K-Frage der Union Mit aller Macht

Stand: 12.04.2021 20:24 Uhr

CSU-Chef Söder weigert sich, CDU-Chef Laschet als Kanzlerkandidaten der Union anzuerkennen. Damit düpiert er einige - doch schaden könnte er vielen.

Eine Analyse von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Markus Söder hat am Ende dann doch die CDU in Aufruhr versetzt. Dabei passte aus Sicht der CDU-Gremien an diesem Tag lange Zeit alles so schön zusammen. Am Montagvormittag war von einer breiten Zustimmung für den Kandidaten Armin Laschet im CDU-Präsidium und im Bundesvorstand die Rede. Die Laschet-Kritiker in den eigenen Reihen liefen rasch an den Kameras vorbei. Manch einer rauschte im Auto davon.

In den Sitzungen war wenig bis keine Kritik zu hören. Und doch war es auffällig, wie wenige ein flammendes Plädoyer für den CDU-Kandidaten halten wollten. Einzig und allein der treue Volker Bouffier trat nach der Präsidiumssitzung vor die Kameras, um seinen Parteifreund Armin in den höchsten Tönen zu loben. Immer mit der Betonung, das sei noch kein Beschluss, kein Votum.

Die Botschaft war klar

Die kleine Schwester in München sollte nicht in die Ecke gedrängt werden. Das hatte der CSU-Chef verlangt. Und doch war die Botschaft der CDU-Gremien an diesem Vormittag klar: Die Reihen sind geschlossen. Laschet ist der Kandidat.

Das Echo aus Bayern aber kam einem politischen Beben gleich. Söder erkannte wohl, dass ihm die Felle in der Parteispitze davonschwimmen, die Stimmen an der Basis aber weiterhin zufliegen. Nach der Sitzung des CSU-Präsidiums am Nachmittag machte er deutlich, dass er das Rennen noch nicht als beendet ansieht.

Plötzlich ein Pulverfass

Söder weigert sich, Laschet als Kanzlerkandidaten der Union anzuerkennen. Mit der Reaktion hat die CDU wohl nicht gerechnet. Was gestern noch einvernehmlich klang, ist nun ein Pulverfass. Die Verabredungen gelten offenbar nicht mehr oder werden neu interpretiert.

Am Sonntag klang das noch so: "Und wenn die CDU das in breiter Mehrheit unterstützt, dann glaube ich, ist das okay. Wenn die CDU eine andere Entscheidung fällt, dann werden wir das in der CSU, glaube ich, akzeptieren."

Nun wird die "breite Mehrheit" neu interpretiert. Die CDU-Spitze sieht sich als breite Mehrheit. Söder aber will die Basis hören. Oder doch zumindest zu ihr sprechen. Die einzige Chance, sich noch selbst zu krönen, ist der Druck von unten.

Den CSU-Chef unterschätzt?

Am Sonntag noch wollte er keine Abstimmung über die K-Frage in der Fraktion. Nun drängt er darauf, genau dort zumindest gehört zu werden.

Einige in der CDU haben wohl den CSU-Chef unterschätzt. Söder, der Macher, soll sich plötzlich Laschet unterordnen? Einem, den viele auch in der CDU für zu farblos halten?

Doch verletzter Stolz ist wohl nur ein Grund. Ist Söders Reaktion wirklich nur eine aus dem Bauch heraus? Oder spricht die Spitze der Christdemokraten eine andere Sprache als die Basis? Wünscht sich die Basis einen wie Friedrich Merz oder Söder - nur der Kopf will das nicht hören?

Da, wo sie Landtagswahlen gewinnen müssen, werden die Rufe nach Söder laut. Manchmal so laut, dass man sie auch in Berlin hören muss. Vielleicht treibt deshalb auch Söder den Machtkampf auf die Spitze. Nützen wird das wohl keinem. Aber schaden kann es vielen.

Machtkampf um Unions-Kanzlerkandidatur geht weiter
Anja Günther, ARD Berlin
12.04.2021 20:53 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. April 2021 um 22:15 Uhr.

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Kristin Marie Schwietzer, MDR

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