Spahn zu Corona-Impfstoffen "Wir haben mehr als genug bestellt"

Stand: 06.01.2021 14:14 Uhr

Im Zusammenhang mit der Impfstoffstrategie hat Gesundheitsminister Spahn zu einer sachlichen Debatte aufgerufen. Die Bundesregierung habe von BioNTech und Moderna insgesamt mehr als 130 Millionen Dosen bestellt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sein Versprechen bekräftigt, dass bis zum Sommer jedem Deutschen ein Impfangebot gemacht werden solle. "Wir haben genug, mehr als genug Impfstoffe bestellt", sagte der CDU-Politiker in Berlin.

Deutschland habe von dem kurz vor der Zulassung stehenden Impfstoff von Moderna und von BioNTech/Pfizer insgesamt mehr als 130 Millionen Impfdosen bestellt. Außerdem hoffe er, dass der BioNTech-Produktionsstandort in Marburg im Februar in Betrieb genommen werden könne.

Knapp zwei Millionen Dosen im ersten Quartal

Auch nach der Zulassung rechnet Spahn aber zunächst nicht mit großen Lieferungen des Moderna-Impfstoffes. Im ersten Quartal erwarte man in Deutschland knapp zwei Millionen Dosen, sagt Spahn. Erste Lieferungen könnten nächste Woche eintreffen. Insgesamt hat Deutschland bei Moderna über die EU gut 50 Millionen Dosen bestellt, die im Laufe des Jahres ankommen sollen.

Angesichts der Debatte um einen schleppenden Corona-Impfstart appellierte Spahn an die Geduld der Bundesbürger. Der Impfstoff sei "weltweit ein knappes Gut", sagte er. Deshalb müsse er "große Teile der Bevölkerung um Geduld" bitten. Er erinnerte daran, dass das "wichtige Nahziel" die Impfung von Pflegebedürftigen und Älteren sei. Wenn dies geschafft sei, verliere die Pandemie schon "einen großen Teil ihres Schreckens".

Spahn mahnt zum "Blick auf die Fakten"

Bislang wurden in Deutschland vor allem in Pflegeheimen laut Spahn fast 400.000 Menschen geimpft. Die Tage des Impfstarts seien "Tage der Zuversicht". Er verstehe das "Bedürfnis nach einer Beschleunigung" der Impfungen, alle wollten "möglichst schnell zu einem normalen Leben" zurück. Doch das dürfe nicht den Blick auf die Fakten versperren, was in kurzer Zeit möglich sei, mahnte der CDU-Politiker. Es dürfe auch nicht die Prioritäten gefährden. "So viel Solidarität und Geduld muss auch auf dem Weg raus aus der Pandemie sein", forderte Spahn.

Sein heutiges Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Kanzleramtschef Helge Braun und Finanzminister Olaf Scholz zum Thema Impfstoffproduktion bezeichnete Spahn als reines Gespräch zur Abstimmung. Dabei sei es lediglich darum gegangen, das weite Vorgehen unter anderem mit den Impfstoffherstellern zu besprechen.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hatte von dem Treffen als "offenbar eilig einberufenen Krisengipfel zum Impfstoff-Mangel" gesprochen. Wegen der Beschaffung des Corona-Impfstoffs der Firmen BioNTech und Pfizer war der Gesundheitsminister zuletzt auch innerhalb der Koalition in die Kritik geraten.

"Es geht um eine sehr ernste Sache"

Scholz verteidigte dabei die Auseinandersetzung mit Spahn: "Es geht um eine sehr ernste Sache, nämlich um die Frage, ob wir die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gut beschützen können", sagte der SPD-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Es gehe tatsächlich darum, ob genügend Impfstoff produziert und beschafft werde und zur Verfügung stehe. "Ohne transparente Beantwortung all dieser Fragen werden wir nicht weiter vorankommen."

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 06. Januar 2021 um 07:10 Uhr.

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