich von ihrem Arbeitgeber betrogen gefühlt", sagt Stuart Applebaum von der Einzelhandelsgewerkschaft RWDSU. Sie hätten das Gefühl gehabt, dass man sich nicht ordentlich um ihre Gesundheit und Sicherheit gekümmert habe, so Applebaum bei CNBC. Zur eigenen Ohnmacht kam bei ihnen noch der Zorn auf Amazon-Chef Jeff Bezos hinzu, der in der Pandemie sein Vermögen um zig Milliarden Dollar vergrößerte.

Bis Ende März stimmen sie nun per Briefwahl über den Beitritt zur Gewerkschaft ab. Längst nicht alle Angestellten sind dafür, zumal Amazon massiv Stimmung mache, so wird berichtet. Der Konzern drohe mit Kündigungen oder Betriebsverlagerung. Gewerkschaftsfunktionär Applebaum setzt auf Bessemers jahrzehntealte Gewerkschaftsgeschichte.  

Applaus gibt es aus Washington, von Joe Biden. Er hat angekündigt, der gewerkschaftsfreundlichste Präsident zu werden. "Gewerkschaften geben den Arbeitern Macht", sagte Biden gerade erst, sie heben die Arbeiter auf Augenhöhe und geben ihnen eine Stimme. Die Abstimmung in Bessemer unterstützt der Präsident ziemlich unverblümt. "Ob Arbeiter sich gewerkschaftlich organisieren wollen", sagte er, "entscheiden sie selbst und nicht der Arbeitgeber"

Arbeiterkampf in Alabama – Bessemer und die Amazon-Gewerkschaft
Katrin Brand, ARD Washington
15.03.2021 14:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. März 2021 um 16:48 Uhr.

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