Lockdown-Lockerungen Das sind die Schulpläne der Bundesländer

Stand: 16.02.2021 08:24 Uhr

In Sachsen sind Grundschulen und Kitas wieder im eingeschränkten Regelbetrieb. Wie sieht es in den anderen Bundesländern aus? Macht jedes Land, was es will? Ein Überblick.

Die jüngste Bund-Länder-Runde hat sich nicht auf einen einheitlichen Fahrplan für Schul-Öffnungen verständigen können. Kanzlerin Angela Merkel plädierte dafür, die Schulen und Kitas noch bis März geschlossen zu halten, konnte sich aber nicht durchsetzen. Die von den Ländern geplanten Öffnungen von Schulen und Kitas seien "ein gewagter Schritt", sagte sie - und muss nun zusehen. Die Länder sind für Bildung zuständig, Stichwort: Kultushoheit. Und so machen die Länder in diesem Bereich, was sie wollen - ein Überblick.

Kitas und Grundschulen in Sachsen sind wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb gestartet. Damit ist das Bundesland Vorreiter in Deutschland. Die Präsenzpflicht an Grundschulen bleibt jedoch weiter ausgesetzt, Eltern können also selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder ob zu Hause gelernt wird. Schulpflicht besteht nämlich.

Für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse plant das sächsische Kultusministerium eine Rückkehr an die Schulen zum 8. März. Für sie ist dann Wechselunterricht vorgesehen.

In Niedersachsen sind Grundschülerinnen und -schüler bereits seit Januar im sogenannten Wechselbetrieb. Abwechselnd kommt die Hälfte der Klasse in die Schule, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Es gibt keine Präsenzpflicht. Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder ob es ausschließlich zu Hause lernt. Gleiches gilt für alle Schüler der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung einschließlich Tagesbildungszentren. Auch Abschlussklassen werden im Wechselmodell in den Schulen unterrichtet. Ab März strebt die Landesregierung eine schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht an - vorausgesetzt, die Infektionszahlen sinken weiter. Auch Kitas sollen dann wieder für alle Kinder öffnen.

Die meisten Länder peilen schrittweise Öffnungen für den 22. Februar an.

Die Grundschulen in Brandenburg können am 22. Februar unter strikten Hygienekonzepten wieder für den Wechselunterricht in der Schule und zu Hause öffnen. Das kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke nach einem Kabinettsbeschluss an. Die Kitas sind geöffnet, allerdings wird an die Eltern appelliert, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Das Land sorgt zudem bis Ende April für regelmäßige Corona-Schnelltests der Beschäftigten in Kitas und Einrichtungen der Jugendhilfe. Es werden für jeden Beschäftigten bis zu zwei Antigen-Schnelltests pro Woche vom Land bezahlt.

Berlin plant erste Schulöffnungen ebenfalls am 22. Februar. Den Anfang machen Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1 bis 3. Für sie soll es dann Wechselunterricht in halber Klassengröße geben. An Grundschulen gibt es weiterhin eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Für Abschlussklassen kann nach Absprache in halber Klassen- beziehungsweise Gruppenstärke wieder Präsenzunterricht stattfinden. Kitas weiten die Notbetreuung ab dem 22. Februar von 50 auf 60 Prozent der maximalen Auslastung aus.

Schule Maske | Bildquelle: dpa
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Nicht ohne meine Maske: So planen viele Schulen die Rückkehr zum Präsenzunterricht.

In Bayern sollen Grundschulklassen ab dem 22. Februar an die Schulen zurückkehren - aber nur im Wechselunterricht und nur in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 100. Auch Kitas sollen an diesem Termin wieder im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen. Zudem sollen nach den Abschlussjahrgängen an Gymnasien und beruflichen Schulen dann auch die Abschlussklassen an Real- und Mittelschulen wieder Präsenzunterricht bekommen. Wann auch für alle anderen Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen wieder Wechselunterricht starten könnte, bleibt dagegen offen. Zweimal pro Woche sollen sich Lehrkräfte und Kita-Personal selbst auf das Virus testen lassen können. Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren erhalten dann einen freiwilligen Selbsttest pro Woche.

Hessen wird ab dem 22. Februar für die Schüler der Klassen eins bis sechs das Modell des Wechselunterrichts ermöglichen. Von Klasse sieben an gilt mit Ausnahme von Abschlussklassen Distanzunterricht. Das soll vorerst bis zu den Osterferien Bestand haben. Auch für die Kitas soll ab dem 22. Februar wieder der eingeschränkte Regelbetrieb gelten. Bislang sollten Kinder nur im Notfall in Kitas gebracht werden.

Ab dem 22. Februar kehren die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 4 in Schleswig-Holstein wieder in den Präsenzunterricht unter Coronabedingungen in die Schulen zurück. Das gilt allerdings nicht für die Grundschulen in den Kreisen und kreisfreien Städte mit diffusem, höherem Infektionsgeschehen oder Verbreitung einer Virusvariante. Für die Jahrgangsstufen 5 bis 13 an den weiterführenden Schulen bleibt es bis zum 7. März beim Lernen in Distanz. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 wird Notbetreuung angeboten. Auch Kitas sollen ab dem 22. Februar wieder in den Regelbetrieb gehen.

Rheinland-Pfalz startet mit der Wiederaufnahme des Unterrichts ebenfalls am 22. Februar. Dann solle es einen Wechselunterricht für die Schüler der Klassen 1 bis 4 geben, kündigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer an. Die Orientierungsstufe solle im März "zügig folgen". Bei den Kitas soll sich vorerst nichts ändern. Hier bleibt es bei einem "Regelbetrieb bei dringendem Bedarf".

Baden-Württemberg hatte ähnlich wie andere Länder schon vor der jüngsten Bund-Länder-Schalte vorsichtige Schulöffnungen angekündigt. Die Landesregierung plant, ab 22. Februar die Grundschulen und Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren wieder schrittweise für den Präsenzunterricht zu öffnen. Auch Kitas und Einrichtungen der Kindertagespflege sollen zu einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren. Das Personal an Schulen, Kitas und in der Kindertagespflege soll sich zunächst bis zu den Osterferien zweimal pro Woche mittels Schnelltests anlasslos testen lassen können.

Nordrhein-Westfalen will vom 22. Februar an Schritt für Schritt zum Präsenzbetrieb zurückkehren. Dies soll in Abstimmung mit den Nachbarländern Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hessen geschehen. Begonnen werde zunächst mit Wechselunterricht in den Grundschulen, sagte Ministerpräsident Armin Laschet. Das bevölkerungsreichste Bundesland will zudem Lehrkräfte mit zwei Masken nach FFP2-Standard pro Tag ausstatten, außerdem könnten sich Lehrende zweimal die Woche auf das Coronavirus testen lassen.

Kitas und Grundschulen in Thüringen könnten am 22. Februar wieder öffnen. Das sieht der Entwurf der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung vor. In den anderen Klassenstufen gilt bis Ende Februar Homeschooling. Ab Anfang März soll ab der siebten Klasse wieder der Unterricht starten, sofern in der jeweiligen Region der Inzidenzwert unter 100 liegt.

Ab dem 22. Februar treten im Saarland die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen und des Primarbereichs der Förderschulen in den Präsenzunterricht im Wechselmodell ein. Kitas bieten weiterhin eine bedarfsgerechte Betreuung an. Das bedeutet: Jedes Kind, das Betreuung braucht, kann auch weiterhin in die Kindertageseinrichtung, die Großtagespflegestelle oder den Hort kommen. Weitere Nachweise sind nicht notwendig.

Mecklenburg-Vorpommern will am 24. Februar starten, also nach dem Ende der Winterferien. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche sollen die Klassenstufen 1 bis 6 und Kitas wieder in den Regelbetrieb starten können. Für ältere Schülerinnen und Schüler soll mit Blick auf die Infektionszahlen eine stufenweise Öffnung, zunächst wahrscheinlich im Wechselbetrieb, beraten werden. Bei Risikogebieten mit einer Inzidenz über 150 bleibt es nach den Worten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei der Notbetreuung. Für Abschlussklassen gilt auch nach den Winterferien Präsenzunterricht, Schülerinnen und Schüler über zwölf Jahren bleiben nach den derzeitigen Plänen weiter im Homeschooling.

Schüler und Schülerinnen einer 12. Klasse des Unterhachinger Lise-Meitner-Gymnasiums nehmen im April am Unterricht teil (Archivbild). | Bildquelle: dpa
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Modell Wechselunterricht: So bleiben viele Plätze im Klassenraum leer - und der Abstand gewahrt.

Die Schulen in Sachsen-​Anhalt bleiben bis zum 28. Februar 2021 geschlossen. Für die Jahrgänge 1-6 wird es weiterhin eine Notbetreuung geben. Ausgenommen von den Schulschließungen sind Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge. Soweit in einem Landkreis oder in einer kreisfreien Stadt die 7-​Tages-Inzidenz den Wert von 200 pro 100.000 Einwohner im Zeitraum 22. bis 26. Februar an allen Tagen unterschreitet, wird ab dem 1. März an den Grundschulen und den Förderschulen der Präsenzunterricht unter Befreiung von der Präsenzpflicht wieder aufgenommen. Dabei findet der Unterricht an Grundschulen in festen Lerngruppen statt. Sinkt der Inzidenzwert auf 50, soll an allen Schulen des jeweiligen Landkreises oder der jeweiligen kreisfreien Stadt wieder Regelbetrieb stattfinden. Auch Kitas sollen ab dem 1. März einen eingeschränkten Regelbetrieb anbieten.

An den Hamburger Schulen wird bis zu den bis zu den am 1. März beginnenden Frühjahrsferien weiterhin Distanzunterricht erteilt. Erst nach den zweiwöchigen Ferien soll es Lockerungen geben. Die Kindertagesstätten sollen hingegen noch vor dem Ende der Frühjahrsferien und damit vor den Schulen wieder aus dem Notbetrieb gehen. Die Sozialbehörde hoffe, schon Anfang März "die ersten Schritte in Richtung regulärer Kitabetrieb gehen zu können", sagte ihr Sprecher.

In Bremen sind vorerst keine Lockerungen für Schulen und Kitas geplant. Es bleibt bei der derzeitigen Praxis. Schüler können entweder Wechselunterricht erhalten oder sie lernen ausschließlich zu Hause. Der Distanzunterricht ist verpflichtend. In Kitas gibt es eine Notbetreuung, den Beschäftigten wird zwei Mal pro Woche ein Covid-19 Schnelltest angeboten. Die Teilnahme an mindestens einer wöchentlichen Testung ist verbindlich.

(Anm. der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, die Kitas in Rheinland-Pfalz starteten am 22. Februar in einen "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen". Richtig ist, dass sie weiterhin im "Regelbetrieb bei dringendem Bedarf" bleiben. Wir haben das korrigiert.)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Februar 2021 um 16:00 Uhr.

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