Neue Wege bei Terminvergabe Per SMS gegen die Impfbürokratie

Stand: 06.03.2021 10:50 Uhr

Millionen Deutsche hoffen auf eine baldige Impfung, doch mancherorts bleiben die Impfdosen erst einmal liegen. Damit es endlich schneller voran geht, setzen Städte und Kommunen auf kreative Lösungen.

Von David Zajonz, WDR

"Sie haben die Möglichkeit zur Corona-Impfung …": Wer in Duisburg diese SMS auf sein Handy bekommt, muss sich beeilen. Denn für jeden frei werdenden Termin mit Restimpfstoff bekommen drei Personen eine Benachrichtigung. Wer zuerst mit "Ja" antwortet, kriegt den Termin und hat häufig schon eine Stunde später seine Spritze im Arm.

Impf-SMS spart Zeit

Mit den spontanen Einladungen versucht die Stadt zu verhindern, dass Impfdosen weggeworfen werden müssen. Bislang sei das auch gelungen, sagt Oliver Tittmann vom Impfzentrum Duisburg. Die Stadt spare sich den Aufwand, möglichen Impfkandidatinnen und Impfkandidaten hinterhertelefonieren zu müssen und sei so deutlich schneller: "Es ist eine einfache Methode, die Spritzen an den Mann oder an die Frau zu kriegen", so Tittmann.

Derzeit wird bei der ungewöhnlichen Terminvergabe ausschließlich medizinisches Personal berücksichtigt, das nach der aktuellen Priorisierung zur Impfung zugelassen und angemeldet ist. Aus dieser Gruppe sucht eine Software per Zufallsgenerator die drei Impfkandidatinnen oder Impfkandidaten aus. In der Regel reagierten die Leute sehr schnell auf die SMS-Nachrichten, sagt eine Sprecherin der Stadt.

Anfragen aus ganz Deutschland

Die Software für die Duisburger "Impfbrücke" wurde von einem Kölner Start-up entwickelt. "Von der ersten Idee Anfang Januar bis zur Umsetzung in Duisburg hat es weniger als zwei Monate gedauert", erzählt Gründer Manuel Hüttel. Er glaubt, dass das Duisburger System innerhalb weniger Wochen auf andere Städte übertragbar wäre: "Wir haben erste Anfragen von Kommunen aus ganz Deutschland."

Vom Musikfestival zur Impfplattform

Auch der Kreis Kleve an der niederländischen Grenze geht beim Impfmanagement einen eigenen Weg. Die zum Kreis gehörende 10.000-Einwohner-Stadt Weeze ist vor allem für zwei Dinge bekannt: ihren Flughafen und das Elektro-Musikfestival Parookaville. Ob das Festival in diesem Jahr stattfinden kann, ist ungewiss, der Kreis Kleve profitiert aber trotzdem davon.

Die Event-Firma hinter dem Parookaville hat ihr Ticketsystem so umprogrammiert, dass damit unter 65-Jährige ihre Impftermine buchen können. Ein Überbleibsel davon ist für die Nutzer auf der Homepage sichtbar: Wer einen Termin bucht, dem werden "Ticketgebühren" in Höhe von 0 Euro angezeigt.

Beim Kreis Kleve zeigt man sich sehr zufrieden mit dem Portal. Das System laufe stabil, es habe zu keiner Zeit technische Probleme gegeben: "Wir hatten das große Glück, im richtigen Moment den richtigen Partner zu haben", sagt Ruth Keuken, Pressesprecherin des Kreises. Kooperationen mit Konzertveranstaltern gibt es an verschiedenen Orten in Deutschland. Mit Schleswig-Holstein setzt sogar ein ganzes Bundesland bei der Impfterminvergabe auf den Veranstaltungsdienstleister Eventim.

Menschen stehen vor einem Impfzentrum in Krefeld | Bildquelle: dpa
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Großer Andrang am Impfzentrum in Krefeld - die Stadt hatte Lehrkräfte und Kita-Personal vorzeitige Impfungen angeboten.

"Kein Tropfen Impfstoff soll liegen bleiben"

Da die Impfungen in Deutschland nur schleppend vorankommen, bröckelt auch die bisherige Impfreihenfolge: In Nordrhein-Westfalen sollen ab kommenden Montag Kita-Personal und Lehrkräfte geimpft werden, die Stadt Krefeld hat damit aber schon einmal losgelegt. Am Freitag vergangener Woche hatte die Stadt erfahren, dass unerwartet 1200 AstraZeneca-Impfdosen zur Verfügung stehen.

Schon am Dienstag begann dort dann eine Sonder-Impfaktion. "Kein Tropfen Impfstoff soll hier in Krefeld liegen bleiben", sagte Oberbürgermeister Frank Meyer zur Begründung. Das Vorziehen der Impfungen für Lehrkräfte und Kita-Personal war nach Angaben der Stadt aber mit dem Gesundheitsministerium des Landes abgestimmt.

Wenn bald mehr Impfstoff geliefert wird und bundesweit nach und nach immer mehr Bevölkerungsgruppen für Impfungen in Frage kommen, wird das Impfmanagement vor große Herausforderungen gestellt. Wie gut diese bewältigt werden, wird wohl auch von der Flexibilität und dem Einfallsreichtum der Verantwortlichen vor Ort abhängen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 06. März 2021 um 06:18 Uhr.

Korrespondent

David Zajonz | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo WDR

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