Gesundheitsminister Spahn Ende der Impf-Priorisierung im Juni möglich

Stand: 22.04.2021 16:26 Uhr

In einigen Wochen könnte es so weit sein: Gesundheitsminister Spahn rechnet damit, dass es im Juni keine offiziell festgelegte Impfreihenfolge mehr geben wird. Beim AstraZeneca-Vakzin ist sie in einigen Bundesländern schon aufgehoben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass die Priorisierung beim Impfen gegen das Coronavirus im Juni aufgehoben werden kann. Derzeit seien bereits die Hälfte der über 60-Jährigen in Deutschland mindestens einmal geimpft, sagte der CDU-Politiker im Bundesrat.

Dies sei ein entscheidender Schritt, da das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion in dieser Altersgruppe 60 Mal so hoch sei wie bei unter 60-Jährigen. Im Mai könne bundesweit die letzte Priorisierungsgruppe 3 geimpft werden, wie es jetzt bereits in einigen Bundesländern der Fall sei. Dann kämen "viele Berufsgruppen" zu den Impfberechtigten hinzu. Er gehe "Stand heute davon aus, dass wir im Juni die Priorisierung werden aufgeben können".

"Wenn es früher ist, bin ich froh"

Mit Blick auf Medienberichte über eine Aufhebung der Reihenfolge bereits im Mai sagte Spahn: "Wenn es früher ist, bin ich froh. Wir sollten aber keine Erwartungen wecken, die nachher enttäuscht werden." Medien hatten zuvor berichtet, dass infolge eines deutlichen Zuwachses bei den Lieferungen eventuell die gesamte Priorisierung bereits Ende Mai aufgehoben werden könnte.

Jeder Fünfte einmal geimpft

Spahn betonte, dass das Impftempo nun im zweiten Quartal mit mehr Impfstofflieferungen und der Einbeziehung von Praxen zunehme. Derzeit habe mehr als jeder Fünfte in der Bevölkerung eine erste Impfung, bis Ende April werde es jeder Vierte sein und im Mai jeder Dritte. Im Juni sollten neben Hausärzten auch Betriebsärzte regelhaft einbezogen werden.

Der Deutsche Ethikrat befürwortet das Ende der Impfpriorisierung im Juni - sofern dann genügend Impfdosen vorhanden sind. Die Priorisierung sei ohnehin nur für die anfängliche Knappheit gedacht gewesen. "Je weniger knapp der Impfstoff, desto weniger Priorisierung ist nötig und gerechtfertigt", sagte die Vorsitzende Alena Buyx der "Rheinischen Post".

"Wenn die Menschen in den priorisierten Gruppen ein Impfangebot erhalten haben, dann ist es aus ethischer Perspektive sogar geboten, dass die Priorisierung ausläuft und der Zugang zur Impfung erweitert wird." Eher sollte es vermieden werden, Impfstoff zu entsorgen, weil er nicht genügend Abnehmer gefunden hat, so Buyx.

AstraZeneca in manchen Ländern bereits für Jüngere

Der Impfstoff des britischen Herstellers AstraZeneca, der immer wieder für Aufsehen gesorgt hatte, darf in den Bundesländern Berlin, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern nach ärztlicher Aufklärung und Einwilligung des Patienten bereits an jüngere Personen verimpft werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte die Empfehlung für den Impfstoff aufgrund neuer Daten mehrfach aktualisiert und teils stark verändert.

Derzeit ist AstraZeneca nur für Personen über 60 empfohlen, kann aber, so die jüngste Aktualisierung der STIKO, auch unterhalb dieser Altersgrenze nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten zum Einsatz kommen.

Impfpriorisierung endet im Juni
Eva Ellermann, ARD Berlin
22.04.2021 14:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2021 um 14:00 Uhr.

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