Bedenken gegen ARM-Übernahme Hartes Ringen um die Macht im Chipmarkt

Stand: 19.03.2021 10:12 Uhr

Vor einem halben Jahr gab Nvidia bekannt, für 40 Milliarden Dollar den Chipdesigner ARM übernehmen zu wollen. Wegen vieler Bedenken fehlt die Genehmigung der Wettbewerbshüter bis heute.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der Chef von Nvidia, Jensen Huang, versucht die Gemüter zu beruhigen. Bei einer Veranstaltung mit dem Chef von ARM, Simon Segars, beschreibt er die geplante Übernahme mit rosigen Worten: "Künstliche Intelligenz ist die wichtigste Technologie unserer Zeit. Ein Computer kann Software ausführen, die selbst Software schreibt. Unser Ziel ist es, den Weltmarktführer bei KI mit der erfolgreichsten Chip-Firma der Welt zu vereinen."

Genehmigung der Übernahme ungewiss

Darf Nvidia den britischen Chipdesigner übernehmen oder nicht? Diese Frage kann derzeit schlicht nicht beantwortet werden. So viele verschiedene Interessen spielen hier eine Rolle. Und alle sind irgendwie berechtigt.

"Die Chancen stehen derzeit 50 zu 50", sagt Carolina Milanesi, eine der wichtigsten Analystinnen im Silicon Valley, gegenüber der ARD. "Es herrscht in der Industrie eine große Sorge. Leider kommen die Bedenken von Unternehmen, die selbst als Monopolisten gelten."

Viele wollen mitreden

Gemeint sind damit Firmen wie Apple, Microsoft oder der südkalifornische Chiphersteller Qualcomm. Störfeuer könnten aber auch von den Wettbewerbshütern in Großbritannien, der EU und vor allem China kommen. Das macht die Lage um die geplante 40-Milliarden Dollar-Übernahme noch vertrackter. 

Nur so viel ist sicher: Die britische Chip-Design-Schmiede war reif für eine Übernahme, sagt Analystin Milanesi. "Ihr Geschäftsmodell ist nicht besonders ertragreich. Sie sind wichtig. Aber sie verdienen ihr Geld durch die Lizensierung von Bauplänen", sagt Milanesi. "Deshalb hat sich jeder gefragt, wie lange sie noch unabhängig bleiben können."

Bei vielen Chipherstellern und Tech-Konzernen geht jetzt die Sorge um, dass sie künftig von Nvidia abhängig sein werden. Auch wenn Nvidia-Chef Huang versichert, beide Unternehmen würden streng getrennt voneinander geführt. Das Problem: Keiner glaubt Huang.

Branche fürchtet Abhängigkeit von Nvidia

ARM entwirft Chip-Baupläne. Die sind zum Beispiel Basis für die meisten Prozessoren, die in heutigen Smartphones stecken. Egal, ob sie nun von Samsung, LG, Huawei oder Apple kommen.

Einer der großen Chip-Produzenten für Android-Telefone ist Qualcomm in San Diego. Das Unternehmen baut die Snapdragon-Hauptprozessoren. Und die basieren auf ARM-Design.

Apple hat sich erst im vergangenen Jahr von seinem Haus-und-Hof-Lieferanten Intel verabschiedet, um auf Basis der ARM-Technologie maßgeschneiderte eigene Prozessoren für seine neusten Computer bauen zu lassen. Vielen Tech-Unternehmen graut deshalb vor einer Übernahme von ARM durch Nvidia.

"ARM weiß, wie bei den einzelnen Firmen ihre Technologie genau eingesetzt wird. Die Frage ist nun: Was davon bekäme Nvidia zu sehen?", sagt Analystin Milanesi.

Chance für weiteren Aufstieg von Nvidia

Nvidia selbst war bis vor wenigen Jahren einer von zwei großen Grafikkarten-Produzenten. Computerhersteller und End-Konsumenten haben entweder die Karten von AMD oder eben Nvidia verbaut. Mittlerweile ist das Unternehmen aus Kalifornien auch ein wichtiger Lieferant für die Automobilindustrie geworden.

Die Hochleistungschips von Nvidia - vollgestopft mit KI-Technologie - steuern selbstfahrende Autos. Sie sind Basis für Anti-Kollisions-Systeme. Was Nvidia bislang fehlte, ist die Kompetenz, um CPUs, also Hauptprozessoren, für Computer zu bauen. Damit könnte der Konzern in eine Liga mit Intel und AMD aufsteigen. "ARM besitzt sehr viele Lizenzen. Die könnten Nvidia helfen, im Bereich KI und Cloud-Computing weiter vorzustoßen", sagt Milanesi.

Bedenken verschiedener Regierungen

Was die Übernahme ebenso unsicher macht, sind die unterschiedlichen Positionen der Politik. China dürfte sich mit einer Zustimmung schwer tun: Denn die US-Regierung könnte Einspruch erheben, wenn Technologie gen China exportiert wird. Und zwar für den Fall, dass ARM zu einem US-Unternehmen wird.

Und in Großbritannien geht die Angst um, dass das einzig wichtige Technologie-Unternehmen des Landes in die USA abwandern könnte. Im Falle der Übernahme von ARM durch Nvidia ist deshalb nur sicher, dass nichts sicher ist.

Alle lieben ARM
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
19.03.2021 08:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11.November 2020 um 17:25 Uhr.

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