Weltgesundheitsorganisation Als Corona zur Pandemie wurde

Stand: 11.03.2021 08:35 Uhr

Als die WHO vor einem Jahr das Coronavirus zur Pandemie erklärte, sprach sie von großer Sorge - und auch einer alarmierenden Untätigkeit. Doch auch sie stand und steht in der Kritik. Hat die WHO ihre Rolle gefunden?

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Über Wochen hatte es die Weltgesundheitsorganisation vermieden, den Ausbruch des Coronavirus Sars-Cov-2 als Pandemie zu bezeichnen. Doch als vor einem Jahr in 114 Ländern 118.000 bestätigte Infektionen gezählt worden und fast 4300 Menschen an Covid-19 gestorben waren, da sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus: "Wir sind zutiefst besorgt sowohl über das alarmierende Ausmaß der Ausbreitung und des Schweregrads, als auch über das alarmierende Ausmaß der Untätigkeit. Wir haben daher die Einschätzung getroffen, dass Covid-19 als Pandemie bezeichnet werden kann."

Rückblickend sagte der WHO-Chef Anfang dieser Woche, das viel wichtigere Datum sei der 30. Januar gewesen, an dem der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen worden war. Doch auf diese höchste Alarmierungsstufe hätten die Staaten ganz unterschiedlich reagiert, so Ghebreyesus: "Eines der Dinge, die wir noch verstehen müssen, ist, warum einige Länder auf diese Warnungen reagiert haben, während andere langsamer reagierten."

Massive Kritik aus den USA

Die Versäumnisse lägen bei der WHO, meinte im vergangenen Jahr unter anderem der damalige US-Präsident Donald Trump. Er kritisierte die Organisation scharf für eine aus seiner Sicht zu langsame Reaktion und für ausbleibende Kritik an China, dem Land, in dem das Coronavirus zuerst entdeckt worden war. Tatsächlich hatte die WHO keinen Grund für Reise- oder Handelsbeschränkungen gesehen, was der Ausbreitung der Krankheit dienlich gewesen sein dürfte.

Olaf Wientzek, der Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Genf, analysiert das Handeln der Weltgesundheitsorganisation. Er sagt, sicherlich habe sie nicht immer perfekt reagiert, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten gewiss "keinen schlechten Job" gemacht und im Vergleich mit früheren Krisen gut reagiert: "Das Problem ist eher, dass die Möglichkeiten und das Instrumentarium der WHO wirklich begrenzt sind."

 Eine Reform ist erforderlich

Damit spricht Wientzek an, was viele sagen: Die Organisation müsse reformiert werden, sodass ihre finanzielle Basis gestärkt wird und sie politisch unabhängiger arbeiten kann. Auch brauche es ein anderes Alarmierungssystem bei Gesundheitsgefahren.

Doch Wientzek sagt auch, im Laufe der Pandemie habe die WHO gelernt und ihre vielfältige Rolle gefunden. Die reiche von Aufklärung über die Kampagne ACT Accelerator zur Unterstützung von Gesundheitssystemen im Kampf gegen Covid-19 bis hin zur Initiative Covax für eine gerechte weltweite Verteilung von Impfstoffen - "das sind schon bespiellose Geschichten globaler Solidarität". Auch wenn das vielleicht nicht ausreiche, sagt Wientzek mit Verweis auf die Finanzprobleme der WHO, so seien solche Mechanismen auch "keine Selbstverständlichkeit".

Nach einem Jahr Pandemie ist aber auch die WHO nicht frei von Selbstkritik. So sagte der Nothilfedirektor der Organisation Mike Ryan, man müsse eindringlicher alarmieren: "Ja, vielleicht müssen wir lauter schreien, aber vielleicht brauchen manche Leute auch Hörgeräte."

1 Jahr Pandemie - die WHO und ihre Rolle in der globalen Gesundheitskrise
Karl Dietrich Mäurer, ARD Zürich
10.03.2021 15:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 11. März 2021 um 07:50 Uhr.

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