Angela Merkel | Bildquelle: dpa

Merkel zu Pandemie "Corona ist eine Jahrhundertkatastrophe"

Stand: 21.01.2021 13:53 Uhr

Die Zahl der Neuinfektionen sinkt - dennoch geht der Lockdown in die Verlängerung: Die Kanzlerin hat das jüngste Vorgehen in der Corona-Pandemie verteidigt. Darüber hinaus befürwortete sie eine Trauerfeier für die Corona-Toten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die harten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verteidigt. "Wir handeln aus Vorsorge für unser Land", sagte Merkel vor der Bundespressekonferenz in Berlin. All das diene dem Ziel, "in diesem Jahr die Pandemie in den Griff zu bekommen und schließlich zu überwinden". Deutschland befinde sich in einer "sehr schwierigen Phase" der Pandemie. 

Auch gingen die Neuinfektionen endlich zurück, so die Kanzlerin. "Das zeigt, dass die harten Einschnitte, die die Menschen in Deutschland seit Wochen auf sich nehmen müssen, sich auszuzahlen beginnen." Zugleich seien die täglichen Todeszahlen aber erschreckend hoch. "Das sind nicht einfach Zahlen, das sind Menschen, die in Einsamkeit gestorben sind, das sind Schicksale, das sind Familien, die um sie trauern", betonte Merkel.

Lockdown-Verlängerung aufgrund der Coronavirus-Mutationen
tagesschau 17:00 Uhr, 21.01.2021, Julie Kurz, ARD Berlin

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Merkel warnt vor Virusmutation

Sie warnte zudem vor der entdeckten Virusmutation: Alles deute darauf hin, dass diese um ein Vielfaches ansteckender sei als das bekannte. Die Ausbreitung dieser Mutation müsse so weit wie möglich verlangsamt werden. "Wenn man jetzt wartet, kann eine dritte, möglicherweise noch heftigere Welle der Pandemie vielleicht nicht verhindert werden", erklärte die Kanzlerin.

"Es ist noch etwas Zeit, um der Gefahr, die in diesem mutierten Virus steckt, vorzubeugen." Alle zusätzlichen Einschränkungen dienten der Vorsorge für das Land, für die Gesundheit der Bürger und auch Wirtschaft, Arbeitswelt und Kultur. "Alles dient dem Ziel, in diesem Jahr die Pandemie in den Griff zu bekommen und schließlich auch zu überwinden", betonte Merkel.

Sie bezeichnete es als richtig, eine Strategie für die Zeit nach dem Lockdown parat zu haben. Es sei aber jetzt schon klar, dass am 15. Februar nicht alles wieder geöffnet werden könne. Priorität hätten für sie Kitas und Schulen, "aus praktischen Gründen" kämen dann vielleicht die Frisöre und der Einzelhandel hinzu. Wichtig sei aber, nicht zu schnell zu agieren, so die Kanzlerin.

Grenzkontrollen möglichst vermeiden

Eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen zu europäischen Nachbarstaaten will sie jedoch möglichst vermeiden. Dies wäre allenfalls "die Ultima Ratio", sagte die Kanzlerin mit Blick auf die Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs am Abend. "Wir werden viel tun, um das zu verhindern", hob sie hervor.

Voraussetzung sei allerdings ein ähnliches Vorgehen in der Pandemie-Bekämpfung, also "dass wir alle möglichst dasselbe Ziel verfolgen, die Inzidenzen möglichst runterzubringen", sagte Merkel weiter. Bei wichtigen Nachbarstaaten halte sie dies auch für gegeben, konkret nannte Merkel besonders Frankreich, Belgien und die Niederlande. Mit dem Nicht-EU-Staat Schweiz solle es hier noch Gespräche geben, mit Tschechien sei sie schon im Gespräch.

Merkel für Gedenken an Corona-Tote

Merkel sprach sich darüber hinaus für eine öffentliche Form der Trauer um die Covid-19-Toten aus. "Wir brauchen ein Gedenken an die Toten", betonte sie. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe bereits gesagt, was ihm wichtig sei, und sie gehe davon aus, dass dies auch in die Tat umgesetzt werde. Es breche ihr das Herz, wenn sie sehe, wie viele Menschen in Alten- und Pflegeheimen in Einsamkeit gestorben seien, sagte Merkel.

Steinmeier hatte wiederholt eine öffentliche Trauerfeier für die Covid-19-Toten angeregt. Auch die Bundesregierung hatte bereits im Dezember erklärt, eine zentrale Gedenkveranstaltung zu planen. Wegen der aktuellen Pandemielage habe man allerdings noch nicht mit der konkreten Planung begonnen.

"Der Winter zerrt an den Nerven"

Für Unmut und Frustrationen der Menschen äußerte sie Verständnis: "Diese Pandemie ist eine Jahrhundertkatastrophe im Sinne einer Naturkatastrophe. Diese Pandemie wird mit Recht von allen als eine Zumutung empfunden", sagte sie. Es "wäre ganz verwunderlich, wenn da nicht wirklich auch die Geduld auf eine extrem harte Probe gestellt wird, und das ist uns doch auch bewusst." Der Winter zerre an den Nerven von allen.

Gleichwohl gebe es Gründe zur Hoffnung, betonte Merkel. Im Vergleich zur Spanischen Grippe, die nach dem Ersten Weltkrieg kursierte, sei man viel besser dran. Es gebe bereits Impfstoffe und man wisse, wie man den Weg aus der Krise finde, sagte die Kanzlerin. Bei aller Bedrückung sei es doch eine gänzlich andere Lage als vor hundert Jahren. Dennoch gelte: "Es ist eine schwere Zeit." Da gebe es nichts wegzureden.

Deutschland will Dosen abgeben

Mit Blick auf die ärmeren Länder sagte Merkel, dass Deutschland im dritten Quartal ausreichend Impfstoffe vorliegen haben werde, um auch Dosen abgeben zu können. Es könne immer wieder vorkommen, dass zur Erhöhung von Produktionskapazitäten Umbauarbeiten erforderlich seien, sagte die Kanzlerin. Sie gehe aber davon aus, dass Deutschland die von BioNTech und Pfizer zugesagten Dosen auch erhalten werde.

In Bezug auf mögliche Privilegien für Geimpfte verwies Merkel darauf, dass weiterhin unklar sei, ob ein Geimpfter auch andere anstecken könne. Bis dies abschließend geklärt sei, stelle sich die Frage der Privilegien aus ihrer Sicht nicht.

Merkel: Menschen werden auf "extrem harte Probe gestellt"
Martin Bohne, ARD Berlin
21.01.2021 12:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Januar 2021 um 12:00 Uhr.

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