Coronavirus Schnelltest-Pläne vorerst gestoppt

Stand: 22.02.2021 19:38 Uhr

Schnelltests für alle, kostenlos und ab 1. März - so hatte es Gesundheitsminister Spahn angekündigt. Doch nun macht das "Corona-Kabinett" einen Strich durch die Rechnung.

Von Birthe Sönnichsen, ARD-Hauptstadtstudio

Schnelltests sollen ein wichtiger Baustein werden, um Infektionsketten schnell zu unterbrechen. Deswegen wollte Gesundheitsminister Jens Spahn ab dem 1. März allen, die sich testen lassen wollen, ein kostenloses Schnelltest-Angebot machen. Seine Pläne wurden nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios nun allerdings vom "Corona-Kabinett" erst einmal gestoppt. Zu viele Fragen seien noch offen.

Auch einige Bundesländer sind unzufrieden mit dem bisherigen Konzept aus dem Gesundheitsministerium. Unter anderem ist noch nicht geklärt, wie genau die Schnelltests in den Ländern organisiert werden sollen und wie häufig sich jeder und jede testen lassen kann. Zusätzlich haben die Länder mit der Organisation der Impfungen alle Hände voll zu tun.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, forderte deshalb zuletzt ein "stufenweises Vorgehen". Insbesondere, wenn anfangs nicht ausreichend Tests zur Verfügung stünden. Er hält zunächst den Einsatz in Kitas und Schulen für sinnvoll.

800 Millionen Tests für Deutschland geordert

Das Bundesgesundheitsministerium betont hingegen, dass es genug Schnelltests gebe. Deutschland habe sich für dieses Jahr 500 Millionen Tests gesichert und wird zusätzlich 300 Millionen auf europäischem Weg bekommen. Wann diese Tests den Ländern zur Verfügung stehen, scheint bislang auch noch nicht klar zu sein.

Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, meint, dass diese Frage dringend geklärt werden müsse und auch, wie sich die verhalten müssen, die ein positives Schnelltest-Ergebnis haben. Im Kampf gegen die Pandemie bringe es nichts "einfach nur viele kostenlose Tests anzubieten", es brauche eine Strategie und klare Regeln.

Schnelltests sollen Teil der Gesamtstrategie sein

Eine Schnelltest-Strategie soll nun beim Bund-Länder-Treffen in der kommenden Woche besprochen werden. Dann wird es auch um eine Öffnungsperspektive gehen. Hier sollen die Schnelltests ein Baustein der Gesamtstrategie werden.

Der Bund hat den Einsatz von Corona-Schnelltests in den vergangenen Monaten schon in mehreren Schritten ausgedehnt. Inzwischen werden sie in Pflegeheimen, Kliniken und Schulen eingesetzt - bislang aber nur mit geschultem Personal. In Zukunft sollen auch neue Selbsttest für Zuhause eine größere Rollen spielen. Diese müssen jedoch noch zugelassen werden.

Zur Zeit prüft das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rund 30 Anträge. Noch muss geklärt werden, ob sie auch von Laien sicher und zuverlässig angewendet werden können. Anfang März könnten die ersten Zulassungen kommen. Positive Schnelltests sollen laut Empfehlung des Robert Koch-Instituts auch in Zukunft durch einen PCR-Test im Labor bestätigt werden, da die Schnelltests nicht so zuverlässig sind.

Corona-Kabinett verschiebt Start der Schnelltests für alle
Birthe Sönnichsen, ARD Berlin
22.02.2021 18:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Februar 2021 um 19:12 Uhr.

Korrespondentin

Birthe Sönnichsen | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo WDR

Birthe Sönnichsen, WDR

Darstellung: