Folgen der Lockdowns Institute senken Konjunkturprognosen

Stand: 24.03.2021 10:39 Uhr

Nach dem Sachverständigenrat trauen jetzt auch das ifo-Institut und das Institut der deutschen Wirtschaft der deutschen Konjunktur 2021 weniger zu. Die Kosten der Coronakrise dürften Hunderte Milliarden Euro verschlingen.

Neue Lockdowns und schleppende Impfkampagnen: Das lässt auch die deutsche Wirtschaft nicht kalt. Experten sehen sich daher zunehmend genötigt, ihre Konjunkturprognosen anzupassen - und zwar nach unten.

Das ifo-Institut rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einem Wachstum von 3,7 Prozent. Vor drei Monaten hatte es noch ein Plus von 4,2 Prozent vorhergesagt. Für das Jahr 2022 erwarten die Münchner Experten nun 3,2 Prozent Wachstum anstatt 2,5 Prozent. "Die Coronakrise zieht sich hin und verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten", sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Es geht noch pessimistischer

Das Münchner Institut schätzt damit die Konjunkturperspektiven der deutschen Wirtschaft zwar pessimistischer ein als noch vor drei Monaten. Doch seine aktuelle Prognose fällt immer noch deutlich optimistischer aus als etwa die des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Die "Wirtschaftsweisen" gaben vor einer Woche bekannt, sie rechneten für 2021 nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,1 Prozent.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) blickt pessimistischer in die Zukunft und prognostiziert für 2021 nur noch ein BIP-Wachstum von 3,0 Prozent, wie das arbeitgebernahe Institut. Im Herbst war das IW noch von einem Plus von 4,0 Prozent ausgegangen.

So hoch sind die Lockdown-Kosten

Die IW-Forscher warnen vor einem langen dritten Lockdown, ein solcher wäre ein teurer Rückschlag für Unternehmer und Einzelhändler. "Bisher haben die Lockdowns bereits 250 Milliarden Euro gekostet", sagt IW-Direktor Michael Hüther.

Ifo-Experte Wollmershäuser geht derweil von 405 Milliarden Euro Kosten für die Coronakrise für die Jahre 2020 bis 2022 aus - gemessen an entfallener Wirtschaftsleistung.

Soziale Folgen der Lockdowns

Das bleibt nicht ohne Folgen für das staatliche Haushaltsdefizit: Dies werde 2021 auf 4,7 Prozent des BIP weiter anschwellen. 2022 dürfte die Defizitquote rund drei Prozent des BIP betragen, das Einhalten der Schuldenbremse werde aber sehr schwierig.

Michael Hüther
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IW-Direktor Michael Hüther warnt vor den Folgen der Lockdowns.

Die Lockdowns haben aber nicht nur Folgen für die öffentlichen Haushalte, sondern auch für die Gesellschaft: Die Spaltung der Volkswirtschaft in eine robuste Industrie und darbende Lockdown-Branchen würde immer tiefer gehen und weitreichende soziale Folgen haben, warnt Hüther.

Die IW-Experten verweisen in diesem Kontext auch auf den steigenden Anteil der Langzeitarbeitslosen, der eine schnelle Rückführung der Arbeitslosigkeit in Deutschland erschwert.

Spaltung der Volkswirtschaft

Dabei erfährt die deutsche Wirtschaft in der Pandemie eine zunehmende Spaltung - zwischen Industrie und Konsum, Angebot und Nachfrage: Die Industrie schließe allmählich zum Vorkrisenniveau auf, exportiere wieder rege nach China und in die USA. Der Dienstleistungssektor stehe dagegen weitestgehend still, betonen die IW-Experten. Der private Konsum werde 2021 aufgrund der Geschäftseinschränkungen stagnieren, nachdem er 2020 um sechs Prozent einbrach.

Auch global ist die Wirtschaft gespalten: Während sich China und die USA vom Corona-Einbruch deutlich schneller erholen und die Weltkonjunktur unterstützen, schwächelt der Euroraum, in dem die dritte Infektionswelle besonders stark wütet.

Aufs Impfen kommt es jetzt an

Der erhoffte Aufschwung im zweiten Halbjahr hängt nach Einschätzung des IW nun am Erfolg der Impfkampagne. Derzeit laufe ein Wettlauf zwischen Injektionen und Infektionen, unterstreicht IW-Direktor Hüther. "Wir müssen schnell impfen, um möglichen Resistenzen durch Mutationen zuvorzukommen."

Die Überschrift des IW-Papers könnte somit auch als Aufforderung an die Politik verstanden werden: "Impfen für den Aufschwung".

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 24. März 2021 um 10:09 Uhr sowie B5 aktuell um 11:05 Uhr.

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