Verzweifelte Schrumpfkur GM kündigt 1100 Händler-Verträge

Stand: 15.05.2009 17:39 Uhr

Der Autobauer General Motors hat 1100 von 6000 US-Händlern die Verträge gekündigt, wie eine Sprecherin CNN sagte. Ein erster Schritt - insgesamt soll das Vertragshändlernetz um 40 Prozent schrumpfen. Auch Verkaufshäuser der Marken Saab, Hummer und Saturn stehen auf der Streichliste. Doch der Konkurs scheint kaum noch abzuwenden.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

Archivbild: 15. Juli 2008 Hauptsitz von General Motors in Detroit
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General Motors kann die Insolvenz kaum noch abwenden.

Wenn nötig, werde man General Motors im Rahmen eines Insolvenzverfahrens neu aufbauen, lautete  noch zum Monatsbeginn die vorsichtige  Formulierung von GM-Boss Fritz Henderson. Doch von Tag zu Tag lässt der von Obama eingesetzte Chef der Opel-Mutter immer weniger  Zweifel daran, dass die Insolvenz für GM die einzige Alternative zum völligen Verschwinden vom Markt ist. 

Jawohl, der Konkurs sei wahrscheinlicher geworden sagte Henderson den Mitarbeitern in Detroit per Videoschalte. Gegenüber der amerikanischen Wirtschaftsagentur Bloomberg äußerte sich der GM-Boss bereits zuversichtlich, das Konkursverfahren schnell durchziehen zu können. Schließlich entscheide die Geschwindigkeit über den Erfolg, fügte Henderson hinzu. Alles deutet daraufhin, dass die Würfel bei GM und im "Autoteam" der Obama-Regierung gefallen sind. Nichts spricht mehr dafür, dass es bis zum ersten Juni, dem vom US-Präsidenten gesetzten Stichtag, ein rettendes Sanierungskonzept steht. 

Insolvenz-Lawine verhindern

Es ist eine äußerst quälende Phase für die Händler, Zulieferer und alle Mitarbeiter, sagt der GM-Chef. Nach Informationen des Radiosenders NPR werden die ersten 1000 GM-Händler noch in dieser Woche ihr Kündigungsschreiben erhalten. Um nicht die Zulieferer mit in den Konkursstrudel zu ziehen, begleicht General Motors auf Druck der US-Regierung  bereits jetzt möglichst viele Lieferanten-Rechnungen, die eigentlich erst im Juni fällig werden. Obama will damit verhindern, dass nach einem GM-Konkurs in Amerika überhaupt  keine Autos mehr gefertigt werden können, weil alle Zulieferer ebenfalls die Insolvenz anmelden mussten.

GM-Chef Henderson
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GM-Chef Henderson hat bezogen auf den Konzern keine große Wahl mehr.

Wie ein Uhrwerk werde der Konzern zur Zeit auseinander genommen und dann wieder zusammengesetzt, behauptet der GM-Boss. Tatsache ist: die GM-Uhr ist längst abgelaufen. Insgesamt zehn Milliarden Dollar hat die Opel-Mutter allein im ersten Quartal 2009 verbrannt. Der Aktienkurs fiel auf den tiefsten Stand seit 1933. Mehrere Top-Manager haben sich nach Angaben der US-Börsenaufsicht ihrer GM-Aktienbestände von insgesamt 200.000 Stück entledigt, weil die im Insolvenzfall wertlos werden.

Spekulanten setzen auf die Pleite

Die Regierung solle die Krise als Chance begreifen und General Motors als kleinere, schlagkräftigere Firma jetzt ein für allemal neu aufbauen, lautet der Appell von Henderson an die Adresse Washingtons. Doch es gibt bisher nur eine Gruppe, die in einer Insolvenz ihre große Chance wittert.

Es sind die Spekulanten unter den bisherigen Geldgebern, die milliardenschwere Versicherungen für den Fall einer Insolvenz von General Motors abgeschlossen haben. Sie kassieren im Falle einer Pleite. Ein Sanierungskonzept hingegen würde ihnen nur Opfer abverlangen und damit Geld kosten. Das Wort Bankrott aus dem Mund des GM-Bosses können einige der GM-Geldgeber deshalb gar nicht oft genug hören.

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