Coinbase vor Börsengang Wie sicher sind Kryptobörsen?

Stand: 13.04.2021 10:40 Uhr

Die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen geht an die Börse - was als Meilenstein für die Branche gilt. Weltweit gibt es rund 200 solcher Angebote. Bei manchen raten Experten zu Vorsicht.

Von Till Bücker, tagesschau.de

Am Mittwoch wagt die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen den Gang aufs Börsenparkett. Befürworter von Bitcoin und Co. sehen darin einen weiteren Schritt in Richtung einer breiteren Akzeptanz der Digitalwährungen als Anlageklasse. Nach eigenen Angaben sollen 114,9 Millionen Aktien unter dem Kürzel "COIN" über eine Direktplatzierung ohne Begleitung durch Investmentbanken und Preisbildungsverfahren an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gelistet werden.

Damit ist Coinbase das erste Krypto-Unternehmen, das an einer großen amerikanischen Börse notiert sein wird. Experten bezeichnen das Börsendebüt auch als wegweisendes Ereignis für die Regulierung der digitalen Währungen.

43 Millionen Nutzer

Der Konzern aus San Francisco wurde von Investoren zuletzt auf knapp 68 Milliarden Dollar taxiert. Laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" könnte Coinbase bei der Transaktion eine Gesamtbewertung von mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen - und damit zu einem der größten Börsengänge der vergangenen Jahre werden. Im Oktober 2018 war die Firma bei einer Finanzierungsrunde noch mit lediglich acht Milliarden Dollar bewertet worden.

2012 hatten Coinbase-Chef Brian Armstrong und Fred Ersham, der als Direktor mittlerweile nicht mehr operativ tätig ist, die Plattform gegründet, um einen einfachen und fairen Handel mit Kryptowährungen zu ermöglichen - offenbar mit Erfolg. Rund 43 Millionen Anleger in über 100 Ländern nutzen nach Unternehmensangaben Coinbase, um zu investieren. 2,8 Millionen mindestens einmal im Monat.

Coinbase-Chef Brian Armstrong
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Brian Armstrong ist Chef und Gründer von Coinbase.

Zumindest Coinbase profitiert von den Transaktionen: Für 2020 meldete das Unternehmen Einnahmen von etwa 1,3 Milliarden Dollar, was mehr als das Doppelte des Vorjahres war. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 322 Millionen Dollar. 2019 hatte Coinbase noch ein Minus von 30 Millionen erwirtschaftet.

Der Höhenflug ist eng verbunden mit dem Hype um Kryptowährungen. Vor allem Bitcoin und Ether kennen seit Herbst mit kleineren Ausnahmen nur eine Richtung: nach oben. Jüngst erreichten beide Währungen ein neues Rekordhoch. Ende September hatte ein Bitcoin noch 10.000 Dollar gekostet. Heute müssen Anleger für die älteste und größte Cyber-Devise mehr als 60.000 Dollar zahlen.

Wie funktioniert der Handel über Kryptobörsen?

Wer Kryptowährungen - zum Beispiel Anteile von Bitcoin - handeln will, hat mehrere Möglichkeiten. Normalerweise gibt es anders als am Aktienmarkt keinen Mittelsmann wie eine Bank oder einen Broker. Kaufen und verkaufen können Anleger daher vor allem über Kryptobörsen. Dazu gehören neben Coinbase auch beispielsweise die Börse Stuttgart mit ihrer App BISON und der BSDEX (Börse Stuttgart Digital Exchange) sowie FTX, Binance, Bitstamp, Bitso oder Kraken, die ebenfalls im kommenden Jahr einen Börsengang planen.

An den Kryptobörsen richten sich Anleger ein Konto ein und können mit relativ geringen Transaktionskosten handeln, ihre Coins verwahren und in traditionelle Währungen umtauschen. Bei traditionellen Börsen sind dagegen stets Broker zwischengeschaltet, die die Transaktionen abwickeln. Was mit Blick auf die Transparenz ein Vorteil ist, ist andererseits auch ein Risiko.

"Es kann vorkommen, dass Börsen Hackerangriffen ausgeliefert sind und das Geld verschwindet", so Leon Berghoff vom Krypto-Handelsunternehmen Sixtant. Einem Bericht des Serverdienstleisters "Atlas VPN" zufolge gab es allein 2020 mehr als 120 Hackerangriffe in Bezug auf Kryptowährungen. Auch fehlende staatliche Regulierung könnte zum Problem werden.

Anleger sollten genau hinschauen

"Weltweit gibt es inzwischen über 200 Kryptobörsen. Manche davon sind gut gemacht, andere aber auch nicht", sagt Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, im Gespräch mit tagesschau.de. Den besten Schutz gegen einen Totalverlust der Investition biete eine Regulierung hierzulande. So hätten etwa Coinbase, die Börse Stuttgart, bitcoin.de oder auch die Berliner Krypto-Bank Bitwala eine Zulassung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt.

Prof. Philipp Sandner
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Experte Sandner rät dazu, auf Lizenzen zu achten.

"Diese vier Firmen sollten die Lizenzen ziemlich sicher bekommen. Bei allen anderen sollten Anleger die Finger von lassen, wenn sie sich nicht ganz sicher sind", so Sandner. Viele ausländische Börsen hätten sich nicht um eine BaFin-Lizenz bemüht und umgingen eine Regulierung aufgrund hoher Kosten absichtlich.

Sicherheit durch einen guten Ruf

Zudem sei auch ein gewisser Ruf hilfreich. "Wenn eine Firma erst einmal eine hohe Reputation aufgebaut hat wie die Börse Stuttgart, so wird sie alles tun, um diese nicht zu beschädigen", meint Sandner. Das sei noch ein zusätzlicher Schutzmechanismus.

Auch bei Coinbase trage die Reputation zum Erfolg bei. Der Konzern habe die Regeln stets eingehalten und dürfe daher sogar Werbung machen. Zudem seien Hacker bisher nie durchgekommen. "Man kann das ein wenig vergleichen mit Airlines. Sobald mal ein Flugzeug Probleme hatte, will das ganze Land auf einmal nicht mehr damit fliegen - und umgekehrt", so der Krypto-Experte.

Bei unbekannten und nicht etablierten Kryptobörsen sollten die Investoren erst einmal vorsichtig sein. Zwar hätten sich die IT-Maßnahmen bei vielen Plattformen mittlerweile professionalisiert. Generell könne Cyberkriminalität aber nie ausgeschlossen werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. April 2021 um 09:38 Uhr.

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