Das Weißes Haus in Washington | Bildquelle: AP

US-Wahl Auf diese Staaten kommt es jetzt an

Stand: 04.11.2020 20:52 Uhr

In mehreren US-Bundesstaaten gibt es immer noch keine Entscheidung - was bedeutet das für die Chancen der Kandidaten? Wie ist der Stand - und welche Kombination würde ihnen den Sieg bringen?

Die Ausgangspositionen scheinen sich nicht sehr zu unterscheiden: Joe Biden fehlen laut den Wahlexperten von NEP/Edison noch 33 Stimmen zur Electoral-College-Mehrheit von 270 Wahlleuten - Donald Trump sogar 56 Wahlleute.

Für Biden aber sind viele Gewinnkombinationen denkbar. Ein quasi klassischer Ansatz wäre es, die eigentlich demokratischen "Blue Wall"-Staaten Pennsylvania und Michigan zurückzugewinnen - die Hillary Clinton 2016 an Trump verloren hatte. Mit ihnen käme er exakt auf 270 Stimmen, die Lage in Pennsylvania und Michigan ist aber noch unklar. Allerdings stehen Bidens Chancen auch in Georgia (16 Wahlleute), Arizona (elf Wahlleute) und Nevada (sechs Wahlleute) momentan nicht schlecht.

Trump hingegen muss selbst bei Siegen in den traditionell republikanischen Staaten Georgia (16 Wahlleute) und North Carolina (15 Wahlleute) darauf hoffen, dass ihm mindestens zwei weitere größere Staaten zufallen.

Die Lage im Einzelnen

Pennsylvania (20 Wahlleute): Hier liegt Trump zwar bei 80 Prozent Auszählung sehr deutlich mit rund acht Punkten vor Biden. Auch hier wählten aber - wie in den USA insgesamt - viele Wähler per Brief vorab. Nach Angaben der Website Elections Project waren mehr als 60 Prozent von ihnen als Wähler der Demokraten registriert, und diese Stimmen sind zu großen Teilen zunächst noch nicht ausgezählt. 

Gouverneur Tom Wolf erklärte, es müssten noch rund eine Million Stimmen ausgezählt werden - vor allem Briefwahlstimmen, die Umfragen zufolge eher für Biden ausfallen sollten. Diese Stimmen können in Pennsylvania sogar noch bis zu drei Tage nach dem Wahltag gezählt werden, wenn sie den Poststempel vom 3. November tragen.

2016 hatte Trump in Pennsylvania überraschend mit einem Vorsprung von nur 0,7 Punkten gewonnen. In diesem Jahr lag Biden, der in Pennsylvania geboren wurde, im Umfrageschnitt meist einige Punkte vor Trump.

In Michigan (16 Wahlleute) lag Trump in der Wahlnacht zwar zeitweise mit über 51 Prozent vor Biden. Momentan aber hat Biden einen hauchdünnen Vorsprung: Laut Edison Research kommt er nach Auszählung von 94 Prozent der Stimmen auf 49,5 Prozent und Trump auf 48,8 Prozent. Vor der Wahl abgegebene Stimmen - möglicherweise vorwiegend von Demokraten-Wählerinnen und -Wählern zum Beispiel in der Metropole Detroit abgegeben - durften erst am Wahltag gezählt werden. Die Regierung des Bundesstaats rechnet nach eigenen Angaben in der kommenden Nacht Mitteleuropäischer Zeit mit einem vorläufigen Ergebnis.

Trump hatte das eigentlich demokratisch geprägte Michigan 2016 mit nur 0,2 Prozentpunkten Differenz gewonnen. Im Umfrageschnitt hatte Biden dort vor der Wahl einen Vorsprung von fünf bis acht Punkten.

Georgia (16 Wahlleute) ist seit Jahrzehnten fest in Republikaner-Hand, aber auch hier ist die demokratische Wählerschaft angewachsen. In Umfragen vor der Wahl lagen Biden und Trump etwa gleichauf.

Aktuell hat Trump nur einen Vorsprung von 1,8 Punkten vor Biden, wobei dort schon 93 Prozent der Stimmen ausgezählt waren. Die Nachrichtenagentur AP meldete, es zeichne sich ein so knappes Ergebnis ab, dass noch keine Entscheidung verkündet werden könne. In denjenigen Bezirken, in denen die Stimmenauszählung noch andauere, zeichne sich ein gutes Abschneiden für Biden ab.

North Carolina (15 Wahlleute): Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen führt Trump mit knappen 1,5 Prozentpunkten. Mit einem Ergebnis war eigentlich in der Wahlnacht gerechnet worden - doch es lässt auf sich warten.

Auch in den Umfragen hatte es hier ein knappes Rennen gegeben - 2016 hatte Trump hier drei Punkte Vorsprung.

Arizona (11 Wahlleute): Hier liegt Biden aktuell 3,4 Punkte vor Trump - 86 Prozent sind ausgezählt. Der US-Sender Fox News hielt Bidens Chancen schon vor Stunden für so stabil, dass er den Staat dem Demokraten zuschrieb. Trump hatte Arizona 2016 gewonnen, wie die meisten republikanischen Präsidentschaftskandidaten. In den vergangenen Jahren war der Staat aber demokratischer geworden - in den diesjährigen Umfragen lag Biden beispielsweise meist vor.

Nevada (6 Wahlleute): Der Vorsprung Bidens beträgt nur 0,6 Punkte, der Auszählungsstand ist 86 Prozent. Die Wahlbehörde erklärte, dass es erst am Donnerstag wieder ein ausführliches Update zum Stand der Auszählung geben werde. Biden hatte in den Umfragen fast kontinuierlich vorn gelegen, und der Staat war 2016 an Clinton gegangen.

Über dieses Thema berichtete die Sondersendung zur US-Wahl am 04. November um 16.00 Uhr.

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