Militär in Myanmar Mit brutaler Härte gegen den Protest

Stand: 01.03.2021 06:37 Uhr

Das Wochenende in Myanmar hat gezeigt: Das Militär ist fest entschlossen, die Proteste mit allen Mitteln zu beenden. Mindestens 18 Menschen wurden getötet. Der Prozess gegen Aung San Suu Kyi soll fortgesetzt werden.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Polizisten schießen in die Menge, Menschen rennen panisch davon, eine Tote liegt in einer Blutlache, neben ihr auf dem Asphalt der selbstgebaute Schild, mit dem sie sich schützen wollte - das Stahlblech von einem Geschoss durchschlagen. Bilder in den sozialen Medien zeigen die brutale Härte, mit der Polizei und Militär in Myanmar gegen Demonstranten vorgingen.

Mindestens 18 Tote haben Beobachter der Vereinten Nationen gezählt. Die ARD-Mitarbeiterin in Yangon spricht von 26 Opfern, die Informationslage ist unklar, denn die Militärjunta geht auch gewaltsam gegen Journalisten vor: "Das Militär will nicht, dass sich Leute versammeln, nicht einmal in kleinen Gruppen. Sie lösen selbst diese kleinen Gruppen mit großer Brutalität auf. Und sie versuchen, jeden auf den Straßen zu verhaften - ich bin selbst nur ganz knapp meiner Festnahme entkommen. Ich fürchte, es wird immer schlimmer, und es wird noch mehr Tote geben, aber die Leute lassen sich trotzdem nicht einschüchtern."

Zahl der Festnahmen unklar

Ein Bild im Netz zeigt Polizisten, die Blutspuren auf der Straße mit Sand tilgen. "Karma lässt sich nicht verdecken", hat jemand das Foto kommentiert. Ärzte und Sanitäter haben ihren Streik gegen den Putsch vorerst beendet und sind in die Kliniken zurückgekehrt, um Verwundete zu versorgen. Es mögen Hunderte sein, eine genaue Zahl gibt es nicht.

Auch nicht über die Festnahmen: Die Zahlen schwanken zwischen 1000 und 2000. Generalstabschef Min Aung Hlaing - der neue starke Mann in Myanmar - scheint fest entschlossen, die Massenproteste mit allen Mitteln zu beenden.

"Wir sind wie Wasser, ihr könnt uns nicht aufhalten"

Aber mindestens ebenso groß ist die Entschlossenheit der Bewegung des zivilen Ungehorsams, der Gewalt nicht zu weichen. "Wir sind wie Wasser, ihr könnt uns nicht aufhalten", stand auf einem Transparent: "Es hat uns sehr ermutigt in unserem Protest, den UN-Botschafter aus Myanmar zu sehen. Deshalb kommen wir mit sehr viel Energie und maximaler Entschlossenheit“, erklärt eine Demonstrantin.

Kyaw Moe Tun hatte vor den Vereinten Nationen in New York die strengst möglichen Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft gefordert, um den Militärputsch zu beenden: "Und um die Unterdrückung unschuldiger Menschen zu beenden, die Macht an das Volk zurückzugeben und die Demokratie in Myanmar wiederherzustellen." Die Militärregierung hat den UN-Botschafter natürlich sofort entlassen, doch bislang kann sie die Stimmen des Protestes nicht zum Schweigen bringen.  

Unterdessen wird auch der Prozess gegen Aung San Suu Kyi fortgesetzt, die bei dem Putsch vor einem Monat festgenommen worden war. Die bisherige de-facto-Regierungschefin muss sich wegen illegalen Imports von Funkgeräten und Verstoß gegen das Katastrophenschutzgesetz verantworten. Der 75-Jährigen drohen sechs Jahre Haft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2021 um 02:02 sowie 09.00 Uhr.

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