Neue Produkte vorgestellt Apple strotzt vor Selbstbewusstsein

Stand: 03.05.2021 04:31 Uhr

Apple steigt ins kommerzielle Podcast-Geschäft ein und stellt überarbeitete Tablets und Desktop-Computer vor. Das Nachsehen dürften deutlich kleinere Konkurrenten wie der schwedische Musikdienst Spotify haben.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Für Apple war das Pandemie-Jahr ein Rekord-Jahr. Die Kriegskassen sind mit einem Jahresumsatz von 275 Milliarden US-Dollar fürstlich gefüllt. Kein Grund also für Konzernchef Tim Cook von seiner bislang äußerst erfolgreichen zweigleisigen Strategie abzuweichen.

Zum einen designt Apple seine Chips für Smartphone, Tablets und Desktop-Computer selbst, was auch bei der gestrigen Präsentation deutlich wurde. Damit setzt man sich von der Konkurrenz noch deutlicher ab und reduziert Abhängigkeiten wie zuletzt von Chip-Hersteller Intel. Zum anderen bauen die Kalifornier mit großem Fleiß ihre Service-und Dienstleistungssparte aus.

Podcast-Plattform soll nun auch Geld bringen

Im aktuellen Fall dürfte das vor allem dem europäischen Musik-Streamingdienst Spotify nicht schmecken, der mittlerweile eine führende Marktposition beim Streaming und im Vertrieb von Podcasts in den USA aufgebaut hat. 

Wenn man es aber genau nimmt, dann ist Apple bei den Podcast schon deutlich länger im Geschäft als Spotify. Im Jahr 2005 war Spotify noch gar nicht gegründet, da gehörte Apple schon zu den ersten Unternehmen, die Audio-Podcasts mit ihrem iTunes Verzeichnis unterstützten. Bis heute ist das so geblieben, nur Apple hat nie etwas daraus gemacht.

Nun möchten die Kalifornier davon auch kommerziell profitieren, in dem sie einen Abo-Service für professionell produzierte Podcasts anbieten. Podcast-Macher können für einzelne Episode oder ganze Reihen Geld verlangen. Apple hält bei der Provision die Hand auf. 

EU ermittelt bereits

Mit dem neuen Angebot macht sich Apple bei Podcast-Produzenten beliebt. Es stärkt dadurch auch seine Dienstleistungssparte und bindet seine Kundinnen und Kunden stärker an die eigenen Angebote. Diese Strategie hat sich bislang ausgezahlt. Im abgelaufenen Quartal schaffte Apple mit dieser Sparte einen Umsatz von fast 16 Milliarden US-Dollar. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ein Anstieg von fast 25 Prozent. 

Doch der Plan sorgt auch für Ärger. Bei der EU laufen bereits Ermittlungen. Spotify hatte dem Tech-Giganten vorgeworfen, eigene Apps in seinem App-Store zu bevorzugen. Apple bestreitet das. Die Schweden haben in den vergangenen Monaten viele Millionen in die Hand genommen, um auf ihrer Plattform ein attraktives Angebot aufzubauen. Bislang hat sich das ausgezahlt. In den USA kommt Spotify auf 28,2 Millionen monatliche Hörer - bei Apple sind es laut eMarketer 28 Millionen. 

Tracking-Gerät zum Kampfpreis

Ärger dürfte dem Konzern aber auch mit seinem neuen Tracking-Gerät "AirTag" drohen. Sie werden zum Beispiel an Taschen oder Schlüsselanhängern befestigt und lassen sich dann mit dem iPhone verfolgen. Bislang ist in diesem Markt vor allem die Firma Tile aktiv gewesen. Sie bezichtigt Apple unfairerer Geschäftspraktiken. Das Unternehmen hatte sich bereits im vergangenen Jahr über Apple beschwert. Die Vorwürfe waren zum Teil Gegenstand im US-Kongress.

Nun bringt Apple seine AirTags ab kommenden Freitag auf den Markt und unterbietet die Tile-Geräte zum Teil. So kostet ein AirTag 29 US-Dollar, während ein ähnliches Gerät von Tile 36 US-Dollar kostet.

Der AirTag von Apple, eine Art Anhänger, um Gegenstände wiederzufinden | Bildquelle: via REUTERS
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Mit dem AirTag drängt Apple auch auf den Markt der Tracking-Geräte.

11,5 Milimeter dünner Desktop-Computer

Weniger umstritten waren dafür die restlichen Produktvorstellungen von Apple. Das Unternehmen zeigte seinen neuen Desktop-Computer iMac, der nur 11,5 Milimeter dick ist. Das schmale Formfaktor ist vor allem auf den M1-Chip von Apple zurückzuführen. Er produziert weniger Wärme und kommt mit nur zwei Lüftern aus.

Eine weitere Besonderheit des M1-Chips: Er basiert auf derselben technischen Plattform wie die Chips in den iPhones. Dadurch funktioniert das Zusammenspiel von Apps auf beiden Plattformen besser. Der neue iMac startet mit einem 24-Zoll-Display bei rund 1445 Euro.

Neues iPad Pro - leichte Änderungen an Apple TV

Verbaut ist der neue M1-Chip aber auch im neuen iPad Pro. Das größere Modell mit einem 12,9-Zoll-Bildschirm erhält zudem ein deutlich verbessertes Display mit kontrastreicherer Darstellung. Das iPad entwickelte sich in der Corona-Pandemie zu einem wichtigen Geldbringer: Allein im vergangenen Weihnachtsquartal stieg der iPad-Umsatz im Jahresvergleich um gut 40 Prozent.

Enttäuschend dagegen ist die Weiterentwicklung der Apple-TV-Box - wenn man sie überhaupt als Weiterentwicklung bezeichnen darf. Das Gerät will mit einer besseren Bildqualität und einer neuen Fernbedienung punkten. Letztere war immer wieder für die Ungenauigkeit ihres Touchfelds kritisiert worden. Die Box kommt ab Mitte Mai für 199 Euro auf den Markt. 

Apple Produktvorstellung: Apple protzt ohne zu klotzen
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
21.04.2021 06:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 21. April 2021 um 10:24 Uhr in der Wirtschaft.

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