Deutschland in der Corona-Krise Fällt der Oster-Urlaub wieder aus?

Stand: 14.02.2021 18:16 Uhr

Sachsens Regierungschef Kretschmer und der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sehen keine Chance für Urlaubsreisen zu Ostern. Sie warnen vor einer dritten Welle. Einige Länderchefs wollen aber nicht so früh so rigoros entscheiden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat Osterurlaub in Deutschland wegen der Corona-Pandemie ausgeschlossen und damit eine Debatte entfacht. "Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen. Oster-Urlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben", sagte Kretschmer der "Bild am Sonntag". Er warnte, durch eine zu große Mobilität würden die Erfolge bei der Pandemie-Bekämpfung zerstört.

Unterstützung erhielt Kretschmer vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Oster-Urlaub machen können", sagte Lauterbach der "Welt". Die Osterwochen müssten genutzt werden, "mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden".

Günther pocht auf Verabredung

Brandenburgs Ministerpräsident, Dietmar Woidke vertritt eine ähnliche Linie. "Auf touristische Reisen, auf Tagesausflüge, auf jegliche nicht notwendige Fahrt sollte jetzt dringend verzichtet werden", sagte der SPD-Politiker der "Welt". Es sei jetzt nicht die Zeit für Reisen.

Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther (CDU) will den Oster-Urlaub bislang nicht in Frage stellen. Die Ministerpräsidenten hätten einen klaren Fahrplan verabredet, um eine Öffnungsstrategie auch für die Bereiche Gastronomie und Beherbergung zu erarbeiten. "Ich halte nichts davon, dies nicht mal eine Woche später infrage zu stellen", sagte Günther der "Welt". Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr."

Söder mahnt zu klugen Schritten

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verwies darauf, dass Ostern erst "ungefähr in sieben Wochen" sei. Es gehe darum, klug und Schritt für Schritt zu agieren. Das gelte für diejenigen, die jetzt schon sagen, was fürs nächste halbe Jahr nicht gehen sollte, als auch für diejenigen, die sagen, es müsse sofort alles geöffnet werden. Auch Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff riet zu Bedacht. In der ARD-Sendung Bericht aus Berlin sagte er, die Menschen hätten viel mitgemacht. Es brauche aber einen klaren Ausstiegsplan.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), hielt sich mit Prognosen zurück. Bareiß riet, die Entwicklung abzuwarten. "Ostern ist ja erst am 4. April", schrieb er auf Twitter. Der Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern warnte vor verfrühten Entscheidungen. Sollte die Inzidenzwert auf einen Wert von unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zurückgedrängt werden, sollten Reisen zu Ostern unter Voraussetzungen erlaubt werden, erklärte Verbandspräsident Daniel Rousta.

"So verspielt man Vertrauen"

Kritik an Kretschmers Ansage kam von der Linken. Anstatt einen nachvollziehbaren, sicheren und logischen Plan zu entwickeln, werde wahllos irgendeine Maßnahme rausgehauen, sagte Jan Korte, parlamentarischer Geschäftsführer der Linke-Fraktion, der "Welt". So verspiele man Vertrauen.

Auch von der FDP kam Kritik. "Bei Herrn Kretschmer setzt sich Merkels Kurs der Perspektivlosigkeit fort", sagt Vizefraktionschef Michael Theurer. "So zermürbt man die Menschen. Sie brauchen aber eine Perspektive."

Debatte über Lockdown-Lockerungen bis Ostern und Grenzkontrollen
Uwe Lueb, ARD Berlin
14.02.2021 21:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Februar 2021 um 18:00 Uhr.

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