Kursfeuerwerk an der Nasdaq Technotag an den Börsen

Stand: 09.03.2021 22:16 Uhr

Sinkende Anleiherenditen und Konjunkturoptimismus haben heute weltweit den Börsen Auftrieb gegeben. DAX und Dow Jones stiegen auf neue Rekordhochs. Besonders US-Tech-Aktien waren gefragt.

An der technologielastigen Nasdaq in New York gab es ein regelrechtes Kursfeuerwerk. Der Index sprang um über vier Prozent nach oben. Vor allem Tesla stach mit einem Kursplus von fast 20 Prozent hervor. Die Titel von Apple gewannen gut vier Prozent. Tech-Aktien hatten in den letzten Wochen deutlich nachgegeben, da sich Anleger um steigende Anleiherenditen gesorgt hatten. Diese bedeuten höhere Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen, was vor allem dem Tech-Sektor zusetzt.

Inflations- und Zinsangst nimmt ab

Nun schwindet die Furcht vor Inflation und steigenden Renditen zunehmend. Die richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen rentierten am Dienstag mit 1,523 Prozent etwas niedriger. Die Rendite ihrer deutschen Pendants fiel um vier Basispunkte auf minus 0,322 Prozent.

Dow Jones verliert an Schwung

Zuletzt hatte es eine Umschichtung von Tech- in Standardwerte gegeben. Davon profitierte der Dow Jones. Der US-Leitindex setzte am Dienstag seine Rekordjagd fort und kletterte mit 32.150 Punkten auf ein neues Rekordhoch. Gegen Handelsschluss ließ dann der schwung nach. Das Kursplus schrumpfte auf 0,1 Prozent. Besser schlug sich der breiter gefasste S&P 500. Er zog um rund 1,4 Prozent an und näherte sich seiner alten Bestmarke.

Warten auf das Billionen-Konjunkturpaket

Die Aussicht auf milliardenschwere US-Konjunkturhilfen trieb die Kurse zusätzlich an. Im US-Kongress wird nach Angaben der Demokraten voraussichtlich am Mittwoch endgültig über das 1,9 Billionen Dollar schwere Konjunkturpaket von Präsident Joe Biden abgestimmt. Auch die Impfstoff-Fortschritte stützten das Geschehen an den Märkten, hieß es aus dem Handel.

"Die Sorgen um steigende Zinsen sind für den Moment aus dem Markt - auch weil die Hoffnung besteht, dass das neue Konjunkturpaket in den USA bereits durch die Anleiheverkäufe im Dezember finanziert sein könnte", glaubt Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. "Damit könnte das Angebot an US-Staatsanleihen in den nächsten Wochen deutlich abebben, was die Zinsen wieder nach unten drücken dürfte."

DAX im Rekordfieber

Nach dem fulminanten Wochenstart mit einem Plus von 3,3 Prozent stieg der DAX heute weiter. Er schloss um 0,4 Prozent höher und erreichte zeitweise mit 14.458 Punkten eine neue historische Bestmarke. "Die Anleger haben ihre Zurückhaltung aufgegeben. Gestern war der wochenlange Knoten in den späten Handelsstunden plötzlich geplatzt", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Die Corona-Krise, die noch längst nicht ausgestanden ist, scheinen die Anleger immer mehr zu verdrängen. Sie setzen auf den kräftigen Wirtschaftsaufschwung, der nach der Pandemie kommt.

Bitcoin auf Rekordkurs

Auch am Kryptomarkt ging es kräftig nach oben. Der Bitcoin bewegt sich wieder in Richtung seines Rekordhochs bei über 58.000 US-Dollar. Die bekannteste Kryptowährung wurde zeitweise bei 54.500 Dollar gehandelt und damit zum höchsten Kurs seit zwei Wochen. Im Vergleich zum Montag stieg der Kurs um mehr als vier Prozent.

Marktanalyst Timo Emden von Emden Research verwies einmal mehr auf das Interesse von institutionellen Anlegern. Hier sieht er weiter einen wesentlichen Treiber für den Bitcoin. "Während Privatanleger das Geschehen derzeit lieber von der Seitenlinie aus betrachten, machen große Adressen abermals die Musik", erklärte er.

Exportdaten stützen den Euro

Der Euro hat sich am Dienstag etwas von seinen jüngsten Verlusten erholt und ist über 1,19 US-Dollar gestiegen. In der vergangenen Nacht war der Euro zeitweise bis auf 1,1836 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit November. Etwas gestützt wurde heute der Euro auch von robusten Exportdaten aus Deutschland. Die deutschen Exporteure haben durch einen Aufschwung bei wichtigen Handelspartnern wie beispielsweise China einen unerwartet guten Start ins Jahr erwischt. Ihre Ausfuhren wuchsen im Januar bereits den neunten Monat in Folge, und zwar um 1,4 Prozent zum Dezember. Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank sprach von einer "äußerst positiven Überraschung".

Krisengewinner gewinnen wieder

Anders als noch zuletzt wurden nun auch die jüngst ins Stocken geratenen Corona-Gewinneraktien wieder zur Stütze - zusätzlich zu den zyklischen Werten, die jüngst wegen der erwarteten Konjunkturerholung das Zugpferd waren. Zu den stärksten Werten gehörten Aktien des Lieferdienstes Delivery Hero und des Kochboxen-Versenders Hellofresh. Sie machten einen Teil ihrer Verluste im Zuge der jüngsten Korrektur bei Technologiewerten wieder wett.

Deutsche Post ist optimistisch

Die Aktien der Deutschen Post gehörten mit einem Plus von drei Prozent zu den Top-Gewinnern im DAX. Der Post-Konzern rechnet auch im laufenden Jahr mit einem wachsenden Online-Handel und damit weiter steigenden Paketmengen. 2021 erwartet das Management demnach ein operatives Ergebnis von mehr als 5,6 Milliarden Euro. Im Januar lagen die Analystenschätzungen mit mehr als 5,4 Milliarden noch etwas tiefer. Die Corona-Krise und der damit verbundene Boom bei Online-Bestellungen haben dem Konzern im abgelaufenen Jahr auch einen höheren Gewinn beschert. Unter dem Strich blieb 2020 ein Ergebnis von knapp drei Milliarden Euro nach 2,6 Milliarden im Vorjahr.

Rückschlag für Deutsche Telekom

Der US-Konzern IBM soll offenbar den digitalen Impfpass in Deutschland erstellen. Dies geht aus der Online-Ausgabe des Amtsblatts der Europäischen Union am Montag hervor. Der Abschluss des Vertrags erfolge erst nach Ablauf von zehn Kalendertagen. IBM wollte keine Stellung nehmen. Um die Erstellung des Impfpasses, dem ein hoher Stellenwert bei der Wiederbelebung des Reiseverkehrs beigemessen wird, hatte sich auch die Deutsche Telekom bemüht, die nun offenbar leer ausgeht. Der Konzern, der zusammen mit SAP bereits die Corona-Warn-App umgesetzt hat, wollte ebenfalls keine Stellung nehmen.

Conti hofft auf 2021

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental geht im laufenden Jahr von einer teilweisen Erholung aus. Beim Umsatz erwartet der Konzern ein Wachstum auf rund 40,5 bis 42,5 Milliarden Euro nach gut 37,7 Milliarden im Vorjahr. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge soll von 3,5 Prozent auf etwa fünf bis sechs Prozent zulegen.

Fuchs Petrolub enttäuscht

Im MDax enttäuschte Fuchs Petrolub mit einem trüben Ausblick. Die Aktien sackten um über fünf Prozent ab. Der Schmierstoffhersteller geht beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) davon aus, den Vorjahreswert von 313 Millionen Euro zu halten. Für den Umsatz peilt Fuchs Petrolub einen Zuwachs auf knapp 2,6 Milliarden Euro an. Im vergangenen Jahr war der Umsatz um acht Prozent auf 2,4 Milliarden geschrumpft. Unter dem Strich blieb 2020 ein Gewinn von 221 Millionen Euro.

Siltronic-Übernahme rückt näher

Der Halbleiterzulieferer Siltronic rechnet im laufenden Jahr wegen der hohen Nachfrage nach Wafern wieder mit einem steigenden Umsatz. Dank eingeleiteter Sparmaßnahmen geht Siltronic zudem von einer steigenden operativen Marge und damit einem deutlichen Anstieg beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus. Die endgültigen Jahresresultate waren aber heute Nebensache. Denn die Übernahme durch den taiwanesischen Konzern Globalwafers scheint nun so gut wie besiegelt. Aus Österreich, Deutschland und den USA gab es grünes Licht für den Kauf.

Symrise hebt wieder die Dividende an

Die Aktien von Symrise berappelten sich nach anfänglichen deutlichen Verlusten und schlossen nur knapp im Minus. Der Aromen- und Duftstoffhersteller hofft auf eine anhaltende Nachfrage und will 2021 aus eigener Kraft mehr erlösen. Die Umsätze sollen organisch um fünf bis sieben Prozent zulegen, kündigte das Unternehmen an. Die Marge des bereinigten Ergebnisses wird dabei aber wohl stagnieren bei rund 21 Prozent. Die Dividende soll zum elften Mal in Folge erhöht werden - um zwei Cents auf 0,97 Euro je Aktie.

Home24 empfohlen

Spitzenreiter im SDAX waren die Aktien von Home24 mit eine Plus von 14 Prozent. Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für den Wert von 26 auf 32 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Der Online-Möbelhändler habe das Jahr 2020 stark abgeschlossen, schrieb Analystin Catharina Claes in einer aktuellen Studie. Home24 sei gut positioniert, um das Umsatzwachstum künftig zu beschleunigen.

Ist bei K+S doch alles in Ordnung?

Die Aktien von K+S schlossen leicht über der 10-Euro-Marke und erreichten ihr höchstes Niveau seit Anfang Januar. Angesichts einer laufenden, von der BaFin initiierten Prüfung wirkte es beruhigend, dass der Düngemittelkonzern von seinem Wirtschaftsprüfer Deloitte ein Testat des Jahresabschlusses 2020 erhielt. "Der testierte Konzernabschluss bestätigt, dass die Wertminderung nicht früher hätte erfasst werden müssen", erklärte K+S.

Die Wertberichtigungen auf Vermögenswerte betragen laut dem geprüften Konzernabschluss nun 1,86 Milliarden Euro statt rund zwei Milliarden Euro. Das brockte K+S 2020 einen Verlust nach Steuern von rund 1,8 Milliarden ein. Die BaFin hatte eine Prüfung der Bilanzen von K+S angeordnet, da sie konkrete Anhaltspunkte dafür sah, dass der Konzern Vermögenswerte zu hoch bemessen haben könnte und der Wertminderungsbedarf ganz oder teilweise bereits zu einem früheren Zeitpunkt hätte erfasst werden müssen.

S&T gut gestartet

Der österreichische IT-Dienstleister S&T ist mit einem deutlichen Plus bei neuen Aufträgen in das Jahr gestartet. Es werde davon ausgegangen, dass die Neuaufträge den Umsatz im ersten Geschäftsquartal um etwa ein Fünftel wachsen lassen, teilte das Linzer Unternehmen mit. Wegen der aktuellen Knappheit bei Mikrochips könne es allerdings zu geringfügigen Umsatzverschiebungen auf die nächsten Quartale kommen.

Disney+ hat schon über 100 Millionen Abonnenten

Der Streamingservice des US-Unterhaltungsriesen Walt Disney hat die Marke von 100 Millionen zahlenden Abonnenten überschritten. Vorstandschef Bob Chapek sprach beim virtuellen Aktionärstreffen am Dienstag von einem "enormen Erfolg" - Disney+ habe diesen Meilenstein in nur rund 16 Monaten erreicht. Der Online-Videodienst war im November 2019 in den USA an den Start gegangen und ist inzwischen in 59 Ländern empfänglich. Trotz des beeindruckenden Wachstums bleibt der Abstand auf den Marktführer Netflix groß. Die Disney-Aktie reagierte im US-Börsenhandel verhalten und notierte im Minus. Bislang wirft Disneys Streaming-Geschäft keinerlei Gewinne ab.

Boeing erholt sich von der Krise

Bei Boeing laufen die Geschäfte nach der Wiederzulassung des Unglücksjets 737 Max wieder deutlich besser. Erstmals seit über einem Jahr konnte der US-Flugzeugbauer im Februar eine positive Auftragsbilanz vorweisen. Laut der am Dienstag veröffentlichten Statistik holte Boeing 82 neue Bestellungen rein. Zwar litt der Flugzeugbauer unter mehreren Stornierungen, doch unterm Strich ergab sich ein Plus von 31 Verkehrsflugzeugen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. März 2021 um 17:00 Uhr.

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