CDU in Nordrhein-Westfalen Laschet-Nachfolger gesucht

Stand: 22.04.2021 17:03 Uhr

Als Kanzlerkandidat und CDU-Chef hat Laschet in Berlin die nächsten Monate gut zu tun. Das hat Folgen für Nordrhein-Westfalen. Hier laufen sich schon potenzielle Nachfolger warm. Was aber, wenn Laschet nicht Kanzler wird?

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet hat sein Ziel erreicht. Er geht für die Union ins Rennen ums Kanzleramt. Das hat Folgen - auch für Nordrhein-Westfalen, denn Laschet ist jetzt ein Ministerpräsident auf Abruf. Gesucht wird ein neuer Landesvorsitzender für die CDU und wohl auch ein neuer Ministerpräsident oder eine Ministerpräsidentin. Dass Laschet den Landesvorsitz abgibt, gilt als sicher, er hatte das schon bei seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden angekündigt. Ein Landesparteitag im Juni soll seinen Nachfolger bestimmen.

Im Gespräch sind zwei Vertraute Laschets: Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister in Düsseldorf und Herbert Reul, der das Innenministerium führt. Für einen Generationenwechsel stehen beide nicht, aber für Stabilität, und vor allem fällt durch ihre Wahl keine Vorentscheidung für die Nachfolge in der Staatskanzlei. Die Nachbesetzung dort ist die schwierigere Aufgabe. Denn die Verfassung in Nordrhein-Westfalen sieht vor, dass nur Ministerpräsident oder Ministerpräsidentin werden kann, wer ein Landtagsmandat innehat. Reul und Laumann kommen schon deswegen nicht in Frage. Wer aber dann?

Herbert Reul | Bildquelle: dpa
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Im Gespräch für den CDU-Landesvorsitz in NRW: Herbert Reul ...

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann spricht während einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Lage. | Bildquelle: dpa
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... und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Ein Name fällt immer wieder

Es sind mehrere Namen, die immer wieder fallen, aber es ist vor allem einer, der präsent ist: Hendrik Wüst. Er ist Verkehrsminister im Stauland Nummer eins und gehört dem konservativen Parteiflügel an. Wüst gilt nicht unbedingt als Laschets Favorit. Der würde wohl lieber Ina Scharrenbach in der Staatskanzlei sehen, sie aber hat anders als Wüst kein Landtagsmandat.

So sind Laschets Möglichkeiten, seine Nachfolge zu arrangieren, begrenzt. Dabei wäre es ein Novum, wenn eine CDU-Frau das bevölkerungsreichste Bundesland regieren würde - aber was diesmal nicht ist, kann ja in Zukunft noch werden. Im hier und jetzt spricht vieles für Wüst.

Aber warum soll der 45-Jährige eigentlich nicht im Juni auch den Landesvorsitz übernehmen und sich dann im Herbst aus dieser Position heraus zum Ministerpräsidenten wählen lassen? Das wäre eine Vorentscheidung, die die NRW-CDU offenbar nicht treffen will. Denn nur mal angenommen, die Union würde bei der Bundestagswahl scheitern und Laschet nicht Kanzler? Die Wahl ist offen wie lange nicht - alles scheint möglich. Auch eine Regierung ohne Union.

NRW-Verkehrsminister Wüst. | Bildquelle: dpa
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Sein Name fällt immer wieder, wenn es um die Laschet-Nachfolge geht: NRW-Verkehrsminister Wüst

Keine Hintertür in der Staatskanzlei

Im Falle einer Niederlage müsste Laschet entscheiden: Düsseldorf oder Berlin. Rhein oder Spree. Laschet selbst hatte vor Wochen schon erklärt, dass er für den Bundestag kandidieren will. Aber würde er sich auch auf die Oppositionsbank setzen? Opposition ist ja Mist, das wusste schon Franz Müntefering. Daher könnte Laschet sich die Hintertür in der Düsseldorfer Staatskanzlei offenlassen und Ministerpräsident bleiben wollen.

Allerdings würden Wählerinnen und Wähler in Nordrhein-Westfalen das bei der Landtagswahl im Frühjahr nächsten Jahres sicher nicht goutieren - im Gegenteil. Wer will schon zweite Wahl sein?

Und so läuft wohl alles auf den Umzug hinaus - von Düsseldorf nach Berlin, auf Biegen und Brechen, zur Not eben auf die Oppositionsbank, womöglich gar neben Friedrich Merz, falls das für den infrage kommt. Aber bis zum 26. September ist ja auch noch Zeit, um die Union wieder auf die Beine zu stellen. Laschet ist jetzt gefragt als Versöhner. Er muss die grummelnde Basis der CDU hinter sich bringen und Markus Söder an seine Seite. Es wird ein ungewöhnlicher Wahlkampf werden mit einem angeschlagenen Kanzlerkandidaten in Berlin und einem Kandidaten der Herzen in München.

Korrespondentin

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Sabine Henkel, WDR

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