Institute senken Prognose Dritte Welle bremst Wirtschaft aus

Stand: 15.04.2021 11:13 Uhr

Die führenden Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2021 kräftig gesenkt. Der erneute Corona-Shutdown verzögere die Konjunkturerholung, so die Experten. Wegen der Krise empfehlen sie einen höheres Rentenalter.

Die dritte Corona-Welle hemmt das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr massiv. Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute, das RWI in Essen, das Berliner DIW, das Ifo-Institut in München, das Kieler IfW sowie das IWH in Halle, haben ihre Prognose von 4,7 Prozent im Herbst 2020 auf 3,7 Prozent reduziert.

Risiko durch neue Mutationen

"Die neue Infektionswelle und die damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen führen zu einer Abwärtsrevision der Prognose für das Jahr 2021 um ein Prozentpunkt im Vergleich zum Herbstgutachten 2020", heißt es dazu im Gemeinschaftsgutachten.

Vor allem das erste Quartal des laufenden Jahres lastet auf der Konjunktur. "Aufgrund des anhaltenden Shutdowns dürfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 1,8 Prozent gesunken sein", sagte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des RWI.      

"Die Entwicklung der Pandemie ist weiterhin das bedeutendste Abwärtsrisiko für die Prognose", warnen die Institute. Nach wie vor könne es bei der Lieferung von Impfstoffen und Tests zu Engpässen und Verzögerungen kommen. Auch könnten neue Virusmutationen die Öffnung der Wirtschaft stoppen, was die Erholung abermals bremsen würde.

Bessere Aussichten ab Sommer

Der Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass der derzeitige Shutdown zunächst weitergeht und die letzten Lockerungen wieder weitgehend zurückgenommen werden. Erneute Lockerungsschritte erwarten die Institute erst ab Mitte des zweiten Quartals, eine Aufhebung der Beschränkungen dann bis zum Ende des dritten Quartals.

"Im Zuge der Lockerungen erwarten wir für das Sommerhalbjahr eine kräftige Ausweitung der Wirtschaftsaktivität, vor allem bei den von der Pandemie besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen", so Schmidt.

Die Experten unterstreichen, dass eine kräftige Erholung einsetzen werde, sobald die Infektionsgefahren vor allem durch das Impfen gebannt sind. Etwa zu Beginn des kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft zur Normalauslastung zurückkehren, prognostizieren sie. Im Zuge der Lockerungen ab Mai werde auch die Zahl der Arbeitslosen zurückgehen.

Rentenalter erhöhen?

Angesichts der steigenden Staatsschulden sprechen sich die Institute für eine Erhöhung des Rentenalters aus. Es werde eine Herausforderung, die Staatsfinanzen nach der Pandemie wieder auf eine solide Basis zu stellen, hieß es. Da die Bevölkerung älter werde, spiele dabei vor allem die Rentenversicherung eine Rolle. Ein höheres Rentenalter könne die Staatsfinanzen stützen.

Der Bund geht bislang von einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent aus. Zuletzt hatten sich drei Industrieverbände verhalten optimistisch zur laufenden Konjunkturentwicklung in ihren Branchen geäußert. Insbesondere der Dienstleistungssektor leidet unter den Lockdown-Maßnahmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. April 2021 um 11:00 Uhr.

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