Söder zu "Brücken-Lockdown" "Habe diese These immer vertreten"

Stand: 07.04.2021 07:27 Uhr

Bayerns Regierungschef Söder unterstützt die Idee von NRW-Ministerpräsident Laschet eines "Brücken-Lockdowns", erklärt sie aber kurzerhand zu seiner eigenen. Auch die Amtsärzte fordern eine Verschärfung der Maßnahmen.

Der CDU-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat für seinen Vorstoß zu einem zwei- bis dreiwöchigen harten Lockdown doch noch Unterstützung aus der CSU erhalten. Allerdings ordnete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Laschets Äußerung zugleich als Anschluss an eigene Positionen ein. Beide gelten als Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien.

Es sei wichtig, durch ein konsequentes Management bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie aus der Endlosschleife herauszukommen, sagte CSU-Chef Söder in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". "Ich habe diese These eigentlich, wenn ich das so sagen darf, immer vertreten, die Kanzlerin auch. Und jeder, der mitmacht - das finde ich super, weil es die Basis jener verstärkt, die für Umsicht und Vorsicht eintreten."

Verhaltene Reaktionen

Laschet hatte am Ostermontag vorgeschlagen, im Kampf gegen die dritte Corona-Welle einen "Brücken-Lockdown" zu beschließen. Damit solle die Zeit überbrückt werden, bis viele Menschen geimpft seien. Nötig sei es, in einer nochmaligen Kraftanstrengung die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner zu drücken. "Da geht es um zwei, drei Wochen", hatte er gesagt.

Söders Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte Laschets Vorstoß zunächst noch als unausgegoren bewertet. Die Richtung befand er zwar für richtig, nötig seien aber "konkrete Konzepte, die mit wissenschaftlichen Daten untermauert sind". Auch die Forderung, die für kommenden Montag geplante Runde der Regierungschefs früher einzuberufen, stieß in Bayern und mehreren anderen Bundesländern auf Ablehnung.

Kritik von Amtsärzten

Kritik kam auch vom Verband der Amtsärzte. Die Vorsitzende Ute Teichert nannte die Vorschläge unpräzise - und forderte zugleich eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen. "Wir brauchen einen kurzen, harten Lockdown", sagte die Medizinerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das "ewige Hin und Her zwischen Öffnen und Schließen" müsse beendet werden. Nötig sei in Deutschland aber "mehr Einheitlichkeit bei den Maßnahmen", betonte Teichert. Derzeit gälten in den Regionen so viele unterschiedliche Regeln, "dass die Menschen davon verwirrt und müde werden".

Spahn für Einheitlichkeit

Ein bundesweit einheitliches Agieren von Bund und allen Ländern fordert auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Entscheidend sei nicht, auf welchem Weg dies erreicht werde, ob durch mehr Bundeskompetenzen oder Absprachen der Länder: "Entscheidend ist, dass es passiert", vor allem wenn bei einer Inzidenz von 100 die sogenannte Notbremse gezogen werden müsse, sagte er im ARD-Extra zur Corona-Lage. Impfen und Testen allein könnten die dritte Welle nicht brechen. Es müssten auch Kontakte und damit Infektionen reduziert werden: vor allem im privaten Bereich, in Schulen und Kitas sowie im Arbeitsleben.

Zugleich bekräftigte Spahn: "Wir werden im Sommer alle impfen können." Er will am Nachmittag mit seinen Länderkollegen über eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu Zweitimpfungen beraten. Die STIKO hatte empfohlen, Erstgeimpften unter 60 Jahren, die den Impfstoff von AstraZeneca erhalten haben, bei der zweiten Impfung ein anderes Präparat zu spritzen. Grund sind mehrere Fälle von Hirnvenen-Thrombosen nach einer Impfung.

Zweitimpfung verschieben?

Gesundheitsexperten der Koalition sprachen sich beim Redaktionsnetzwerk Deutschland ferner dafür aus, "dass keine Impfstoffdosen für die Zweitimpfung zurückgehalten werden, sondern alles, was vorhanden ist, für die Erstimpfung benutzt wird", wie Sabine Dittmar (SPD) - und ähnlich auch Karin Maag (CDU) - sagte.

Söder will bundesweit einheitliches Corona-Management
Franka Welz, ARD Berlin
07.04.2021 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. April 2021 um 09:00 Uhr.

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