E-Auto an Ladestation

Compleo Mit Ladesäulen an die Börse

Stand: 21.10.2020 11:33 Uhr

Die Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist ein Knackpunkt für das Erreichen der Klimaziele. Für eine ausreichende Versorgung müssen Milliarden investiert werden. Der Ladesäulenanbieter Compleo will dabei sein und ist heute an die Börse gegangen.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Für die Geschäfte der Anbieter von Ladesäulen ist der Moment günstig, denn der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist ein entscheidender Faktor bei der Umsetzung der internationalen und nationalen Klimaziele. Unlängst hatte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gefordert, dass 55 Prozent CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 eingespart werden sollen. Bisher lautet das offizielle Ziel minus 40 Prozent.

Ursula von der Leyen
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Ursula von der Leyen hat große Ziele

Nach Angaben des Europäischen Parlaments ist der Verkehr für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich, von denen 72 Prozent auf den Straßenverkehr entfallen. Pkw wiederum sorgen für 60,7 Prozent der gesamten CO2-Emissionen des europäischen Straßenverkehrs.

Um die Autofahrer zum Umstieg auf ein Elektrofahrzeug zu bewegen, ist eine zuverlässige Versorgung mit Ladesäulen, die zudem leicht zu bedienen sind, unerlässlich. Ohne einen solchen Ausbau dürften auch die Autokonzerne Schwierigkeiten haben, ihre immer ambitionierteren Ziele für den Absatz von E-Autos zu erreichen.

Compleos Wachstumsstory

Hier möchte der Ladesäulenanbieter mitmischen: 49 Euro betrug der Ausgabepreis für eine Compleo-Aktie. Er lag damit am unteren Ende der ursprünglichen Preisspanne, die auf 44 bis 59 Euro lautete. Die Stimmung an den Finanzmärkten war zuletzt aufgrund der steigenden Corona-Infektionen eher zurückhaltend. Das drückt auch auf die Bereitschaft der Investoren, beim geplanten Börsengang größere Risiken einzugehen.

Der Börsenstart verlief denn auch in einem schwachen Gesamtmarkt holprig. Die Aktie eröffnete in Frankfurt mit 44 Euro und damit rund zehn Prozent unter dem Ausgabepreis. Danach zog die Notierung aber wieder etwas an.

Weitere Kursinformationen zu Compleo

Viele Compleo-Anteilscheine stammen aus dem Besitz der Altaktionäre, sodass dem Unternehmen lediglich brutto 44 Millionen Euro zufließen. Die Millionen sollen für die Erweiterung der Produktkapazitäten und in Forschung und Entwicklung gesteckt werden, wie das Management mitteilt. Der Börsenwert des Unternehmens lag zum Ausgabepreis bei 168 Millionen Euro.

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Compleo

Dabei soll es natürlich nicht bleiben – und dazu muss das Unternehmen wachsen. Bislang stimmt die Wachstumsstory: "Mit einem Umsatz von 14,3 Millionen Euro nach nur sechs Monaten, verglichen mit 15,2 Millionen für das gesamte Jahr 2019, haben wir bereits in diesem Jahr Wachstumspotenzial aufgezeigt", sagte Co-Chef und Finanzvorstand Georg Griesemann.

"Wir haben in den letzten 11 Jahren einen starken Kundenstamm aufgebaut, zu dem auch 'Blue-Chips' wie die Deutsche Post, Siemens, Telekom und führende deutsche Automobilhersteller gehören." Compleo habe mehr als 22.000 Ladepunkte in Deutschland und 3.000 in Europa ausgeliefert.

Es werden mehr Ladesäulen gebraucht

Öffentliche Ladepunkte für E-Autos
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Öffentliche Ladepunkte für E-Autos

Schätzungen zufolge finden rund 85 Prozent der Ladevorgänge im privaten Bereich statt. Aktuell gibt es in Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) dazu noch rund 28.000 öffentliche Ladepunkte. Das sei laut BDEW genügend Ladeinfrastruktur für rund eine halbe Million elektrisch betriebener Fahrzeuge.

Lange reichen wird das nicht. Das Center of Automotive Management (CAM) erhöhte jüngst die Absatz-Prognose für das Jahr 2020. Für den Elektrofahrzeugabsatz, also Elektrofahrzeuge und Plugin-Hybride, erwartet das CAM nun 300.000 Pkw-Neuzulassungen. Im Jahr 2019 waren es noch 108.600. Der Marktanteil werde laut CAM auf 10,7 Prozent steigen. Für eine Million E-Autos werden nach Berechnungen des BDEW 70.000 Normalladepunkte und 7.000 Schnellladepunkte benötigt.

Der Bundesverband eMobilität spricht von einem zusätzlichen Bedarf von insgesamt 400.000 Ladepunkten und hält zum Aufbau eines öffentlichen flächendeckenden Ladenetzes in den kommenden zehn Jahren Investitionen in Höhe von rund 9,3 Milliarden Euro für erforderlich. Um den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu fördern, stellt der Staat längst hohe Summen bereit. Beispielsweise sollen private Ladesäulen künftig mit jeweils 900 Euro unterstützt werden.

Der Wettbewerb wird hart

Dass hier ein lukratives Geschäft zu erwarten ist, hat selbstverständlich die gesamte Branche gemerkt. Derzeit werden mehr als 70 Prozent der bereits bestehenden Ladepunkte von den Energieunternehmen betrieben. Aber die Konkurrenz ist groß. Auch die Automobilbranche mischt mit. Mit Ionity haben sich die Autobauer VW, Daimler, Ford und BMW ein Gemeinschaftsunternehmen zugelegt, das ebenfalls Ladestationen bereitstellt.

ChargePoint
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ChargePoint

Und in den USA steht wohl noch in diesem Jahr der Börsengang des amerikanischen Ladestations-Betreibers ChargePoint bevor. Der Wert des Unternehmens wird auf 2,4 Milliarden Dollar geschätzt, zu den Anteilseignern gehören unter anderem der Ölkonzern Chevron, Siemens und wieder Daimler und BMW. Man kann sich also gut vorstellen, welche Marktmacht sich hinter ChargePoint versammelt.

Die meisten der 115.000 ChargePoint-Stationen liegen in Nordamerika. Mit den Einnahmen den Börsengangs, die rund eine halbe Milliarde Dollar betragen könnten, soll die weitere Expansion auch nach Europa finanziert werden. Compleo gehört also gewiss zu den kleineren Mitspielern in einem künftigen Milliardenmarkt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 16. Oktober 2020 um 18:05 Uhr.

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