Sicherheitsvorkehrungen in Washington vor der Amtseinführung Bidens | Bildquelle: AP

Vor Biden-Amtseinführung Bewaffneter nahe US-Kapitol festgenommen

Stand: 17.01.2021 10:19 Uhr

Vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Biden werden in Washington die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Ein bewaffneter Mann hat dennoch versucht, in die Sicherheitszone zu gelangen - konnte aber frühzeitig gestoppt werden.

Wenige Tage vor der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Joe Biden ist in der Hauptstadt Washington ein bewaffneter Verdächtiger festgenommen worden. Der Mann aus dem Bundesstaat Virginia habe am Freitagabend einen unweit des US-Kapitols errichteten Kontrollpunkt der Polizei angefahren, wie aus einem Polizeibericht hervorgeht. Demnach hatte er eine geladene Pistole und 500 Schuss Munition bei sich. Zudem stellte die Polizei Schrot-Munition sicher. Die Festnahme sei unter anderem erfolgt, weil weder die Schusswaffe noch die Munition registriert war.

"Die Gefahr ist real"

Der Nachrichtensender CNN berichtete, der Mann habe eine gefälschte Zugangsberechtigung für die Vereidigungszeremonie an diesem Mittwoch vorgezeigt. Nach der Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump am 6. Januar mit mehreren Todesopfern ist die Sorge vor weiteren Gewaltakten rund um die Vereidigung Bidens groß.

Auf die Nachricht von der Verhaftung antwortete Don Beyer, der Virginia im Repräsentantenhaus vertritt, die Gefahr sei real und die Stadt in Aufruhr. "Jeder, der diese Woche die Gegend um das Kapitol meiden kann, sollte dies tun", schrieb der Demokrat auf Twitter.

Keine Beweise für Mordpläne

Nach dem Sturm auf das US-Kapitol in Washington gibt es nach Angaben der Regierung unterdessen keine Hinweise darauf, dass Randalierer Abgeordnete gefangen nehmen und ermorden wollten. Trotz einiger Aufrufe von Demonstranten, Abgeordnete festzuhalten und Vizepräsident Mike Pence zu töten, gebe es bislang keine Beweise über ernsthafte Versuche zur Ausübung dieser Straftaten, erklärte das US-Justizministerium. Es gebe "zu diesem Zeitpunkt keine direkten Beweise", sagte der Washingtoner Bundesstaatsanwalt Michael Sherwin, der die Ermittlungen zum Sturm auf das US-Kapitol leitet.

Eine entsprechende Aussage der Bundesstaatsanwaltschaft im Bundesstaat Arizon wurde daher zurückgezogen. In einem Antrag zur Festnahme des an der Erstürmung beteiligten Verschwörungsideologen Jacob Anthony Chansley hatte die dortige Staatsanwaltschaft zunächst erklärt, es gebe "deutliche Hinweise" auf eine geplante Ermordung von "gewählten Vertretern". Die Behörde hatte damit verhindern wollen, dass Chansley, der bewaffnet mit einem Speer und Hörnern auf dem Kopf durch das Kapitol lief, gegen die Zahlung einer Kaution freigelassen wird.

Jacob Anthony Chansley alias Jake Angeli - Vertreter der QAnon-Bewgung - hier am 06.01.2021 bei der erstürmung des Kapitols in Washington | Bildquelle: AP
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"Keine direkten Beweise" für Mordpläne: Jacob Anthony Chansley - alias Jake Angeli - bei der Erstürmung des US-Kapitols.

Metallzäune und Beton-Barrikaden

Im Zentrum der Hauptstadt, wo sich das Weiße Haus und das Kapitol sowie eine große Freifläche mit verschiedenen Wahrzeichen befinden, wurden drastische Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Neben Kontrollposten der Polizei wurden Metallzäune und Beton-Barrikaden errichtet. Tausende Mitglieder der Nationalgarde - die zur Reserve der US-Armee gehört - wurden abgestellt, um den Kongresssitz zu schützen. Die Amtseinführung an der Westseite des Kapitols ist auch unter normalen Umständen eine Veranstaltung mit maximalem Sicherheitsaufgebot.

In diesem Jahr gilt das angesichts der jüngsten Ausschreitungen aber in besonderem Maße - auch wenn die Zeremonie wegen der Corona-Pandemie ohne das sonst übliche Massenpublikum stattfindet. Bei der Amtseinführung hat der für den Schutz des Präsidenten zuständige Secret Service die Federführung über die Sicherheitsvorkehrungen.

Bewaffneter Mann in Washington festgenommen
Katrin Brand, ARD Washington
17.01.2021 06:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 17. Januar 2021 um 08:09 Uhr.

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