US-Republikaner Die Basis sucht neue Hoffnungsträger

Stand: 01.03.2021 04:16 Uhr

Das Treffen des konservativen Flügels der Republikaner war für Trump ein Heimspiel. Erneut wurde sein absoluter Machtanspruch in der Partei deutlich. Wenn es um das Präsidentenamt geht, scheint seine Zeit aber vorbei.

Ein Kommentar von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

An einem lässt Donald Trump keinen Zweifel: Er beansprucht die absolute Macht in der republikanischen Partei für sich. Er nutzt sogar das Wort - "Trumpismus" - und belegt die politische Plattform mit seinem Namen. Das ist letztlich auch die Erkenntnis aus dem Auftritt des abgewählten Präsidenten bei der CPAC-Konferenz, die in jedem Jahr so etwas wie der politische Aschermittwoch des konservativen Flügels der Republikaner ist.

Diese Parteimitglieder, die sogar eine goldene Trump-Statue aufgestellt hatten, sind seine rechtskonservative Basis. Sein Ziel ist die ganze Partei. Deshalb auch kann eine Spaltung kein Werkzeug sein, keine dritte Partei, nicht einmal die Drohung damit. Er will die Einheit und droht denen, die diese nicht unter seiner Führung wollen.

Trump vergisst nicht

Es gibt eine zweite Erkenntnis aus diesem Hochamt für den ehemaligen Präsidenten: Trump hat das erklärte Ziel und alle Chancen, der Partei personell seinen Stempel aufzudrücken. "Wen ich unterstütze, der gewinnt", sagt er. "So war das bei der letzten innerparteilichen Auswahl und so wird das wieder sein."

Wer beim Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gestimmt hat, muss bei den nächsten Primaries mit Gegenkandidaten rechnen, die aus Trumps voller Kriegskasse unterstützt werden. Trump vergisst nicht, Trump hat Rache geschworen und beginnt damit ab sofort.

Damit verbunden aber ist eine dritte Erkenntnis: Wenn es um das Präsidentenamt geht, scheint seine Zeit vorbei. Anscheinend wollen viele Republikaner die letzten vier Jahre hinter sich lassen und weiter ziehen. Bei Probeabstimmungen im Saal, sogenannten Straw Polls, gewann Trump zwar 95 Prozent für seine Politik. Aber bei "wollt ihr, dass er wieder unser Kandidat ist", hob nur noch gut die Hälfte die Hand. Man schaut sich längst um: Wer könnten die neuen Hoffnungsträger sein? 

Und siehe da, zwei junge Gouverneure bekommen standing ovations: Kristi Noem aus South Dakota und Ron DeSantis aus Florida, die sofort von den konservativen Medien hofiert werden. Vielleicht auch das ein Grund, dass Donald Trump die P-Frage offen in der Schwebe ließ. Seine Macht als Königinnen- und Königsmacher ist größer als die als Präsidentschaftskandidat.

Die Suche nach einem neuen Programm

Die Konferenz in Orlando war ein Heimspiel und Trumps innerparteiliche Gegner lassen den Tag vorbei gehen. Aber sie werden sich gegen ihn stellen, den schwierigen Machtkampf suchen, weil sie müssen. So konservativ sie in ihrer Haltung auch sein mögen, sie sehen eine reine Trump-Partei den Anschluss verlieren, wenn auf die drängenden Fragen dieses Jahrhunderts nur Antworten des letzten gegeben werden.

Sie wissen, dass sie ein neues Parteiprogramm brauchen, dass sie konservative Antworten auf diese Fragen finden müssen, um langfristig ernstgenommen zu werden und Wahlen zu gewinnen. Solange aber das einzige Programm "Trump" heißt, findet diese Diskussion nicht einmal statt.

Kommentar: Donald Trumps absoluter Machtanspruch in der republikanischen Partei
Arthur Landwehr, ARD Washington
01.03.2021 05:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2021 um 02:02 Uhr.

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