Wirtschaft auf Erholungskurs Spitzenlaune in Chinas Chefetagen

Stand: 07.12.2020 12:29 Uhr

Während in Europa die Wirtschaft praktisch wieder im Griff der Corona-Pandemie ist, bleibt die chinesische Konjunktur auf Erholungskurs. In den dortigen Chefetagen ist die Stimmung sogar so gut wie zuletzt vor zehn Jahren.

Wichtige Daten zur Stimmung in der Industrie und unter den Dienstleistern Chinas signalisieren eine fortgesetzte Erholung des Landes vom Corona-Wirtschaftseinbruch im Frühjahr. Die Stimmung in den Chefetagen chinesischer Unternehmen ist so gut wie seit fast zehn Jahren nicht mehr, jetzt wo China das Coronavirus weitgehend im Griff zu haben scheint. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Wirtschaftsmagazins "Caixin" für das herstellende Gewerbe stieg im Oktober überraschend auf 53,6 (September 53,0) Punkte.

Experten hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Das wichtige Konjunkturbarometer erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2011, wie das Blatt berichtete. Über 50 Punkte zeigt der Index eine Expansion der Industrie an, während darunter von einer Kontraktion auszugehen ist.

Exportaufträge wachsen

Das herstellende Gewerbe erholte sich im Oktober weiter, indem sich sowohl Nachfrage als auch Angebot verbesserten. "Unternehmen sind sehr geneigt, ihre Lager auszubauen", sagte Caixin-Ökonom Wang Zhe. "Die Preise sind stabil. Der Geschäftsbetrieb verbessert sich, und Unternehmer sind zuversichtlich."

Die neue Welle der Infektionen mit dem Virus in anderen Ländern lässt allerdings die Nachfrage aus dem Ausland nach Produkten "Made in China" wieder langsamer wachsen, auch wenn die neuen Exportaufträge im Oktober den dritten Monat in Folge weiter zulegten. "Die Drehungen und Wendungen bei den Infektionen im Ausland bleiben Gegenwind für die Ausfuhren", sagte Wang Zhe.

Sonntagsdaten bestätigt

Chinesische Arbeiter in einem Container-Werk
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Chinesische Arbeiter in einem Container-Werk

Bereits gestern war der staatliche Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor laut Regierungsdaten im Oktober zwar ein klein wenig auf 51,4 (September 51,5) Punkte gefallen. Damit signalisieren die Industriedaten ebenso wie das Stimmungsbarometer für Dienstleister, das im Oktober auf 56,2 (September 55,9) Punkte stieg, eine fortgesetzte Expansion. Beide Kennziffern fielen einen Tick besser aus als Volkswirte im Durchschnitt erwartet hatten.

"Goldene Woche" belastet

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie liegt nun schon den achten Monat in Folge über der Expansionsschwelle, obwohl die "Goldene Woche" im Oktober ein Stück weit auf der Produktion gelastet haben dürfte. Denn während dieser freien Tage zum Nationalfeiertag und Mondfest gehen einige Hundert Millionen Chinesen auf Reisen, was allerdings im Gegenzug den Tourismus ankurbelt.

Peking
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Guomao-District, Peking, China

Die staatlichen Einkaufsmanagerindikatoren erfassen vor allem die Stimmung in den großen und von der Regierung dominierten Konzernen. Im Gegensatz dazu spiegelt der vom Wirtschaftsmagazin Caixin ermittelte Index die Stimmung in den eher kleinen und privaten Unternehmen wider.

Aufschwung setzt sich fort   

In China war das Bruttoinlandsprodukt wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise im ersten Quartal stark eingebrochen, konnte sich dann aber rasch erholen. So konnte China als erste große Volkswirtschaft den Virus-bedingten Wachstumseinbruch wieder ausgebügeln.

Wie seit Mitte Oktober bekannt ist, war die zweitgrößte Volkswirtschaft im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent gewachsen. Damit hatte sich der Aufschwung des zweiten Jahresviertels fortgesetzt.

ts/dpa-AFX

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. November 2020 um 09:38 Uhr.

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