Studie zur Finanzbranche Dublin ist der große Brexit-Profiteur

Stand: 16.04.2021 15:15 Uhr

Wegen des Brexit haben bisher Hunderte Banken und Finanzdienstleister ihren Sitz von London in die EU verlagert. Am stärksten profitiert laut einer neuen Studie nicht Frankfurt, sondern Dublin.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Betrachtet man die Zahl der Firmen aus der Finanzbranche, die von London in ein anderes EU-Land umgesiedelt sind, hat die irische Hauptstadt Dublin die Nase vorn. 135 Unternehmen hätten dorthin ihre Zentralen verlagert. Das geht aus einer Studie der Denkfabrik New Financial hervor.

Mehr Firmen gingen nach Paris und Luxemburg als nach Frankfurt

Zweitgrößter Brexit-Profiteur war Paris. 102 britische Finanzdienstleister wanderten in die französische Hauptstadt ab. 95 Firmen gingen nach Luxemburg. Den Umzug von London nach Frankfurt wagten lediglich 63 Firmen, darunter Nomura, die UBS, die Standard Chartered und Teile von mehreren US-Großbanken.

Insgesamt verlagerten laut der Studie von New Financial mehr als 400 Finanzfirmen - also Banken, Versicherer, Vermögensverwalter und andere Finanzdienstleister - ihre Geschäfte aus der britischen Hauptstadt in EU-Staaten. Die Autoren der Untersuchung rechnen damit, dass die eigentliche Zahl noch höher liegt und dass künftig noch mehr britische Finanzdienstleister ihre Aktivitäten verlagern. "Wir stehen erst am Ende des Brexit-Beginns", heißt es vollmundig in der Studie.

Frankfurt profitiert langfristig am stärksten

Langfristig sei aber Frankfurt am Main doch der große Gewinner - und zwar in Bezug auf die Umschichtung von Vermögenswerten (Assets), meinen die Autoren der Studie. Der Untersuchung zufolge wurden bisher Vermögensverwerte von mehr als einer Billion Pfund (1,15 Billionen Euro) von London in die EU transferiert.

Bei der Zahl der neu entstandenen Jobs dürfte laut New Financial Paris die Nase vorn haben. Bisher seien konservativ geschätzt gut 7400 Jobs von London in die EU verlagert worden, mutmaßen die Autoren der Studie. Diese Zahl werde noch weiter steigen, prophezeien sie.

3500 bis 10.000 neue Jobs?

In anderen Untersuchungen in der Vergangenheit kam der Finanzplatz Frankfurt besser weg. So sieht beispielsweise die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) Frankfurt als größten Brexit-Profiteur. Bis Ende 2022 würden knapp 1500 neue Arbeitsplätze in der Main-Metropole entstehen, prophezeite die Helaba. Insgesamt würde der Brexit in Frankfurt für 3500 zusätzliche Stellen sorgen. Hubertus Väth von der Standort-Initiative Frankfurt Main Finance rechnet gar langfristig mit 10.000 neuen Jobs, die dank des Brexit in am Finanzplatz Frankfurt geschaffen würden.

Nach Angaben der BaFin wurden bislang fast 60 Lizenzen für Geldinstitute und Versicherungskonzerne vergeben, die ihren Hauptsitz von London nach Frankfurt verlegten. "Das sind mehr als viele geglaubt hätten", meint Lobbyvertreter Väth, von Frankfurt Main Finance. So haben die US-Großbanken wie JPMorgan und Morgan Stanley, die britische Großbank Standard Chartered und der japanische Finanzgigant Mizuho die deutsche Finanzmetropole für ihre europäische Zentrale auserwählt.

In einer ersten Umzugswelle kamen vor allem Händler und Vertriebsexperten von Banken von London in die EU. In einer zweiten Welle dürften nun die Investmentbanker folgen. Frankfurt gilt wegen seiner im Vergleich zu Paris oder Luxemburg relativ erschwinglichen Mieten und seines grünen Umlands als attraktiver Standort.

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