Krisengewinner Baumärkte Heimwerken nach dem Homeoffice

Stand: 23.03.2021 10:24 Uhr

Je nach Bundesland durften Baumärkte als Grundversorger zuletzt oft öffnen oder "Click & Collect" anbieten. Weil Heimwerken im Lockdown beliebt ist, zählt die Branche zu den Gewinnern der Corona-Krise.

Von Iris Völlnagel, SWR

"Es gibt bei uns keinen Warenbereich, in dem die Nachfrage nicht gewachsen ist", sagt Florian Preuß, Pressesprecher der drittgrößten deutschen Baumarktkette Hornbach. Neue Kunden, neue Produkte und ein sattes Umsatzplus, so sein Fazit. "Man kann sagen: 'Do it yourself' liegt wieder im Trend, und zwar bei allen Generationen."

Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e.V. (BHB) geht von einem Umsatzplus der Branche für das vergangene Jahr aus. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Einer Untersuchung des Instituts für Handelsforschung zufolge könnte der Umsatz der Baumärkte 2020 bei 26,1 Milliarden Euro gelegen haben. Das entspräche einem Wachstum gegenüber 2019 von 14 Prozent.

Der Trend zeigt sich auch an der Hornbach-Bilanz: Bei der Kette mit europaweit 161 Märkten stiegen die Verkaufserlöse im abgelaufenen Geschäftsjahr um mehr als 15 Prozent. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern lag das Plus sogar bei gut 40 Prozent.

Investitionen in die eigenen vier Wände

Menschen stehen in einem Baumarkt in einer Warteschlange | Bildquelle: dpa
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Der Ansturm auf die Baumärkte war zeitweise enorm.

Branchenkenner nennen für das Umsatzplus zahlreiche Gründe. Wegen Corona-Maßnahmen mussten viele Menschen zu Hause bleiben. Statt Geld für Urlaub und Reisen auszugeben, investierten die Menschen in neue Anschaffungen und Renovierungsarbeiten in der eigenen Wohnung. Auch lange liegengebliebene Projekte im Haus oder Garten wurden angepackt.

Hinzu sei gekommen, dass Handwerker schwer zu bekommen seien, sagt BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst - vor allem, wenn es um kleinere Reparaturen gehe wie den Austausch von Wasserhähnen. Mehr und mehr Menschen legten deshalb selbst Hand an.

Verkaufsrenner Farben, Gartenspielgeräte und Pflanzen

Im Frühjahr seien zunächst Farben der Verkaufsschlager gewesen, berichtet Preuß, danach die Gartenfreizeitartikel. "Wir hatten bereits Anfang Mai alle Trampoline ausverkauft, etwas später auch viele Pools." Im Bereich der Farben und Lacke rechnet die Branche laut dem Institut für Handelsforschung mit einem Umsatzplus von 24 Prozent, im Bereich der Gartenausstattung mit einem Anstieg um 28 Prozent.  

Auch das Thema Selbstverpflegung schlage sich bei den Umsatzzahlen der Baumärkte nieder, so Wüst. Die Menschen wollten sich nicht nur zu Hause wohlfühlen, sondern im Garten oder auf dem Balkon ihr eigenes Obst und Gemüse anpflanzen. "Der Apfelbaum auf dem Balkon liegt im Trend", sagt Wüst mit einem Augenzwinkern.

Profiteure sind nicht nur Baumärkte

Dabei sind es nicht nur die Baumärkte, die von der Sehnsucht der Deutschen nach einem schöneren Zuhause profitieren. Auch Versandhändler wie Amazon oder Discounter wie Lidl und Aldi hätten den Markt der "Do-it-yourself"-Produkte für sich entdeckt, so Wüst. Insgesamt liege der Umsatz der Branche bei rund 44 bis 45 Milliarden Euro. Davon hätten die Discounter einen Anteil von elf Prozent.

Schon seit 2011 habe es bei Hornbach die Möglichkeit gegeben, im Internet Waren zu bestellen und sie vor Ort abzuholen, erklärt Unternehmenssprecher Preuß. Doch das sei längst nicht so genutzt worden wie in den vergangenen Monaten. Viele Kunden hätten"„Click & Collect" nun zum ersten Mal ausprobiert. "Wir gehen davon aus, dass die, die damit gute Erfahrungen gemacht haben, es auch nach Corona nutzen."

Dennoch würden die Menschen es vorziehen, in den Markt zu kommen, ist Preuß überzeugt und sagt: "Sie wollen den Bodenbelag fühlen, die Maschine einmal in der Hand haben, bevor sie sie kaufen."

Davon geht auch Eva Stüber vom Kölner Institut für Handelsforschung aus. Bei den Kunden der Baumärkte lasse sich seit Corona ein klarer Wandel feststellen: "Fachmarktlagen erfreuen sich größerer Beliebtheit, da sie mit dem eigenen Auto und ohne viel Kontakt zu anderen Menschen angefahren werden können. Vor Corona hatten die Händler in der Innenstadt noch eine bessere Ausgangssituation."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 23. März 2021 um 13:00 Uhr.

Korrespondentin

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Iris Völlnagel, SWR

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