Ein Airbnn-Appartment in der spanischen Stadt Sanxenxo. | Bildquelle: Via REUTERS

Airbnb geht an die Börse Mein Heim, dein Heim

Stand: 10.12.2020 09:24 Uhr

Airbnb hat die Reisebranche durcheinandergewirbelt - nicht immer zur Begeisterung von Mietern oder lokalen Behörden. Zum Ende des Pandemie-Jahres 2020 wagt das Unternehmen nun den Sprung an die Börse.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Vor 13 Jahren soll alles mit einer Idee von drei Studenten angefangen haben, als die Probleme hatten, ihre Miete im teuren San Francisco zu bezahlen. Für eine anstehende Konferenz legten sie drei Luftmatratzen ins Wohnzimmer und gaben ihr Angebot auf. Die Idee für Airbnb, zu Deutsch etwa "Luftmatratzenbett und Frühstück", war geboren. 2008 wurde das Start-Up dann offiziell aus der Taufe gehoben. So zumindest lautet die Gründungsmythologie, die Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk gerne erzählen.

Natürlich bedurfte es noch etwas mehr, nämlich einer guten Strategie und technischen Know-hows. Gründungsmitglied und Geschäftsführer Chesky erzählte auf der Technik-Konferenz "Code", woran er mit Airbnb Maß nahm: "Meine Vorbilder waren eBay und Craigslist. Das waren die Großen bei den Kleinanzeigen." 

Eine halbe Milliarde Übernachtungen

Airbnb wird mittlerweile in einem Atemzug mit anderen großen Playern der sogenannten Sharing-Economy genannt. Mehr als 500 Millionen Übernachtungen seien seit Unternehmensgründung schon über Airbnb gebucht worden. Airbnb stellt eine Plattform zur Verfügung, auf der Anbieter und Kunden zusammenkommen. Bei erfolgreicher Vermittlung erhält das Unternehmen eine Vermittlungsgebühr.

Das Silicon-Valley-Unternehmen ist erfolgreich, und das bedeute auch: man müsse Verantwortung übernehmen, wie Chesky einräumt: "Die Tech-Welt wollte sich immer aus vielem heraushalten, doch das ist nicht die Rolle, in der die Gesellschaft sie sieht. Wir dachten immer, wir seien die Guten. Aber wir müssen mehr tun. Auf einmal sind wir so groß, dass wir einen großen Einfluss auf die Gesellschaft haben." 

Dem Unternehmen wird immer wieder vorgeworfen, zur Wohnungsknappheit in Metropolen wie New York, Berlin oder Paris beizutragen. Die Folge: Manche Städte haben die Untervermietung an Feriengäste komplett verboten oder zumindest strenge Regeln beschlossen. So müssen zum Beispiel in einigen Metropolen Gäste mindestens 30 Tage übernachten, wenn sie eine komplette Wohnung mieten wollen, oder es werden Belegungssteuern fällig. Trotz alledem: Airbnb gehört zu den stärksten Konkurrenten für die Hotelbranche und hat einige Nachahmer.

Die strengeren Regularien führten allerdings auch dazu, dass es sich für private Vermieter weniger lohnt, ihre Zimmer oder Wohnungen anzubieten. Im Markt sind mittlerweile viele Profi-Firmen unterwegs. Von der Ursprungsidee, Privatleuten ein wenig Zubrot über Zimmervermittlungen zu ermöglichen, ist nicht mehr viel übrig geblieben.

2020 sollte das Jahr für Airbnb werden. Eigentlich wollte das Unternehmen schon in diesem  Frühjahr an die Börse, doch dann kam die Corona-Pandemie. "Ich fühlte mich wie ein Kapitän eines Schiffes, das von einem Torpedo getroffen wurde", sagte Geschäftsführer Chesky dem TV-Sender Bloomberg im Sommer. 

In Zahlen ausgedrückt: Im März 2017 war das Unternehmen 31 Milliarden US-Dollar wert, im April 2020 auf einmal nur noch 18 Milliarden. Einreisestopps und Ausgangsbeschränkungen hatten nicht nur die Lust am Reisen genommen, sondern diese waren zum Teil nicht erlaubt - und das weltweit.

Entlassungen in großem Stil

Airbnb musste hart gegensteuern. Das Unternehmen entließ 25 Prozent seiner Belegschaft, rund 2000 Mitarbeiter, kürzte Marketingausgaben und die Gehälter der Vorstände für sechs Monate. Bis zum Herbst zeigte der Sparkurs Erfolg. Im zurückliegenden Quartal konnte sogar ein Gewinn verbucht werden, profitabel ist Airbnb im Gesamtjahr trotzdem noch nicht, dafür waren die Verluste 2020 insgesamt zu hoch. Die Investoren mussten mit Geldspritzen nachhelfen. 

Immerhin zeigt sich auch ein positiver Trend für den Apartmentvermittler: Bei Reisenden sind Häuser und Wohnungen zur Selbstversorgung gefragt, Hotels werden eher gemieden. Genau da konnte Airbnb offenbar mit seinem Angebot punkten. In den USA wird dies landläufig auch "Staycation" genannt, ein Wortspiel aus "Stay" - bleiben - und "Vacation" - Ferien: gemeint ist, in der Nähe Urlaub zu machen. "Die Menschen machen Urlaub nur ein paar hundert Meilen entfernt von ihrem Zuhause, da bleiben sie dann aber auch mal länger, sogar einen Monat"  so Airbnb-Chef Chesky.

Der neue Trend: Urlaub fernab des Trubels

Beliebt sind in Coronazeiten Orte fernab der großen Städte. Im Geburtsstaat des Unternehmens, in Kalifornien, heißt das zum Beispiel: eine Hütte eher nahe des Sequoia-Nationalparks oder irgendwo im Wine-County zu mieten. In den Metropolen laufen die Vermietungen größtenteils nach wie vor schlecht. Gerade in den USA sind viele Großtädte zu Erlebniswüsten geworden. Wegen Ausgehbeschränkungen und hohen Fallzahlen kommt das kulturelle Leben dort zum Erliegen.

Für den geplanten Börsengang will Airbnb seine Aktie nach Medienberichten für 56 bis 60 Dollar verkaufen, das würde bedeuten, dass der Konzern mit bis zu 42 Milliarden Dollar bewertet werden könnte. 

Die Coronakrise könnte Airbnb vielleicht noch zupass kommen, denn Geschäftsführer Chesky hofft auf den Trend des Heimarbeitsplatzes. Viele Arbeitgeber seien flexibler geworden. Sie ermöglichten ihren Arbeitnehmern, mit einem Laptop zu arbeiten - von irgendwo aus, auch einem gemieteten Ferienappartment mitten im schönen Nirgendwo.

Mein Heim - dein Heim: Airbnb geht an die Börse
Katharina Wilhelm ARD Los Angeles
10.12.2020 09:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Börse am 10. Dezember 2020 um 07:35 Uhr.

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