Corona-Pandemie Forderungen nach Draußen-Unterricht

Stand: 19.04.2021 09:30 Uhr

Könnte Unterricht unter freiem Himmel die Lösung bei geschlossenen Schulen sein? Politiker mehrerer Parteien machen sich dafür stark. Denkbar als Unterrichtsorte sind Schulhöfe, Wälder, Parks und Sportplätze.

Angesichts drohender Schulschließungen durch das geänderte Infektionsschutzgesetz haben Politiker mehrerer Fraktionen Unterricht unter freiem Himmel gefordert. "Unterricht im Freien oder die weitere Reduzierung der Lerngruppengrößen sind zu durchdenken, bevor Schulen geschlossen werden", sagte der familienpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Marcus Weinberg, der "Bild". Denkbar sei Unterricht auf dem Schulhof, im Park oder auf dem Sportplatz.

Kinder sind "seelisch erschöpft"

Die Kinder und Jugendlichen seien nach der Zeit der Pandemie seelisch erschöpft. "Ab Juni beginnt zudem die Ferienphase. Es wäre eine Katastrophe, wenn möglicherweise bis Mitte August die Kinder keine Kita oder Schule mehr besuchen könnten", so Weinberg.

Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Katja Suding sprach sich ebenfalls für Unterricht in Parks oder im Schulhof aus. "Ich unterstütze alle sinnvollen Maßnahmen, die Unterricht in Präsenz wieder möglich machen", sagte sie der "Bild". Schule im Freien könnte sinnvoll sein, Luftfilter und Hygienekonzepte in geschlossenen Räumen jedoch auch.

Auch spontan möglich

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas sagte der Zeitung: "Durch die Wissenschaft ist belegt, dass Aktivitäten unter freiem Himmel sicherer sind als in geschlossenen Räumen. Daher klingt die Möglichkeit, Schulunterricht im Freien möglich zu machen, erstmal gut und wird von manchen Schulen bei gutem Wetter auch spontan genutzt."

Auch der Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen bezeichnete Schule im Freien als möglichen Ausweg: "Unterricht im Freien oder Exkursionen in Parks und Wäldern sind bei sinkender Inzidenz dann ein sehr pragmatischer und sinnvoller Schritt von Öffnungen", sagte er der "Bild".

Der Aerosolforscher Gerhard Scheuch hatte sich zuletzt für mehr Aktivitäten draußen ausgesprochen. Corona-Infektionen seien "ein Innenraum-Problem", so Scheuch.

Mit der bundeseinheitlichen Notbremse soll der Bund erstmals in der Pandemie weitreichende Kompetenzen in der Pandemiebekämpfung von den Ländern übernehmen. Die Schulen sollen bei einem Inzidenzwert von 200 zum Distanzunterricht zurückkehren. Das Gesetz soll am Mittwoch im Bundestag und am Donnerstag im Bundesrat beschlossen werden.

Kritik von GEW an Inzidenzwert 200

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte scharfe Kritik an dem Inzidenzwert von 200. Der Wert sei eine "politisch motivierte Setzung, damit Schulen und Kitas geöffnet bleiben können", sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe nach Angaben ihrer Gewerkschaft in einer Expertenanhörung des Bundestags.

"Der Wert ist nicht wissenschaftsbasiert, er ist nicht am Gesundheitsschutz der Lehrenden und Lernenden orientiert." "Die GEW macht sich wie das Robert Koch-Institut (RKI) ab einer Inzidenz von über 50 für Wechselunterricht stark", sagte Tepe den Angaben zufolge. "Nur wenn der Unterricht in kleinen Gruppen oder mit zusätzlichem Personal in mehr Räumen stattfindet, kann der nötige Abstand eingehalten und damit ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz aller in der Schule geleistet werden."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. April 2021 um 09:30 Uhr in den Nachrichten.

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