Airbnb-Bilanz Besser als die Konkurrenz

Stand: 26.02.2021 08:36 Uhr

Der Apartment-Vermittler Airbnb ist besser durch die Pandemie gekommen als andere in der Reisebranche. Zwar hat Airbnb im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 4,6 Milliarden Dollar eingefahren, trotzdem sind Analysten optimistisch. 

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Airbnb hat sich im Corona-Jahr 2020 besser geschlagen als zunächst angenommen - und ist als eines der wenigen Unternehmen der Reisebranche bislang besser durch die Pandemie gekommen als Hotel-Ketten und Fluggesellschaften. Trotz des großen Verlustes von 4,6 Milliarden Dollar blicken Börse und Analysten positiv in die Zukunft.

Marcus Schuler, BR

Für den kräftigen Verlust im vergangenen Jahr hatte nicht nur die Corona-Pandemie gesorgt. Auch der Börsengang im Dezember war mit allein 2,8 Milliarden Dollar sehr kostspielig. Im Laufe des vergangenen Jahres konnte sich der Home-Sharing-Riese aber wieder fangen.

Denn Verbraucherinnen und Verbraucher interessierten sich nach wie vor für Urlaube. Insbesondere für Objekte in der Nähe, die gut mit dem Auto zu erreichen waren. Diese Entwicklung hatte das Unternehmen vor höheren Verlusten bewahrt und sorgte sogar für einen Gewinn im dritten Quartal. 

Vorteile gegenüber Hotelketten

Hier zeigt sich der Vorteil von Airbnb gegenüber den Hotelketten, die ihre Umsätze vor allem in den Großstädten machen: Airbnb ist mit seinen Individualangeboten, die von einer Holzhütte in den Bergen bis hin zum mondänen Strandhaus reicht, breiter aufgestellt als der Rest der Reisebranche. Und genau danach haben in Pandemie-Zeiten offenbar viele Menschen gesucht. 

Dennoch hinkt der Vergleich mit den Hotelketten, denn Airbnb ist ein reiner Vermittler - das Unternehmen hat keine dauerhaften Kosten für Immobilien zu tragen. Nur die Mietkosten des Hauptsitzes in San Francisco muss es verbuchen. Doch auch hier hatte das einstige Vorzeige-Start-up von Mitgründer und heutigen Vorstandschef Brian Chesky im vergangenen Jahr schnell reagiert: Es kappte alle Marketingausgaben und entließ sogar ein Viertel der Mitarbeitenden. Airbnb kommt jetzt auf knapp 6000 Angestellte weltweit. 

Anders reisen als früher

Das Reisen werde nie wieder sein wie zuvor - das prophezeite Vorstandschef Chesky in Anschluss an die Bekanntgabe der Jahreszahlen. Das komplette Geschäft sei auf den Kopf gestellt worden. Vor allem an langfristigen Mietaufenthalten gebe es ein großes Interesse, weil viele Unternehmen es ihren Mitarbeitenden freistellen würden, von wo sie arbeiten. Von dieser Entwicklung profitiere Airbnb.

Analysten sehen die Airbnb-Zahlen noch rosiger: "Die diversen Lockdowns, insbesondere in Großbritannien und Europa, mögen die Ergebnisse von Airbnb wenig überraschend abgeschwächt haben, aber der Vorteil einer vernetzten Plattform mit Skalierung und Reichweite liegt auf der Hand", so Sooho Choi, Executive Vice President beim Beratungshaus Publicis Sapient. Allerdings sei die Konkurrenz groß - und das nicht nur innerhalb der Branche.

Rückkehr der Reisebranche

Für 2021 erwartet Airbnb ein teilweises Comeback der Reisebranche. Mit der zunehmenden Impfstoffverbreitung und dem Ende der Lockdowns könne eine langsame Erholung einsetzen. Der Wohnungsvermittler aus San Francisco ist mit einem Börsenwert von 109 Milliarden Dollar mittlerweile mehr wert als die Hotelketten von Marriott, Hilton und Hyatt zusammen.

Airbnb wurde 2008 in San Francisco gegründet und mit der Online-Vermittlung von privaten Zimmern und Apartments zum Schrecken der Hotelbranche geworden.

Jahreszahlen: Airbnb meistert Pandemie deutlich besser als erwartet
Marcus Schuler, ARD Los Angeles, zzt. San Francisco
26.02.2021 07:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2020 um 13:42 Uhr.

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