Rückschlag für die Wirtschaft Deutsche Produktion erneut gesunken

Stand: 09.04.2021 10:56 Uhr

Die Erwartungen der deutschen Industrie sind auf den höchsten Stand seit 30 Jahren geklettert. Im Februar sah es allerdings noch düster aus. Die Produktion sank erneut - offenbar wegen Lieferengpässen.

Die Hoffnungen der deutschen Industrie auf eine rasche Erholung haben sich zum Jahresbeginn noch nicht erfüllt. Die Produktion ist im Februar überraschend den zweiten Monat in Folge gesunken. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,6 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen einen Anstieg um 1,5 Prozent erwartet. Im Januar hatte es bereits ein Minus von 2,0 Prozent gegeben.

Besonders betroffen war die Industrieproduktion, sie schrumpfte im Februar um 1,8 Prozent, während es beim Bau, trotz des Wintereinbruchs mit teils zweistelligen Minusgraden, einen Rückgang von nur 1,3 Prozent gab. Auch die Energieerzeugung schrumpfte, und zwar um 1,0 Prozent zum Vormonat.

Ökonomen sprechen von Lieferproblemen

Grund für den erneuten Rückgang der Produktion sind Ökonomen zufolge die durch den weltweiten Lockdown verursachten Lieferprobleme. "Was derzeit auf der deutschen Industrie lastet, ist nicht ein Mangel an Nachfrage, es sind vielmehr Lieferengpässe bei Rohstoffen und Komponenten sowie knappe Transportkapazitäten, insbesondere auf der Route zwischen Asien und Europa", erklärte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Dadurch werde nun schon seit geraumer Zeit die Herstellung belastet. So klagt etwa die Autobranche über einen Mangel an Halbleitern. "Dieser Produktionsstau lässt wiederum die Auftragsbestände auf ein Rekordniveau ansteigen", so Scheuerle.

Für Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe ist der Produktionsrückgang im Februar ein klares Zeichen dafür, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal weiter rückläufig sein wird, nachdem sie bereits im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen war. Grund zur Sorge besteht den Volkswirten zufolge dennoch nicht.

ifo ermittelt Anstieg der Produktionserwartungen

Die Auftragsbücher der Industrie seien prall gefüllt, erklärt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Vor allem chinesische Unternehmen griffen kräftig auf deutsche Produkte zurück. Nun gesellten sich weitere Auftraggeber hinzu. Deshalb sehe es tendenziell gut aus für die deutsche Industrie, auch wenn es derzeit zu Rückschlägen komme.

Tatsächlich sind die Produktionserwartungen der deutschen Industrie so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Wie das ifo-Institut am Morgen zu seiner monatlichen Umfrage unter Unternehmen mitteilte, stieg der entsprechende Indikator im März um 8,9 auf 30,4 Punkte. Dies ist der höchste Stand seit 1991. "Die Auftragsbücher füllen sich, und es gibt immer noch einen Nachholbedarf nach dem Krisenjahr", sagte ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Hoffen auf Frühjahrsbelebung

Nahezu alle Branchen kündigen Produktionssteigerungen an. "Insbesondere die Auto- und die Elektroindustrie wollen ihre Produktion stark ausweiten", sagte Wohlrabe. In der Autoindustrie und bei ihren Zulieferern stieg der Indikator um zehn auf 46 Punkte. In der Elektroindustrie sprang er sogar um zwölf auf 44 Zähler nach oben. Im Maschinenbau und bei den Getränkeherstellern nahm der Umfragewert zu auf 38 Punkte. In der Metallerzeugung und -bearbeitung sprang er auf 36 Punkte, nach 20 im Februar. Die Erwartungen der Chemiebranche blieben nahezu konstant bei 19 Zählern.

"Hoffen wir also darauf, dass die Frühindikatoren richtig liegen und erwarten die Belebung der Konjunktur für das zweite Quartal - falls uns Corona keinen Strich durch diese Rechnung zieht", sagt Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet für 2021 nur noch mit einem Anstieg des deutsche Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,1 Prozent. Im Herbst waren die "Wirtschaftsweisen" noch von 3,7 Prozent ausgegangen. Für das erste Quartal dieses Jahres erwarten die Experten sogar einen Rückgang um 2,0 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. April 2021 um 17:21 Uhr.

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