Eine Frau läuft durch eine nahezu leere Einkaufsstraße in Frankfurt. | Bildquelle: dpa

GfK-Index zum Konsumklima Lockdown drückt auf die Stimmung

Stand: 22.12.2020 15:12 Uhr

Die Verbraucher gehen mit sinkender Kaufbereitschaft ins neue Jahr. Mehr als drei Viertel empfinden Corona als Bedrohung. Konjunkturforscher senken wegen des Lockdowns bereits ihre Wachstumsprognosen.

Das Konsumklima in Deutschland hat nach Einschätzung der Forschers des Instituts GfK wegen des aktuellen Lockdowns einen weiteren Rückschlag erlitten. Der für Januar ermittelte Index fiel demnach auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr.

Da die Sparneigung im Dezember spürbar zunahm, gab das GfK-Index um 0,5 auf minus 7,3 Punkte nach. Ökonomen hatten allerdings mit einem stärkeren Rückgang auf minus 8,8 Punkte gerechnet. Die Konjunkturerwartungen und die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen legten zwar zu, aber die Verbraucher rechnen mit Abstrichen bei den Einkommen.

Mehrheit empfindet Covid-19 als Bedrohung

Dabei sind die Auswirkungen des harten Lockdowns, der neben Gastronomie, Sport und Kultur auch die Schließung großer Teile des Einzelhandels notwendig machte, allerdings noch gar nicht berücksichtigt. Die Erhebung fand im Zeitraum vom 3. bis 14. Dezember statt.

Auch eine aktuelle GfK-Umfrage zeigt die Verunsicherung der Verbraucher. 78 Prozent - und damit mehr als drei Viertel der Bundesbürger - bewerten Covid-19 als eine große oder sehr große Bedrohung für Deutschland. Das sei der bislang höchste gemessene Wert seit Beginn der Erhebungen zu Corona Mitte April.

Konjunkturkurve zeigt nach unten

Es sei zu befürchten, "dass sich eine grundlegende Erholung der Konjunkturstimmung nun weiter verzögert, zumal auch wichtige Handelspartner Deutschlands derzeit ebenfalls von der zweiten Infektionswelle betroffen sind", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Vermutlich wird deshalb auch die Exportentwicklung, die für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig ist, eine schwierige Phase haben."

Tatsächlich korrigierten drei Forschungsinstitute ihre gemeinsame Konjunkturprognose für die Eurozone kräftig nach unten. Das Ifo-Institut in München, KOF in Zürich und Istat in Rom rechnen für das gerade zu Ende gehende Quartal nun nicht mehr mit einem Wachstum, sondern mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent.

"Das bringt das Gesamtjahr 2020 auf minus 7,3 Prozent", teilten die Institute mit. Im kommenden Jahr erwarten sie für das erste Quartal nur 0,7 Prozent Wachstum, im zweiten dann 3,0 Prozent. Wie sich die Wirtschaft bei steigenden Corona-Ansteckungszahlen und gleichzeitigem Beginn der Impfungen entwickelt, sei allerdings schwer abzusehen. Zudem könnte ein harter Brexit Lieferketten unterbrechen.

Trendwende vorerst nicht in Sicht

Das Schließen zahlreicher Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland dürfte in den kommenden Wochen zu einem spürbaren Anstieg der Kurzarbeit führen. Das wiederum sorge bei betroffenen Beschäftigten für Einkommenseinbußen, sagte GfK-Forscher Bürkl. Zudem sei zu befürchten, dass noch mehr Unternehmen insolvenzgefährdet sind. Dies verstärke die Angst vor Jobverlust und belaste die Gehaltsaussichten.

Das Ifo-Institut geht derweil davon aus, dass die Verbraucher wegen ausgefallener Reisen oder dem erzwungenen Verzicht auf Restaurantbesuche etwa 100 Milliarden Euro gespart haben dürften. Zumindest ein Teil dieser "zurückgestauten Kaufkraft" könnte 2021 nach Ansicht der Forscher in den Konsum fließen und die Erholung dadurch unterstützen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Dezember 2020 um 14:11 Uhr.

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