Börse Frankfurt

DAX zum Wochenstart Anleger tasten sich vor

Stand: 18.01.2021 21:54 Uhr

Nach dem Rücksetzer vom Freitag ging es zum Wochenstart mit dem DAX wieder etwas bergauf. Eine klare Richtungsentscheidung war es heute aber nicht, Bullen und Bären belauern sich weiter.

Wie immer, wenn die Weltleitbörse in New York geschlossen bleibt, geht es auf dem heimischen Parkett ruhig zu. Der DAX legte bei insgesamt überschaubaren Schwankungen nach zunächst schwächerem Start am Ende 0,4 Prozent zu und schloss bei 13.848 Punkten. Nach dem Kursrutsch am Freitag hat sich der deutsche Leitindex damit wieder etwas aufgerappelt. Dabei mussten die Anleger heute zwischen anhaltenden Corona-Sorgen und der Aussicht auf bessere Zeiten nach der Krise abwägen.

Wegen des "Martin Luther King Day" bleiben die Börsen in New York geschlossen. Der Leitindex Dow Jones hatte am Freitag rund ein halbes Prozent verloren und war bei 30.814 Punkten aus dem Handel gegangen.

Tagessieger waren Adidas, die über vier Prozent zulegten. Mit Covestro war ein weiterer Zykliker bei den Anlegern begehrt, ebenso wie Infineon. Analyst Alexander Duval von Goldman Sachs stufte die Anteile des deutschen Chipherstellers von "Neutral" auf "Buy" hoch.

Sein von 27,50 auf 42,70 Euro angehobenes Kursziel begründete er mit optimistischeren Schätzungen, einem höheren Bewertungsmultiplikator sowie Fantasie für Übernahmeaktivitäten. Die Trends in einigen Schlüsselmärkten für die europäische Halbleiterindustrie seien sehr robust. Schlusslicht waren die Papiere der Fresenius-Dialysetochter FMC.

China-Daten lassen hoffen

Gute Konjunkturdaten kamen am Morgen auch aus China, wo die Volkswirtschaft trotz Corona-Krise um 2,3 Prozent gewachsen ist. "Alleine die Tatsache, dass das Bruttoinlandsprodukt nicht schrumpft, kann als Erfolg gewertet werden", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

"Läuft die chinesische Produktion auf Hochtouren, braucht es Maschinen, die etwa aus Deutschland kommen. Geht es Deutschland wiederum gut, schiebt dies auch die Konjunktur in der gesamten Eurozone an", so der Experte weiter. 2021 traut der dem Riesenreich ein Wachstum von acht Prozent zu.

Janet Yellen stützt den Dollar

Auch der Auftritt einer alten Bekannten wurde heute von der Börse positiv aufgenommen. Die designierte US-Finanzministerin Janet Yellen stellte vor dem Kongress klar, dass sie in der Währungspolitik auf den freien Markt setzt. Yellen war von 2014 bis 2019 Chefin der mächtigen Notenbank Federal Reserve. "Die Vereinigten Staaten streben nicht nach einer schwächeren Währung, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen", erklärte Yellen vor dem US-Parlament.

Der Dollar zog gegenüber dem Euro in der Spitze bis auf 1,2057 Dollar an, das ist der niedrigste Euro-Dollar-Wechselkurs seit Anfang Dezember. Aktuell kann der Greenback die Gewinne aber nicht verteidigen und notiert bei 1,2079 Dollar wieder kaum verändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2064 (Freitag: 1,2123) Dollar fest.

Gute Nachrichten für die Deutsche Wirtschaft

Im exportorientierten Deutschland hört man solche Töne gerne, kehrt doch mit der neuen Administration zumindest wieder mehr Verlässlichkeit in die transatlantischen Handelsbeziehungen zurück. Am Mittwoch wird der neue US-Präsident Joe Biden in Washington vereidigt. Der scheidende US-Präsident Trump hatte immer wieder die Fed wegen der seiner Meinung nach zu hohen Zinsen und des zu starken Dollars angegriffen und damit viel Porzellan zerschlagen.

Verschärfter Lockdown droht

Einer stärkeren Erholung steht derzeit aber die Corona-Lage gegenüber, wo angesichts weiter hoher Zahlen eine weitere Verschärfung der Maßnahmen durch die Politik befürchtet wird. Bund und Länder wollen an diesem Dienstag über die Lage in Deutschland beraten. Ökonomen fürchten, ein solcher verschärfter Lockdown könnte die deutsche Konjunktur erneut in die Knie zwingen.

Vor allem angesichts der Sorge vor hochansteckenden Virus-Mutationen plädierten Gesundheitsminister Jens Spahn, Vizekanzler Olaf Scholz und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff für neue Beschlüsse bei dem morgigen Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten. Scholz sprach von einer möglichen Verlängerung der Corona-Auflagen von zwei Wochen, Spahn von einem Zeitraum von zwei bis vier Wochen. Nach Spahns Angaben sind dabei Ausgangssperren, mehr Druck auf Homeoffice sowie eine generelle FFP2-Maskenpflicht etwa im öffentlichen Nahverkehr im Gespräch.

6600 Menschen erhalten zweite Impfdosis gegen Covid

Unklar war heute die Entwicklung der Infektionszahlen. Das RKI wies nur 7141 Fälle aus, das wären deutlich weniger als bisher. Allerdings gab es Unklarheiten über die Meldungen aus Rheinland-Pfalz und Bayern. Mit Nachmeldungen stiegen die Zahlen auf knapp 8800, die niedrigsten Montagszahlen seit Ende Oktober.

Wie das RKI ebenfalls erklärte, haben rund drei Wochen nach dem Covid-19-Impfstart in Deutschland haben mindestens 6581 Menschen die nötige zweite Dosis erhalten. Die erste Dosis haben demnach bislang insgesamt rund 1,1 Millionen Menschen gespritzt bekommen.

Autoindustrie warnt vor Produktions-Lockdown

Die deutsche Autoindustrie warnt derweil vor einem Fertigungsstopp im Kampf gegen hohe Corona-Infektionszahlen. "Bei Autozulieferern und Herstellern gibt es bisher keine Infektionsherde und höchste und umfassende hohe Hygienestandards", sagte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, dem "Handelsblatt". Stünde die Automobilfertigung in Deutschland still, würden Produktions- und Lieferketten nicht nur in Europa, sondern sogar weltweit unterbrochen.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise haben am Montag an die negative Entwicklung vom Freitag angeknüpft. Bis zuletzt hielten sich die Kursbewegungen aber in engen Grenzen. Die Ölpreise werden nach Einschätzung von Marktbeobachtern weiter durch eine Dollar-Stärke belastet. Gewinnt die amerikanische Währung am Devisenmarkt an Wert, macht das Rohöl für Anleger außerhalb des Dollarraums teurer und bremst somit die Nachfrage. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank verwies außerdem auf Maßnahmen führender Industriestaaten gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie, die für eine schwächere Nachfrage sorgten. Der Preis für die Feinunze Gold zog hingegen um über ein Prozent an auf 1836 Dollar.

Bayer will bei Impfstoffproduktion helfen

Der DAX-Konzern Bayer hat verstärkte Bemühungen bei der Impfstoffproduktion angekündigt. "Wir sind bereit, dafür alle Hebel in Bewegung zu setzen", sagte Konzernchef Werner Baumann der "Welt am Sonntag". Bayer prüfe "intensiv", ob die vereinbarte Kooperation mit dem Tübinger Biotechunternehmen CureVac bei Entwicklung und Bereitstellung eines Impfstoffes auf die Produktion ausgeweitet werden könne.

Audi hält Mehrheit beim China-Joint-Venture

Audi hat erstmals in China die Führung in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner. Die Ingolstädter VW-Tochter werde zusammen mit dem Mutterkonzern 60 Prozent der Anteile an dem Joint Venture zur lokalen Produktion von vollelektrischen Audi-Modellen halten, teilte Audi am Montag mit. 55 Prozent der Anteile entfielen auf die Audi AG und fünf Prozent auf den Volkswagen Group China, erläuterte eine Sprecherin. Seinen Sitz werde die neue Firma in Changchun haben, dem Firmensitz von FAW. Von 2024 an sollen in der Volksrepublik verschiedene Audi-Modelle vom Band rollen.

Im vergangenen Jahr hat die Volkswagen-Tochter rund 727.000 Autos auf dem weltgrößten Automarkt verkauft. Audi produziert seine Autos in dem Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen, in dem die Chinesen mit 60 Prozent die Mehrheit haben.

Frankfurter Flughafen auf Niveau von 1984

Der Einbruch des Flugverkehrs durch die Corona-Pandemie hat den Frankfurter Flughafen 2020 im Passagiergeschäft auf das Niveau des Jahres 1984 zurückgeworfen. Das Passagieraufkommen habe mit knapp 18,8 Millionen Fluggästen 73,4 Prozent niedriger gelegen als im Rekordjahr 2019, teilte der Flughafenbetreiber Fraport mit. Auch im neuen Jahr dürfte das Fluggastaufkommen nur 35 bis 45 Prozent des Rekordjahres 2019 erreichen, schätzt Fraport-Chef Stefan Schulte.

Bringt Thyssenkrupp die Stahlsparte an die Börse?

Das Thyssenkrupp-Papier war am Montag größter Gewinner im MDAX. Am Nachmittag berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass Thyssenkrupp statt eines Verkaufs der Stahlsparte an den britischen Konkurrenten Liberty Steel einen Börsengang dieses Geschäftes erwäge. Hintergrund der Überlegungen ist dem Bericht zufolge, dass einige Großaktionäre und Gewerkschaftsvertreter Bedenken gegen einen Verkauf an Liberty Steel geäußert hätten.

An diesem Montag hatte bereits eine Hochstufung der Thyssenkrupp-Aktie von "Neutral" auf "Outperform" durch die französische Bank Exane BNP Paribas den Kurs angeschoben. Die Franzosen hatten zudem das Kursziel von 5,60 auf 11,70 Euro mehr als verdoppelt. Auch Analyst Bastian Synagowitz von der Deutschen Bank hob sein Kursziel von 8 auf 13 Euro deutlich an. Die europäische Stahlindustrie dürfte ein solides viertes Quartal hinter sich haben und ein starkes erstes Jahresviertel vor sich, schrieb der Deutsche-Bank- Experte. Ebenfalls positiv zu Thyssenkrupp äußerte sich die Bank of America in einer Branchenstudie.

Aareal Bank in den roten Zahlen

2020 war auch für die im MDAX notierte Aareal Bank ein Jahr zum Abhaken. Die auf Finanzierungen von Hotels und Büros spezialisierte Bank hat im vergangenen Jahr vorläufigen Zahlen zufolge einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe erlitten. Zur Begründung verwies das Institut auf eine höhere Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle.

Stellantis startet an der Börse

Heute werden erstmals die Aktien der neuen Unternehmensgruppe Stellantis an den Börsen in Mailand und Paris gehandelt. Wegen eines Feiertags in den USA steht der Handelsstart an der New Yorker Börse erst am Dienstag an. Hinter Stellantis verbergen sich die fusionierten Autokonzerne Fiat Chrysler und PSA. Gemessen an den Absatzzahlen des zusammengeschlossenen Konzerns ist Stellantis der weltweit viertgrößte Autobauer nach VW, Toyota und General Motors.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Januar 2021 um 07:35 Uhr.

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