Konjunkturplus trotz Corona Wirtschaft nimmt schneller wieder Fahrt auf

Stand: 24.02.2021 10:22 Uhr

Ein kleines Plus, das Hoffnung macht: Die Konjunktur in Deutschland ist im Schlussquartal 2020 stärker angesprungen als erwartet. Damit wurde auch der Staatshaushalt geringer belastet als befürchtet.

Die deutsche Wirtschaft hat nach der Corona-Delle mit mehr Tempo Anlauf genommen als zunächst gedacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember trotz des Lockdowns im Weihnachtsquartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Eine vorherige Schätzung des Statistischen Bundesamts aus dem Januar hatte lediglich ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent ermittelt.

Auch der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit im Gesamtjahr 2020 fiel mit 4,9 Prozent dadurch etwas kleiner aus als bislang mit 5,0 Prozent angegeben. Die Corona-Krise hat der deutschen Wirtschaft dennoch den stärksten Rückgang seit der Finanzkrise 2009 beschert. Um eine noch gravierendere Rezession zu verhindern, legte der Staat massive Konjunkturhilfen wie die zeitweise Mehrwertsteuersenkung auf.

Defizit bei knapp 140 Milliarden Euro

Durch das überraschend starke Wirtschaftswachstum am Jahresende 2020 hat die Krise auch ein kleineres Loch in der Staatskasse hinterlassen als bislang angenommen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung gaben zusammen 139,6 Milliarden mehr aus als sie einnahmen, wie das Statistische Bundesamt in Berlin mitteilte. Die erste Schätzung im Januar war noch auf ein Minus von 158,2 Milliarden Euro gekommen. Dies war das erste Defizit seit 2011 und das zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, wie es von den Statistikern hieß.

Der Fehlbetrag im Staatshaushalt entspricht einem Defizit von 4,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die europäischen Maastricht-Regeln sehen eigentlich eine Obergrenze von drei Prozent vor. Diese Obergrenze wurde aber für die Jahre 2020 und 2021 ausgesetzt.

Weiter Weg bis zum Vorkrisenniveau

Die Perspektiven für das Jahr 2021 sind ebenfalls ermutigend. Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent, was auch den Fehlbetrag in der Staatskasse verringern dürfte. Das Vorkrisenniveau soll aber erst Mitte 2022 wieder erreicht werden.

Experten wie die Chefvolkswirtin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Fritzi Köhler-Geib, erwarten für den weiteren Verlauf des Jahres wieder bessere Perspektiven. "Mit steigender Immunisierung werden im Frühling Lockerungen zum Beispiel im Gastgewerbe möglich sein, was im zweiten Quartal zu einer Erholung der Dienstleistungen beitragen wird. Ab dem dritten Quartal ist damit zu rechnen, dass die gesamtwirtschaftlich relevanten Restriktionen weitgehend aufgehoben werden können, was einen weiteren Wachstumsschub auslösen wird."

Industrieunternehmen werden optimistischer

Auch aus der Industrie kommen Signale, die auf eine weitere Erholung nach dem Einbruch der Produktion im Corona-Jahr hindeuten. Wie eine Sonderauswertung der jüngsten Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ergab, gehen 37 Prozent der befragten Industrieunternehmen für die kommenden zwölf Monate von Umsatzzuwächsen aus. Auf Rückgänge stellen sich 23 Prozent ein, wie das "Handelsblatt" am Mittwoch aus der Umfrage zitierte. 2020 hatte die Industrie einen Produktionseinbruch von elf Prozent verzeichnet. Der Umfrage zufolge beurteilen 31 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, im Herbst waren es nur 23 Prozent. An der Umfrage zu Jahresbeginn beteiligten sich knapp 8000 Industrieunternehmen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. Februar 2021 um 09:40 Uhr.

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