Kampf um Tarifvertrag Osterstreik bei Amazon

Stand: 29.03.2021 11:30 Uhr

Vor Ostern hat die Gewerkschaft ver.di zum Streik an sechs deutschen Amazon-Standorten aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen begannen am Morgen und sollen den Druck im Ringen um einen Tarifvertrag erhöhen.

Beim Online-Versandhändler Amazon hat erneut ein mehrtägiger Streik begonnen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will mit dem Schritt an den Tagen vor Ostern den Druck im Streit über einen Tarifvertrag erhöhen.

Die viertägigen Arbeitskampfmaßnahmen begannen mit der Nachtschicht von Sonntag auf Montag und betreffen sechs Versandzentren in Werne, Rheinberg (beide Nordrhein-Westfalen), Leipzig (Sachsen), Koblenz (Rheinland-Pfalz) und zwei Standorte im hessischen Bad Hersfeld.

"Amazon verdient sich eine goldene Nase"

Die Gewerkschaft versucht Amazon dazu zu bewegen, die Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels anzuerkennen und einen Tarifvertrag "für gute und gesunde Arbeit" abzuschließen. "Amazon verdient sich in der Corona-Krise weiter eine goldene Nase", erklärte die Gewerkschaft. Schon deshalb müsse "die Tarifflucht dort beendet werden".

Durch die Schließung weiter Teile des stationären Einzelhandels in der Corona-Krise sei das Bestellaufkommen bei Amazon durch die Decke gegangen, sagte Akman. "Ausbaden mussten das die Kolleginnen und Kollegen". Durch die "permanente Arbeitshetze und Leistungskontrolle ist die Einhaltung von Abständen und anderen Maßnahmen gegen Ansteckungen oft kaum möglich". Amazon verweigere sich bisher, einen verbindlichen Tarifvertrag zum Schutz der Beschäftigten abzuschließen.

Ver.di sprach zudem von einem "inoffiziellen Start der diesjährigen Flächentarifverhandlungen der Branche", die in den nächsten Wochen beginnen und verwies darauf, dass im Einzel- und Versandhandel der verschiedenen Bundesländer Lohnsteigerungen von 4,5 Prozent plus mindestens 45 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert werden. "Das muss dieses Jahr auch bei Amazon drin sein", sagte Orhan Akman, der bei ver.di für den Einzel- und Versandhandel zuständig ist.

Sechs von 15 Logistikzentren

Mit ihren neuen Maßnahmen deckt ver.di allerdings nur einen Teil der deutschen Versandlager ab. Insgesamt neun Versandzentren bleiben damit von den Maßnahmen unbehelligt. Auch die immer zahlreicheren Sortier- und Verteilzentren des konzerneigenen Lieferdienstes Amazon Logistics in Deutschland sind nicht von den Streikmaßnahmen betroffen.

Amazon wiegelt ab

Amazon erwartet keine Auswirkungen des Streiks. Man sehe ihm gelassen entgegen, teilte das Unternehmen mit. Der Versandhändler verwies auf frühere Aktionen. Bei vergangenen Streikaufrufen hätten mehr als 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Logistikzentren "ganz normal gearbeitet".

"Wir sind zu einer Projektionsfläche für Gruppen geworden, die Aufmerksamkeit für ihre Themen suchen", hieß es in einer Stellungnahme. Die Beschäftigen würden von "exzellenten Löhnen, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen" profitieren. Man beweise "jeden Tag, dass wir auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber sind", erklärte ein Sprecher.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. März 2021 um 08:00 Uhr.

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