Container | Bildquelle: dpa

Startup "Packwise" Wenn Container mitdenken

Stand: 30.11.2020 17:08 Uhr

Ein junges Unternehmen aus Dresden will die Industrie-Logistik revolutionieren. Seine Gründer hoffen auf eine Politik, die neue Technologien noch ernster nimmt.

Von Hanna Lohoff, MDR

Es ist ein kleines blaues Gerät mit weißem Deckel, nicht größer als ein Brillenetui. Unscheinbar klebt es an einem Industrie-Container für Flüssigkeiten, einem sogenannten "IBC"-Container. Das Kästchen ist die Erfindung des Dresdner Startups Packwise - und eine kleine digitale Revolution. Denn einmal am Container angebracht, liefert das sogenannte "Smart Cap" Informationen zu Füllstand, Temperatur oder Standort, sorgt selbstständig dafür, dass Material nachbestellt wird - und kann so Lieferketten umweltfreundlicher machen.

"Wir sehen, dass digitale Technologien ein riesengroßes Potenzial haben, Prozesse nachhaltiger zu gestalten. Wir sehen das an unserer Industrieanwendung. Wir können Prozesse effizienter machen, schlanker gestalten; haben Informationen, die dazu führen, dass wir Ressourcen einsparen können", fasst Mitgründerin und Geschäftsführerin Gesche Weger die Vision von Packwise zusammen.

Zu viele leere Container

Das Produkt soll Flüssigkeiten-Container aus der Lebensmittel- und Chemieindustrie mit dem Internet verbinden, sie gewissermaßen intelligenter machen, um dadurch Ressourcen zu schonen. Allein in Deutschland sind zehn Millionen solcher Container unterwegs; weltweit sind es grob geschätzt 300 Millionen. Die Container stehen aber mehr als 80 Prozent der Zeit leer und ungenutzt im Lager.

Das Unternehmen setzte es sich also zum Ziel, weniger Container zu nutzen und dennoch die gleiche Menge an Flüssigkeit zu transportieren. Der Schlüssel dafür sind die Informationen, die das kleine Gerät sammelt. Es wird außen am Container installiert und ist mit einer Plattform verbunden, die alle Daten sammelt und abrufbar macht: Wo befindet sich die Ware, welche Bewegungen sind zu verzeichnen, wie steht es um die Füllmenge? Mit dem "Smart Pack" fängt der Industrie-Container gewissermaßen an, selbst zu denken.

Mit der Idee startete Packwise 2017 am Markt. Im Dresdner Coworking-Zentrum "Impact Hub" hatte sich das Gründungsteam zuvor zusammengefunden. Weger nutzte die Räumlichkeiten, um gemeinsam mit ihrem Mann, Felix Weger, Ideen zu entwickeln. Der hatte zuvor für einen Hersteller von Industrie-Containern gearbeitet und festgestellt, dass eine Digitalisierung von Lieferketten sowohl der Produktion als auch dem Vertrieb nutzen kann. In dem Co-Working-Space lernte das Paar den IT-Entwickler René Bernhardt kennen, der die technische Umsetzung der Idee übernahm.

Technologie-Standort Dresden

Mittlerweile gibt es 13 Beschäftigte. Mit dem "Smart Cap" ist das Unternehmen noch in der Pilot-Phase. Im Januar soll die Serienproduktion starten. Dafür arbeiten Weger und ihr Team mit einem Partnerunternehmen aus Nürnberg zusammen, das die Geräte produziert.

Der Rest der Arbeit wird in Dresden erledigt. Der Standort sei für das Startup ideal. "Es gibt hier in der Region viele Fördermöglichkeiten, von denen wir profitieren. Wir haben guten Zugang zu Talenten, weil wir hier technische Hochschulen haben, und es gibt viele junge Leute, die hier in der Region auch bleiben wollen", sagt Weger. Im Co-Working-Space finde eine gute Vernetzung mit anderen Unternehmen, Gründerinnen und Gründern sowie Selbstständigen statt.

Digital-Gipfel mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit

Dennoch könnten die Rahmenbedingungen für den Erfolg von Packwise noch besser sein. Deswegen schaut Unternehmerin Weger auch genau, was Anfang der Woche auf dem Digital-Gipfel des Bundeswirtschaftsministeriums besprochen wird. Der Gipfel steht unter einem Motto, das nah dran ist an der Vision der Entwickler aus Dresden: Nachhaltigkeit durch Digitalisierung.

Coronabedingt wird in Vorträgen und Panels erstmals online diskutiert, wie mittels Digitalisierung nachhaltige Infrastrukturen geschaffen und datenbasierte Entscheidungen getroffen werden können. Zudem steht die Frage auf der Agenda, wie eine neue digitale Arbeitswelt nach der Corona-Pandemie aussehen kann.

Warten aufs schnelle Internet für alle

Weger erhofft sich von der Veranstaltung, dass Politik und Unternehmen noch mehr den Nutzen digitaler Technologien erkennen. Denn die Digitalisierung etwa logistischer Prozesse habe nicht nur einen ökonomischen, sondern häufig auch einen ökologischen Effekt. Deshalb wünscht sich Weger, dass Technologien, die die Industrie effizienter und umweltfreundlicher gestalten, noch besser gefördert werden.

Außerdem fehle es noch an Voraussetzungen dafür, dass kluge, innovative Konzepte auch voll zur Geltung kommen können. "Wir brauchen schnelles Internet für alle, ein flächendeckendes Mobilfunknetz und vor allem Investitionen in digitale Bildung, damit Technologie-Unternehmen langfristig Personal rekrutieren können", sagt Weger. Auch der Erfolg des Dresdner Startups Packwise wird davon abhängen, ob es der Politik gelingt, diese Voraussetzungen zu schaffen.

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