Folgen der Lockdowns Konsum im Corona-Jahr eingebrochen

Stand: 20.04.2021 09:23 Uhr

Geschlossene Läden, wenig Chancen auf Urlaubsreisen: Die Deutschen haben im vergangenen Jahr Milliarden Euro weniger für den privaten Konsum ausgegeben. Vor allem der Dienstleistungssektor war betroffen.

Im Durchschnitt mindestens 1250 Euro weniger haben die Verbraucher im vergangenen Jahr für Konsumausgaben aufgewendet. Das ist das Ergebnis von Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das entspricht in der Summe einem Rückgang um 116 Milliarden Euro, heißt es in einer Untersuchung des arbeitgebernahen Forschungsinstituts.

Das Minus bei den Ausgaben lag prozentual bei 6,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2019, das ist der stärkste Einbruch seit 70 Jahren. Besonders "kurzlebige Konsumgüter" wie Kleidung oder Schuhe waren von dem Rückgang betroffen, so die Studie. Der Kauf langlebiger Konsumgüter wie Autos oder Möbel sei im Zuge des ersten Lockdowns zwar auch zurückgegangen, die Nachfrage habe aber im zweiten Halbjahr 2020 um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Hier könnte sich auch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung konsumbelebend ausgewirkt haben.

Dienstleister besonders hart getroffen

Besonders hart wurde der Dienstleistungssektor 2020 von den Lockdown-Maßnahmen getroffen. Im gesamten Jahr 2020 habe sich der Rückgang auf 78 Milliarden Euro summiert, so das IW. Das seien mehr als zwei Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. "Die staatlich verordnete Schließung von körpernahen Dienstleistungen, Gastronomiebetrieben, Hotels, Freizeit- und Veranstaltungseinrichtungen haben viele Konsumwünsche unmöglich gemacht", sagte IW-Wissenschaftler Hubertus Bardt.

Die Daten bestätigen eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes vom März. Dieses hatte zudem darauf hingewiesen, dass sich Entwicklung in der Corona-Krise deutlich von der in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 unterscheidet. Damals war der private Konsum weniger beeinträchtigt, erwies sich sogar als Stütze für die deutsche Wirtschaft.

Es wird weiter gespart

Eine grundlegende Erholung der Konsumneigung in bundesdeutschen Privathaushalten sehen die Forscher derzeit noch nicht. Für das erste Quartal 2021 beziffern sie den Konsumausfall auf weitere 40 bis über 60 Milliarden Euro. Nach einer vom IW gemeinsam mit anderen Forschungsgruppen durchgeführten Befragung wollen 43 Prozent den Teil ihres Einkommens sparen, der nach den grundlegenden Ausgaben übrig bleibt. Normalerweise seien es weniger als 30 Prozent. Zudem habe nur ein Drittel der Befragten angegeben, derzeit Ausgaben für einen Urlaub einzuplanen - normalerweise seien es 45 bis 50 Prozent.

Über dieses Thema berichtete am 20. April 2021 Inforadio um 06:04 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.

Darstellung: