Kanzlerkandidatur der Union Der Machtkampf

Stand: 12.04.2021 05:00 Uhr

Laschet will. Söder will. Die Vorsitzenden von CDU und CSU streben die Kanzlerkandidatur der Union an. Heute tagen die Gremien der Parteien. Dort könnte die Vorentscheidung fallen.

Von Anja Günther, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet und Markus Söder: Beide sind bereit und beide halten sich für geeignet für die Unions-Kanzlerkandidatur. Es läuft also auf einen Machtkampf zwischen den beiden Bundesvorsitzenden von CDU und CSU hinaus. Der soll trotzdem einvernehmlich geklärt werden, wie Markus Söder im ARD-Bericht aus Berlin betonte:

"Es kommt auf keinem Fall zu einem Biegen und Brechen", so der CSU-Chef. "Wir wollen am Ende keine zerrissene, sondern eine geschlossene Union und deswegen müssen wir halt in den nächsten Tagen einfach schauen, wie wir mit dieser Verantwortung gut umgehen können, aber die Bereitschaft von beiden ist da, sich in den Dienst der Sache zu stellen."

CSU pocht auf Umfragewerte

Es liegt nicht unbedingt im Naturell des 54-jährigen CSU-Chefs, sich in den Dienst eines anderen zu stellen. In den Dienst von Armin Laschet etwa. Zumal das Pfund, mit dem Söder seit Wochen wuchert, seine guten Umfragewerte sind.

Darauf verweisen auch Söders Unterstützer, wie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt: "Es geht auch darum, wie die Umfragewerte natürlich ausschauen, wie sie im Wettbewerb mit den anderen Kanzlerkandidaten ausschauen. Das in der Gesamtbetrachtung wird dann zu einem Ergebnis führen."

Heute keine Beschlussfassung

Umfragen sind wichtig, aber nicht entscheidend, sagt dagegen Armin Laschet. Aber: Wer soll eigentlich die K-Frage entscheiden? Die beiden Konkurrenten allein, die Parteigremien, die Basis, alle gemeinsam? Eine Vorentscheidung könnte heute fallen. In München tagen die CSU-Gremien, in Berlin die Gremien der CDU. Das Präsidium sogar in Präsenz.

Laschet dürfte es wichtig sein, den Präsidiumsmitgliedern in die Augen zu schauen, wenn er sich aufmacht, sich ihrer Unterstützung zu versichern: "Wir werden keine Beschlussfassung machen, so haben wir es auch mit Markus Söder verabredet. Aber wir werden ein Meinungsbild einholen, wie die Haltung der CDU ist. Und dann Empfehlungen geben für den weiteren Weg", so Laschet gestern Abend im ZDF.

Seit knapp drei Monaten erst ist er CDU-Bundesvorsitzender, schwer vorstellbar, dass ihm seine Partei nun bei der wichtigen Kanzlerkandidaten-Frage die Gefolgschaft versagt. Wie sollte Laschet dann als CDU-Chef und nordrhein-westfälischer Ministerpräsident weitermachen?

Söder braucht die CDU

Klare Unterstützung für Laschet kommt von einer seiner Stellvertreterinnen, von Silvia Breher: "Armin Laschet - ich vertraue ihm. Er macht einen guten Job als Ministerpräsident. Er macht einen guten Job als Parteivorsitzender. Und er kann auch Kanzlerkandidat. Und er soll auch Kanzlerkandidat."

Und der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder? Der weiß natürlich und sagt das auch: Wenn die CDU ihn nicht ruft, ihn nicht breit unterstützt, dann kann er nicht Kanzlerkandidat werden. "Das ist ja ganz normal demokratisch: Keiner kann ja kandidieren, wenn es keine Mehrheit gibt", sagt er.

Die nächsten Tage dürften entscheidend werden. Noch will Laschet als Vorsitzender der größeren der beiden Schwesterparteien nicht konkret zugreifen, sondern noch einmal die Lage sondieren. Mit missverständlichen Äußerungen, mit vagen Positionen und zögerlichen Aktionen hatte Laschet zuletzt für Kritik an seiner Person gesorgt. Nun gibt er sich selbstbewusst: "Viele gucken, was in Deutschland passiert. Da, glaube ich, kann ich meinen Beitrag zu leisten und darum werde ich bereit sein zur Kandidatur - so wie Markus Söder - und um Vertrauen bitten."

 

Laschet und Söder: Beide wollen die Kanzlerkandidatur
Anja Günther, ARD Berlin
12.04.2021 05:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. April 2021 um 06:20 Uhr.

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