Internationaler Vergleich Wie andere das Homeoffice regeln

Stand: 06.10.2020 14:18 Uhr

Italien: Homeoffice ist smart - und praktisch

Von Johannes Reichart, ARD-Studio Rom

Auch viele Italiener wurden im Frühjahr ins Homeoffice geschickt. Die meisten Unternehmen haben die Regelung bis Ende des Jahres verlängert. Die Angst vor überfüllten Büros ist groß, nachdem das Land mehr als 35.000 Corona-Tote zu verzeichnen hatte. Doch das ist noch nicht lange so: Bis vor Kurzem hinkte Italien in Sachen Heimarbeit hinterher.

"Smart Working" - so wird Homeoffice in Italien genannt. Und für manche Arbeitnehmer ist es auch smart, nicht mehr dauerpräsent sein zu müssen. Denn im Büro wartet in Italien derzeit Corona-Bürokratie: Die italienischen Behörden verlangen von allen Unternehmen tägliche Fiebertests und Unterschriften aller Mitarbeiter, die ins Büro kommen.

Im Lockdown während der ersten Corona-Welle mussten 90 Prozent der Angestellten zu Hause bleiben. Aktuell sind noch 34 Prozent der Arbeitnehmer in Italien im Homeoffice. Vor allem große Unternehmen und die öffentliche Verwaltung setzen auf das Heimarbeit. Mehr als jeder zweite Betrieb will laut jüngster Umfrage auch 2021 daran festhalten.

Vor Corona spielte das Thema in Italien kaum eine Rolle: Vor zwei Jahren haben nur rund dreieinhalb Prozent im Homeoffice gearbeitet. Damit lag Italien europaweit weit hinten. Wegen der Pandemie haben Firmen schnell provisorische Lösungen gefunden: So nutzen nach wie vor viele Angestellte tageweise im Wechsel die festen Arbeitsplätze im Büro.

Gewerkschaften beklagen eine Ungleichheit: Manche profitierten von der neuen Regelung stärker als andere. Tatsächlich arbeiten manche Gutverdienende in Rom, Mailand oder Turin von ihrem Ferienhaus am Meer aus.

Als Vorteil empfinden die Italiener laut Umfragen nicht mehr pendeln zu müssen und dadurch Geld zu sparen. Größter Nachteil: Die Erhöhung der tatsächlichen Arbeitszeit und der fehlende Kontakt mit den Kollegen.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 05. Oktober 2020 um 23:20 Uhr und Deutschlandfunk Nova am 07. Oktober 2020 um 07:40 Uhr.

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